Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Panorama Sturmtief „Egon“ hat Deutschland fest im Griff
Nachrichten Panorama Sturmtief „Egon“ hat Deutschland fest im Griff
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:36 13.01.2017
Dieser Lastwagen kam auf der A30 bei Hörstel (NRW) ins Schlingern. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Umgestürzte Bäume, gesperrte Bahnstrecken und Schnee auf den Straßen: Tief „Egon“ hat in der Nacht zum Freitag von Westen her Deutschland erreicht. Im Saarland und in Rheinland-Pfalz fegte der Wind teils mit Orkanstärke über das Land und entwurzelte Bäume. Es kam zu Verkehrsbehinderungen und Stromausfällen. „Wir haben seit Mitternacht massive Probleme mit dem Sturm“, sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken am frühen Freitagmorgen. Auf dem 554-Meter-hohen Weinbiet in Rheinland-Pfalz erreichte der Wind Geschwindigkeiten von bis zu 148 Kilometern in der Stunde.

Auch in Hessen brachte „Egon“ Sturm. „Wir haben schon um die 50 Einsätze wegen umgestürzten Bäumen und Gegenständen, die auf die Fahrbahn geflogen sind“, sagte ein für den Bereich Südhessen zuständiger Polizeisprecher am frühen Freitagmorgen in Darmstadt.

Zur Galerie
Zwei Menschen laufen in Witten (Nordrhein-Westfalen) durch den Schnee, um ihren Anschluss-Bus zu erreichen.

NRW: „Ein Grad kälter und wir hätten das Chaos gehabt“

Die befürchteten Schneemassen in Nordrhein-Westfalen sind am Freitag ausgeblieben. Im Flachland, insbesondere in Ostwestfalen-Lippe, regnete es dagegen am Morgen sehr viel und stark, wie Meteorologe Gerd Budilovsky vom Deutschen Wetterdienst in Essen mitteilte. Von den leichten Schneefällen würden maximal 2 Zentimeter liegen bleiben. „Das Meiste wird wohl als Schneematsch enden“, sagte Budilovsky. Grund dafür seien die mit 0 Grad vergleichsweise milden Temperaturen. Sein DWD-Kollege Thomas Gerwin ergänzt: „Ein Grad kälter und wir hätten das Chaos gehabt.“

Mit Schneeregen und ersten Windböen hat das Sturmtief „Egon“ am frühen Freitagmorgen Berlin und Brandenburg erreicht. Bis zum Nachmittag erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) Neuschneemengen von bis zu 15 cm, vor allem im Norden Brandenburgs. Dabei müsse mit Wind- oder sogar Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis zu 85 Stundenkilometern gerechnet werden. Bis zum späten Nachmittag sollte „Egon“ in Richtung Polen weiterziehen, dann wird es etwas kühler. Bis zum Freitagmorgen registrierte die Polizei keine besonderen Probleme im Straßenverkehr. „Zwischen drei und vier Uhr ereignete sich gerade mal ein Unfall in Berlin“, so eine Sprecherin.

Erhebliche Behinderungen im Emsland

Auch in Teilen Niedersachsens hat „Egon“ den Verkehr lahm gelegt. Im Emsland stellten sich Laster quer und Autos rutschten in Gräben. Betroffen war auch der Bahnverkehr. Die Strecke zwischen Hannover und Bremen musste wegen Unwetterschäden gesperrt werden, wie die Bahn mitteilte. Pendler müssen sich auf Verspätungen einrichten. In anderen Landesteilen gab es nach Polizeiangaben zunächst keine Probleme.

