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Panorama Polizei prüft Ermittlerpanne im Mordfall Peggy
Nachrichten Panorama Polizei prüft Ermittlerpanne im Mordfall Peggy
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17:13 27.10.2016
Untersuchung einer DNA-Probe. Quelle: dpa
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Bayreuth

Es war eine überraschende Wende im Mordfall Peggy, als die Ermittler Mitte Oktober berichteten, dass sie auf einem kleinen Stoffstück DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt gefunden hatten. Überraschend daran war, dass dieser Stofffetzen neben den sterblichen Überresten von Peggy Knobloch gelegen hatte. Seitdem wurde gerätselt, was der mutmaßliche NSU-Rechtsterrorist mit dem Tod des kleinen Mädchens zu tun gehabt haben könnte.

Seit Donnerstag gibt es eine neue Vermutung: Polizei und Staatsanwaltschaft erklärten, dass sie Hinweise auf einen Fehler der Ermittler hätten. Was folgt daraus? Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

Wissen wir nach dieser Auskunft der Behörden mehr als bisher?

Ja. Immerhin ist jetzt sicher, dass die Ermittler wissen, an welcher Stelle sie genauer hinschauen müssen: nämlich auf die Tatortgruppe der Thüringer Polizei, die mit der Spurensicherung in beiden Fällen befasst war. Bisher hatte die federführende Staatsanwaltschaft in Bayreuth lediglich – ganz allgemein – nicht ausgeschlossen, dass eine Verunreinigung der Grund dafür sein könnte, dass die DNA-Spur des mutmaßlichen Rechtsterroristen Böhnhardt am Fundort von Peggys Knochen gefunden wurde. Jetzt sprechen die Ermittlungsbehörden schon von „möglichen Anhaltspunkten“ dafür, dass die Thüringer Tatortgruppe in beiden Fällen dasselbe Spurensicherungsgerät verwendet habe.

Wie wahrscheinlich ist eine Panne der Ermittler?

Das ist noch nicht klar. Eine Aussage zur Qualität der Spurensicherung und einer möglichen Kontamination – also Verunreinigung – können die Ermittler erst nach weiteren Ermittlungen treffen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft schreiben. Dafür brauchen sie nach eigenen Angaben vor allem deutlich mehr Zeit.

Gab es schon einmal Fehler im Zusammenhang mit Peggy oder Böhnhardt?

Ja. Im NSU-Komplex haben sich die Ermittler vor einigen Jahren bereits eine Blamage mit DNA geleistet. Inzwischen wird der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 in Heilbronn der Terrorgruppe zugerechnet, die sich selbst „Nationalsozialistischer Untergrund“ nannte und zu der Böhnhardt gehört haben soll.

Davor aber hatten die Ermittler fast zwei Jahre lang eine „Frau ohne Gesicht“ gejagt – auf Basis der DNA-Spur einer Unbekannten. Diese Gen-Spuren am Dienstwagen der Polizistin fanden sie bei mehr als 35 Straftaten, zum Beispiel bei Morden oder Einbrüchen in Gartenhäuser.

Im März 2009 räumte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg ein: Die Spuren waren durch die Mitarbeiterin einer Verpackungsfirma auf die Wattestäbchen gelangt, die die Polizei bei ihrer Arbeit mit Spuren benutzte.

Im Fall Peggy wiederum wurde 2004 ein geistig behinderter Mann wegen des Mordes an der Neunjährigen verurteilt. Nach zehn Jahren wurde er aber im Zuge eines Wiederaufnahmeverfahrens freigesprochen.

Wie machen die Behörden jetzt weiter?

Das Spurensicherungsgerät, das in beiden Fällen eingesetzt wurde, soll jetzt untersucht werden. Das übernimmt eine Stelle, die bisher in den Verfahren noch nicht mit den kriminaltechnischen Untersuchungen befasst war – also auch nicht mit der Untersuchung der DNA-Spuren. Zudem vernehmen die Ermittler nach eigenen Angaben Zeugen, um den genauen Weg der Spur „lückenlos zu überprüfen“.

Gibt es Hinweise, dass die DNA-Spur keine Panne gewesen sein könnte – und tatsächlich ein Zusammenhang besteht zwischen Peggy und dem NSU?

Auch das ist noch unklar. Es gibt Spekulationen, aber die Frage soll im Zuge der NSU-Aufklärung ausführlich untersucht werden. Unter anderem die Vorsitzende des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses, Dorothea Marx (SPD), kündigte dies an.

Bereits 1993 gab es im Fall eines in Jena getöteten Neunjährigen den Verdacht, Rechtsextreme könnten mit dessen Ermordung zu tun haben. Außerdem ist ein V-Mann des Thüringer Verfassungsschutz, der Neonazi Tino Brandt, 2014 unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden.

Am Mittwoch erst hatte der Vorsitzende Richter im Münchner NSU-Prozess, Manfred Götzl, die Hauptangeklagte und mutmaßliche NSU-Komplizin Beate Zschäpe gefragt, was sie dazu weiß. Die Antwort steht noch aus.

Von dpa/RND/wer

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