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Panorama Sturmflut im Norden – ein Fazit
Nachrichten Panorama Sturmflut im Norden – ein Fazit
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15:04 05.01.2017
Auf dem Zeltplatz Zempin auf der Insel Usedom riss „Axel“ Teile eines Imbisses in die Tiefe.   Quelle: Tilo Wallrodt
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Lübeck

 Teile der Lübecker Innenstadt sehen aus wie ein Schlachtfeld: Auf den Straßen liegt Gestrüpp, das der Fluss hochgeschwemmt hat, Mülltonnen sind auf die Seite gekippt, Unrat hat sich über die Wege verteilt.

„Das ist böse gewesen“, sagt Monika Wahls, Pächterin der Kneipe „Gang No. 56“ in der Marlesgrube. Es komme nicht häufig vor, dass das Wasser bis zu ihr reiche. „Wir mussten gestern schließen“, sagt sie. „Ich habe noch zu den Gästen gesagt: ‚Trinkt mal aus’, da war das Wasser schon da.“ Nur zehn Minuten habe es gedauert, bis das Wasser von der Kaikante bis zu ihrer Tür gelangt sei. Bei ihr hält sich der Schaden in Grenzen, nur der Teppich im Flur ist vollkommen durchnässt. Ein Fass, das zu Dekozwecken vor der Tür steht, sei fünf Häuser weiter geschwemmt worden. „So ein Ding kann ein Mann alleine nicht heben“, sagt Wahls kopfschüttelnd.

Nach der Sturmflut zieht sich das Wasser am Donnerstagmorgen langsam zurück. Das Ausmaß der Schäden wird sichtbar. Bürger und Einsatzkräfte räumen auf. Einige Bewohner haben die Hochwassersperren mit Butter eingerieben, damit sie besser dicht halten. Aus einer Mietgarage in der Marlesgrube schippt Mirja Toros das Wasser mit einem Schneeschieber auf die Straße raus. „Wir haben die Autos gestern noch rausgefahren und Knöllchen bekommen“, erzählt sie. Noch während des Hochwassers seien Mitarbeiter des Ordnungsamtes durch die Straße gelaufen und hätten kontrolliert – und wer einen Platz in der Mietgarage hat, braucht ja normalerweise keinen Anwohnerparkausweis.

Die Lübecker Altstadt am Tag nach der Sturmflut. Quelle: Holger Kröger

Mecklenburg

In Wismar liefen bei einem Pegelstand von 1,83 Meter – zehn Zentimeter über dem erwarteten Wert – im Hafenbereich der Altstadt einige Keller voll, wie Stadtsprecher Marco Trunk sagte. Der Pegelstand habe einer schweren Sturmflut entsprochen. Teile des Alten Hafens waren überflutet. Da in Stralsund die Hafeninsel teilweise überflutet wurde, wurde das Ozeaneum – Mecklenburg-Vorpommerns besucherstärkstes Museum – mit Spundwänden gesichert.

„Es war die stärkste Sturmflut seit 2006“, sagte Jürgen Holfert, Leiter des Wasserstanddienstes Ostsee des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Am Donnerstagmorgen dürfte der Wasserstand zwar vielerorts noch einen Meter höher als sonst sein. „Die Gefahren der Sturmflut sind aber gebannt.“

 Auf der Insel Usedom verursachte die Sturmflut größere Schäden. Es wurde dort die Alarmstufe 3 ausgerufen. Zwischen Koserow und Zempin habe es Steiluferabbrüche gegeben. Treppenaufgänge, Imbissbuden und Teile von Strandpromenaden seien weggerissen worden, sagte der Sprecher des Kreises Vorpommern-Greifswald, Achim Froitzheim. „Das ist kein Kindergeburtstag. Das ist schlimmer als erwartet.“

Der Strand von Kühlungsborn (Wesr-Mecklenburg) am späten Abend des 4. Januar Quelle: Frank Söllner

Schleswig-Holstein

Die Nacht in der Landeshauptstadt verlief glimpflich: Es gab lediglich drei Einsätze wegen vollgelaufener Keller. Die Kiellinie war am Morgen noch in Richtung Innenstadt ab Bellevue gesperrt, auch am Tiessenkai in Kiel-Holtenau gab es noch sichtbare Folgen. Starken Druck übten die Wassermassen in der Nacht an der Kieler Förde vor allem auf die Orte am Ostufer von Mönkeberg bis Schönberg in der Probstei aus. Im Hafen in Mönkeberg war in der Nacht ein sieben Meter langes Schiff durch die Wasserbewegungen auf einen Poller geschleudert worden und leck geschlagen. Es musste von der Feuerwehr gesichert werden, damit es nicht sinkt.

Unter Wasser: Die Kiellinie in der Landeshauptstadt. Quelle: Frank Behling

Das Hochwasser hat auch die Ostseeküste im Kreis Ostholstein getroffen. Hohe Pegelstände von teilweise mehr als 1,60m ließen vielerorts das Wasser über die Ufer treten. Am Weißenhäuser Strand stapelten sich die Sandsäcke am DLRG Häuschen an der Seebrücke. Einsatzleiter Sven Voß zeigte sich besorgt über die Lage, da der Wind das Wasser direkt auf das Gebäude drückt. Seine Einsatzkräfte stapelten Sandsack für Sandsack um das Gebäude zu schützen. In Heiligenhafen kam es ebenfalls zu Überschwemmungen. Das neue Hochwasserkonzept konnte aber nun seine Feuertaufe bestehen und erwies sich als absolut sinnvoll.

Von RND/LN/KN/OZ

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