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Suchtexperten fordern Umkehr in der Drogenpolitik

Gesundheit Suchtexperten fordern Umkehr in der Drogenpolitik

Mehr als vierzig Jahre nach Verabschiedung des Betäubungsmittelgesetzes fordern Experten eine Umkehr im Kampf gegen Drogenrisiken. "Seit 1971 haben der Betäubungsmittel-Konsum und die -Abhängigkeit in damals unvorstellbarer Weise zugenommen und besonders in der Gruppe der Heroinabhängigen zu dramatischen Gesundheitsrisiken geführt", stellt der Alternative Drogen- und Suchtbericht 2015 fest, der in Berlin vorgestellt wurde.

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Illegale Drogen begleiten die Gesellschaft - weil sie von bestimmten Menschen gegenüber den legalen Substanzen Alkohol und Tabak bevorzugt werden.

Quelle: Oliver Berg

Berlin. e. "Das Gesetz hat nicht nur sein Ziel verfehlt, sondern verhindert weiterhin sogar schadensbegrenzende Maßnahmen."

Verbot und Strafe allein griffen viel zu kurz. Der Gesetzgeber müsse endlich Instrumente wie Pilotprojekte zur kontrollierten Abgabe von Cannabis oder "drug-checking" zulassen. Dabei können Konsumenten illegale Drogen auf ihre Inhaltsstoffe untersuchen lassen, so dass sie sich nicht - eventuell tödlich - vergiften.

In der Suchttherapie gehe es längst oft nicht mehr darum, dauerhaft komplett von allen Suchtmitteln loszukommen. Ärzte und Therapeuten wollten oft eher ein möglichst gesundes Überleben ermöglichen, den Konsum vermindern und abstinente Perioden verlängern.

Drogenkonsumenten seien vor dem Gesetz immer Kriminelle, weil Erwerb und Besitz verboten sind. Der illegale Status verhindere bei Überdosierungen und Vergiftungen nicht selten, dass Mitkonsumenten schnell Hilfe holen - sie fürchten die Polizei.

An diesem Donnerstag stellt die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) den offiziellen Drogenbericht der Bundesregierung vor. Der alternative Bericht versteht sich als Gegenstück. Es ist der zweite dieser Art. Er wird herausgegeben von akzept, dem Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik, der Deutschen AIDS-Hilfe und dem Selbsthilfe-Netzwerk JES Bundesverband.

Der Bundesregierung werfen die Autoren Kurzatmigkeit und mangelnde Einsicht vor. Viele Vertreter der Polizei würden längst eingestehen, "dass das Drogenverbot mit polizeilichen Mitteln weder jetzt noch in Zukunft durchgesetzt werden kann".

dpa

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