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Panorama Sitzen Männer von Natur aus breitbeinig?
Nachrichten Panorama Sitzen Männer von Natur aus breitbeinig?
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17:50 01.08.2017
„Das Becken ist schuld“: Manspreading in New York. Quelle: dpa
Hannover

Für manche ist es das Symbol schlechthin für die machohafte, egozentrische Männerwelt: Männer, die derart breitbeinig in der U-Bahn oder im Bus sitzen, dass sie zwei Plätze auf einmal brauchen und die zierliche Nebenfrau dazu zwingen, sich in das äußerste Sitzdrittel zu zwängen.

Im Internet kursieren unter dem Stichwort „Manspreading“ unzählige Fotos mit Beispielen von Herren, die sich beeindruckend nahe am Sitzspagat in der U-Bahn breit machen. In Madrid haben die Verkehrsbetriebe kürzlich mit Hinweisschildern reagiert, um das Sitzplatzpatriarchat zu beenden. Ähnliche Aufkleber sieht man in New York. „Dude, stop the Spread, please!“ steht dort auf Hinweistafeln.

„One Body, one Seat“

Ein Wirbelsäulenspezialist von der „London Clinic“ hat sich nun daran gemacht, die Ehre der Männer zu retten. Seine These: „Manspreading“ sei weniger egoistische Machoattitüde, sondern vielmehr eine physiognomische Eigenart des Mannes. „Frauen haben in der Regel ein breiteres Becken und der Winkel des Schenkelhalses ist spitzer. Diese Faktoren könnten der Grund dafür sein, warum Männer nicht gerne mit geschlossenen Beinen sitzen“, sagte der Arzt John Sutcliffe dem „Independent“. Sie können also gar nicht anders. Es wird für einige Männer das erste Mal seit Jahren sein, dass sie einem Arzt grenzenlos vertrauen.

Dabei ist es nicht der erste Versuch, die Debatte ins Medizinische zu überführen. Einige Theorien führen die breiteren Schultern der Männer an, die zu raumgreifendem Sitzen führten. Andere verweisen nicht ohne Stolz auf ihre nicht verhaltensmäßige, wohl aber anatomische Männlichkeit, die ihnen geschlossene Beine nicht ermögliche.

Man könnte die Debatte weiter führen. Führende Schlafforscher werden bei entsprechender Befragung gern bezeugen, dass Männer – nach einem harten Arbeitstag – am liebsten liegend nach Hause fahren. Die Wirbelsäule wird entlastet, der Rumpf entspannt. Leider aber geht es den Manspreading-Kritikern nicht um Orthopädie, sondern um die Einhaltung von Grenzen. Oder wie es in Seattle in den U-Bahnen heißt: „One Body, one Seat“ – ein Körper ein Sitz. Ganz gleich, ob männlich oder weiblich.

Von Dirk Schmaler

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