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Panorama “Perlen der Sibirier“: Zedernkerne im Trend
Nachrichten Panorama “Perlen der Sibirier“: Zedernkerne im Trend
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19:26 01.07.2018
Sind Zedernkerne die besseren Pinienkerne? Quelle: iStockphoto
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Hannover

Die Welt der Pinienkerne ist angenehm überschaubar. Es gibt die guten – diese sind möglichst länglich und stammen aus europäischen Wäldern. Die kleinen Runden dagegen haben ein weniger gutes Image. Sie kommen aus China, und das, obwohl man sie direkt im italienischen Lebensmittelhandel kauft.

Nun kommt ein neuer Player dazu: Zedernkerne. Und niemand weiß, wie man das veränderte Machtverhältnis einschätzen soll. Man fragt sich: Sind Zedernkerne die besseren Pinienkerne? Vertragen sie sich mit italienischen Mozzarellakugeln und niederländischen Tomaten, wenn sie alle auf einem Teller zusammenkommen?

Oder sind die Zedernkerne im Supermarktregal nur eine weitere Reminiszenz des Einzelhandels an unsere Genussgesellschaft, die alle paar Monate ein neues Produkt einfordert, einfach, weil die zum Event stilisierte Nahrungsaufnahme sonst langweilig werden könnte? Zum Glück kann das jeder selbst entscheiden.

Jahrhundertelange Tradition

Die Zeder hat in ihrer Heimat eine jahrhundertelange Tradition. Die Einwohner Sibiriens machen sich der Legende zufolge noch heute auf den Weg in die Wälder, um die nährstoffreichen Kerne zu sammeln. Unter anderem auch deshalb, weil den Nüssen eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird. Zedernkerne sind reich an B-Vitaminen, Kalium, Eisen und Jod. Außerdem sind sie besonders ölhaltig und beinhalten viel Eiweiß.

Gesundheitsexperten sprechen im Zusammenhang mit den Nüssen auch von einer “Kernelite“. Andere bezeichnen sie als “Perlen der Sibirier“. Viele essen sie einfach so, als Snack zwischendurch. Andere kochen damit, vielleicht auch, weil auf mancher Verpackung “geerntet in einer Wildsammlung“ steht. Das klingt so schön nach Natur.

Geerntet werden Zedernkerne im Spätherbst, wenn die Zedernzapfen sich langsam öffnen. Die Ernte dauert dann häufig mehrere Wochen lang. Später werden die Kerne dann von Hand aus der Schale getrennt.

Nussiges Aroma

Dass Zedernkerne ausgerechnet zur Fußball-Weltmeisterschaft im Austragungsland Russland entdeckt werden, ist eher ein Zufall. Entscheidender ist vermutlich, dass ernährungs- und genussorientierte Kunden keine Lust mehr haben, vermeintlich italienische Pinienkerne aus dem fernen China zu kaufen. Massenmarkt und Dolce Vita mögen in der modernen Industriegesellschaft schon lange Hand in Hand gehen. Auf dem eigenen Teller will man das dann trotzdem lieber nicht.

Für die Zeder spricht aber auch noch ein ganz anderer Grund: Die Kerne schmecken. Es mag Menschen geben, denen man Zedernkerne als Pinienkerne vorsetzen kann. Feine Zungen aber bemerken die intensivere Harznote im Geschmack oder stellen gar das nussige Aroma fest.

Zu Pelmeni oder Spaghetti

Deshalb eignen sich Zedernkerne auch ganz wunderbar für ein Pesto: Dazu braucht es nicht mehr als einige Stängel Basilikum, etwas frische Petersilie, gehobelten Parmesan, etwas Knoblauch und etwa 60 Milliliter Olivenöl sowie Salz. Die Menge der dazugegebenen Zedernkerne lässt sich, wie alle anderen Zutaten auch, nach Belieben variieren.

Dazu essen kann man natürlich russische Pelmeni – das sind meist mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen, die es in Multikulti-Stadtteilen sogar in deutschen Supermärkten gibt. Oder aber man schummelt – und kocht Spaghetti dazu. Ob darauf dann Kerne aus Russland oder dem ähnlich fernen China liegen, ist dem globalisierten Genießer schlussendlich wahrscheinlich egal. Hauptsache, es schmeckt.

Von Dany Schrader

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