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Panorama Polizei nimmt „Mädchen mit den grünen Augen“ fest
Nachrichten Panorama Polizei nimmt „Mädchen mit den grünen Augen“ fest
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16:04 26.10.2016
Das Porträt des Flüchtlingsmädchens mit den intensiven grünen Augen ging 1985 um die ganze Welt (l.). 17 Jahre später fand der Fotograf Steve McCurry das Mädchen wieder. Quelle: National_Geographic_Society
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Islamabad

Sharbat Gula ist in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar verhaftet worden. Das bestätigte ein Polizeibeamter am Mittwoch. Die afghanische Frau sitze seit Dienstagabend wegen Fälschung einer nationalen Identitätskarte in Haft.

Der bekannte US-amerikanische Fotograf Steve McCurry hatte Sharbat Gula 1984 in einem afghanischen Flüchtlingslager am Rande Peshawars für das Magazin „National Geographic“ fotografiert. Damals war sie etwa 12. Im Juni 1985 war das Foto Titelbild des Magazins. Sie wurde das Gesicht des zivilen Leidens im afghanischen Krieg jener Zeit.

In Afghanistan war 1979 die sowjetische Rote Armee einmarschiert. Ein von religiösen Gruppen dominierter Volksaufstand begann. Die Sowjetunion reagierte unter anderem mit Flächenbombardements. Millionen Afghanen flohen, unter anderem ins Nachbarland Pakistan.

Mittlerweile ist sie Mutter von drei Kindern

17 Jahre nach der Aufnahme besuchte der Fotograf Steve McCurry das Mädchen von 1984 noch einmal. Er fand sie in einem abgelegenen afghanischen Dorf. Sie war inzwischen mit einem Bäcker verheiratet und hatte drei Kinder. Doch irgendwann kehrte sie dann wieder nach Pakistan zurück.

Im April 2014 habe Gula in Peshawar einen pakistanischen Personalausweis auf den Namen Sharbat Bibi beantragt, sagte Ilyas. Obwohl das pakistanische Personenregister digitalisiert ist, soll Gula wie tausende andere afghanische Flüchtlinge auch widerrechtlich an die Papiere gelangt sein. In dem Zusammenhang werde auch gegen drei Nadra-Mitarbeiter ermittelt, die Gula den Ausweis ausgestellt haben sollen. Sie sind seit Beginn der Ermittlungen vor zwei Jahren untergetaucht.

Millionen Afghanen leben noch in Pakistan

Mit einer großangelegten Kampagne suchen die pakistanischen Behörden Ausländer mit illegalen pakistanischen Personalausweisen. Seit Beginn der Kampagne wurden nach Nadra-Angaben 91 Millionen Ausweise überprüft, dabei wurden mehr als 60.000 falsche Ausweise bei Ausländern entdeckt. Fast 2500 der Betroffenen gaben die Papiere inzwischen freiwillig zurück, die meisten von ihnen Afghanen.

Insgesamt sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks 1,4 Millionen afghanische Flüchtlinge in Pakistan registriert. Hinzu kommen schätzungsweise eine Million nicht registrierter Flüchtlinge. Seit 2009 hat die Regierung in Islamabad den afghanischen Flüchtlingen im Land wiederholt Fristen für deren Heimkehr gesetzt, sie aber immer wieder verschoben. Unter den Flüchtlingen wächst nun aber die Furcht, die derzeit geltende Frist für kommenden März könnte endgültig sein.

Und Sharbat Gula? Nach pakistanischem Recht drohen der heute 40-Jährigen sieben bis 14 Jahre Haft sowie eine Geldstrafe von bis zu 5000 Dollar, weil sie mit Hilfe falscher Papiere in Pakistan gelebt habe, sagte Shahid Ilyas von der pakistanischen Registrierungsbehörde Nadra am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Von dpa/afp/RND

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