Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Panorama Schleuserkapitän muss 18 Jahre ins Gefängnis
Nachrichten Panorama Schleuserkapitän muss 18 Jahre ins Gefängnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:21 13.12.2016
Der Schleuser Mohammed Ali Malek muss für 18 Jahre ins Gefängnis. Quelle: afp
Catania

Im Prozess um eine der schwersten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer mit Hunderten Toten sind zwei Schlepper zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Der tunesische „Kapitän“ des Schiffes bekam 18 Jahre Haft, sein Helfer aus Syrien 5 Jahre, urteilte das Gericht am Dienstag in Catania auf Sizilien. Beide sollen zudem je neun Millionen Euro Strafe zahlen. Bei dem Bootsunglück im April 2015 waren nach Angaben des Gerichts mehr als 700 Menschen umgekommen, nur 28 überlebten.

Höchste Strafe für Hauptangeklagten

Bei der Marine hieß es nach der Bergung des Schiffes sogar, dass zwischen 800 und 900 Flüchtlinge starben, als das völlig überladene Schiff vor der Küste Libyens sank.

Der 28 Jahre alte Hauptangeklagte aus Tunesien wurde wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Herbeiführens eines Schiffbruchs und Menschenschmuggels verurteilt – sein 26 Jahre alter Helfer aus Syrien nur wegen Menschenschmuggels. Beide hatten ihre Unschuld beteuert. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Tunesier 18 Jahre und für den Syrer 6 Jahre Haft gefordert.

Das Schiff war am 18. April 2015 vor der libyschen Küste gesunken, weil die Menschen an Bord in Panik geraten waren, als ein Handelsschiff zur Rettung nahte.

Die italienische Regierung ließ das Wrack im Mai vom Meeresgrund heben. Es wurde nach Sizilien gebracht, wo Experten die Leichen identifizierten. Hunderte Tote wurden im Schiffsbauch gefunden.

Als Symbol für die Flüchtlingskrise wollte der ehemalige italienische Regierungschef Matteo Renzi das Boot nach Brüssel bringen, um es als Mahnmal vor den EU-Behörden aufzustellen.

In Italien kommen immer noch Zehntausende Flüchtlinge an, in diesem Jahr waren es schon über 170.000. Das Land fühlt sich von den EU-Partnern alleinegelassen und verlangt seit Langem eine gerechtere Lastenverteilung.

Staatsanwalt: Richtungsweisendes Urteil

In diesem Jahr kamen bereits mehr als 4740 Menschen im Mittelmeer ums Leben. Oft werden skrupellose Schlepper für den Tod der Menschen verantwortlich gemacht, da sie die Flüchtlinge auf schrottreife Boote zwingen und ihnen weder zu essen noch zu trinken geben.

Staatsanwalt Carmelo Zuccaro erklärte, das Urteil sei aus mehreren Gründen richtungsweisend: Es setze fest, dass Italien die Gerichtsbarkeit über Menschenschmuggel in internationalen Gewässern habe, vorausgesetzt die Schlepper haben einen Notruf auf dem Meer abgesetzt. Und dass die normalen „Passagiere“ auf Flüchtlingsbooten als Leidtragende eingestuft werden müssten, nicht als mögliche Verdächtige.

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sie haben sich in einem „Kannibalen“-Forum auf dem Gutshof im Gimmlitztal verabredet. War es Mord? War es Tötung auf Verlangen? Der frühere Kriminalbeamte Detlev G. hat sich erneut vor Gericht verantworten müssen. Er plädiert auf Freispruch, doch es kommt ganz anders.

13.12.2016
Panorama Dreharbeiten für „The Aftermath“ - Keira Knightley dreht wieder in Hamburg

Hollywood-Star Keira Knightley kommt wieder nach Hamburg. Der Star aus der „Fluch der Karibik“-Reihe wird im Frühjahr 2017 in der Hansestadt und in Schleswig-Holstein für den Film „The Aftermath“ vor der Kamera stehen.

13.12.2016

Im Mordprozess um das "Horror-Haus" schildert die Angeklagte Angelika W. weitere Grausamkeiten. Ungerührt spricht sie über die Qualen und die Unterwerfung des zweiten Todesopfers.

13.12.2016