Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Panorama SEK muss anrücken: Polizeieinsatz in Flüchtlingsunterkunft eskaliert
Nachrichten Panorama SEK muss anrücken: Polizeieinsatz in Flüchtlingsunterkunft eskaliert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:04 25.10.2018
Polizisten auf dem Gelände der Asylbewerberunterkunft Stephansposching. Quelle: Armin Weigel/dpa
Stephansposching

In einer Asylbewerberunterkunft in Niederbayern ist die versuchte Festnahme eines Mannes aus dem Ruder gelaufen. Der Asylbewerber aus Nigeria habe sich am Mittwoch aus dem Gewahrsam der Polizei befreit, teilten die Ermittler mit. Bewohner der Unterkunft randalierten, Beamte seien massiv bedrängt worden. Spezialeinsatzkräfte der Polizei rückten zur Verstärkung an, eine Autobahn wurde zeitweise gesperrt. Im Zuge des Großeinsatzes in Stephansposching (Landkreis Deggendorf) wurden 17 Menschen festgenommen. Eigentlich waren die Beamten wegen eines anderen Asylbewerbers gekommen, den sie aber nicht mitnehmen konnten.

Polizeieinsatz eskalierte, als Nigerianer abgeschoben werden sollte

Auslöser war nach Angaben eines Polizeisprechers der 29-jährige Nigerianer, der bei der versuchten Abschiebung des anderen Asylbewerbers die Beamten angriff. Er habe zudem Stühle umgeschmissen und gegen die Einrichtung der Unterkunft geschlagen. Wegen seines Verhaltens sollte er in Gewahrsam genommen werden, dagegen habe er sich aber massiv gewehrt. Kurz nachdem er in ein Polizeiauto gesperrt worden war, habe er flüchten können.

Zwischenzeitlich wurden die Beamten von anderen Bewohnern so stark bedrängt, dass sie sich aus „taktischen Gründen“ zurückzogen, wie ein Sprecher sagte. Der Flüchtige konnte später mit zwei weiteren Asylbewerber festgenommen werden.

Ein Polizist steht mit einem Hund auf dem Gelände der Außenstelle Stephansposching des Ankerzentrums Deggendorf. In der Asylbewerberunterkunft ist die versuchte Festnahme eines Mannes aus dem Ruder gelaufen. Quelle: Armin Weigel/dpa

Da sich nach Polizeiangaben die Bewohner in der Unterkunft zusammenschlossen, verließ auch der Sicherheitsdienst das Gelände. Die Beamten fürchteten dem Sprecher zufolge, dass sich die Gruppe unter anderem mit Messern bewaffnen könnte. Sie forderten deswegen Verstärkung an - darunter auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK).

Polizisten durchsuchten Asylbewerberunterkunft

Zahlreiche Polizisten betraten am Nachmittag das Gelände und durchsuchten die Räume. Dabei wurden den Angaben nach 14 Menschen festgenommen. Die Elite-Polizisten des SEK griffen bei der Aktion nicht ein. Verletzt wurde laut Polizei niemand.

Gegen alle 17 Festgenommenen wird wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs ermittelt. Gegen den Nigerianer wurde von der Regierung von Niederbayern ein Abschiebehaftantrag beim Amtsgericht Deggendorf gestellt.

Für den Einsatz musste dem Sprecher zufolge für etwa 20 Minuten die direkt an der Unterkunft vorbeiführende Autobahn 92 gesperrt werden, weil Gefahr bestand, dass Menschen auf die Fahrbahn liefen. Die Polizei wollte ursprünglich einen Asylbewerber aus Sierra Leone abholen, um ihn nach Italien zurückzuschicken - sie traf ihn aber nicht an. Bei der Unterkunft handelt es sich um eine Außenstelle des Ankerzentrums in Deggendorf.

Von RND/dpa