Der Deutsche Wetterdienst hatte für weite Teile Niedersachsens eine Unwetterwarnung herausgegeben. Nach der Vorhersage könnte es am Freitag 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee geben. Schnee und Glätte sorgten rund um Lingen im Emsland für erhebliche Verkehrsbehinderungen. Auf der A30 Richtung Niederlande stellten sich mindestens fünf Lastwagen quer, wie ein Sprecher der Autobahnpolizei sagte. Die Bergungsarbeiten würden mehrere Stunden dauern, die A30 sei gesperrt. Auf Kreis- und Landstraßen rutschten zahlreiche Autos in Gräben. Meist blieb es bei Blechschäden, wie ein Polizeisprecher sagte. „Hier sind alle Kräfte voll im Einsatz.“

Gefährliche Kombi: Nasser Schnee und starker Wind

Auf einigen Bahngleisen sorgte das Unwetter ebenfalls für Probleme: Die Strecken Gießen-Frankfurt und Darmstadt-Bensheim mussten in den frühen Morgenstunden gesperrt werden, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. In Nordrhein-Westfalen war die Strecke Köln-Siegen nicht befahrbar.

„Egon“ bringt wohl auch weiter Sturmböen und Schnee: Bis zu 30 Zentimeter Schnee innerhalb von sechs Stunden seien in Lagen von 400 bis 600 Metern möglich, erwartete Meteorologe Adrian Leyser vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Bis Freitagmittag sollte „Egon“ dann in Richtung Polen weiterziehen. Bei nassem Schnee und starkem Wind könnten erneut Stromleitungen und Bäume umknicken. „Das ist eine sehr gefährliche Kombination“, sagte Leyser. Von Nordrhein-Westfalen bis ins nördliche Sachsen-Anhalt seien daher massive Verkehrsbehinderungen möglich. In der Mitte, im Süden und an der Nordsee seien am Freitag Sturmböen möglich, die auf Bergen sogar Orkanstärke erreichen können. Dort erwartete der DWD Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 110 Kilometern pro Stunde.

Prognose und Blick ins Ausland

Am Wochenende dürften vor allem im Hochland winterliche Bedingungen herrschen. Spätestens am frühen Sonnabend soll laut DWD ganz Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen weiß sein. Am Wochenende nimmt der Wind ab, Schneeschauer sind aber auch noch am Sonntag wahrscheinlich. Vereinzelt kann es Sonne geben, die Temperaturen sinken weiter. Ab der kommenden Woche soll es dann Dauerfrost geben.Doch der starke Wind könnte Wintersportlern und Spaziergängern auch dann noch den Spaß verderben. Bereits am Donnerstag hatten Schnee und glatte Straßen in Teilen Deutschlands den Verkehr erschwert. Bei Unfällen in Bayern waren drei Menschen ums Leben gekommen.

Ein Wintersturm hat in Nordfrankreich zu schweren Beeinträchtigungen der Bevölkerung geführt. Mindestens 190 000 Haushalte seien ohne Strom, berichtete der Radio-Nachrichtensender Franceinfo in der Nacht zum Freitag mit Verweis auf den Netzbetreiber Enedis.

Besonders betroffen seien die küstennahen Regionen Normandie und Picardie. Der Wetterdienst Météo-France hatte vor dem Sturm gewarnt - Böen könnten bis zu 140 Stundenkilometer erreichen. Für fünf Départements nördlich von Paris gab Méteo-France eine besondere Starkwind-Warnung heraus - dies bedeutet, dass die Bürger möglichst zu Hause bleiben und sehr vorsichtig sein sollen.

Von RND/dpa/caro

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei einem verheerenden Brand im US-Bundesstaat Maryland sind sechs Geschwister ums Leben gekommen. Zwei ihrer Brüder konnte eine Achtjährige noch aus den Flammen retten – für die übrigen kam jede Hilfe zu spät. Die Brandursache ist Unklar.

13.01.2017
Panorama Vermeintlicher Unglückstag - Kuriose Fakten zu Freitag, den 13.

Passieren am vermeintlichen Unglückstag Freitag, den 13. tatsächlich mehr Unfälle auf Deutschlands Straßen als an anderen Tagen? Und was hat eigentlich Dornröschen damit zu tun? Wir haben den Faktencheck für Sie gemacht.

13.01.2017

Beim Anfahren drehen die Räder durch, beim Bremsen blockieren sie: Wie Autofahrer auf glatte Straßen reagieren können, lesen Sie hier.

12.01.2017
Anzeige