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Panorama Tim Wiese nennt sich jetzt „The Machine“
Nachrichten Panorama Tim Wiese nennt sich jetzt „The Machine“
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21:08 02.11.2016
„Wenn ich komme, bricht ein Tornado aus“: Tim Wiese gefällt sich in der Rolle des prolligen Wrestlers Quelle: Frank Lothar Lange
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Tim Wiese wirft sich in die Seile. Er wird zurück in die Ringmitte katapultiert und streckt seinen Gegner mit einem krachenden Bodycheck nieder. Schweißperlen wirbeln durch die Luft. Wiese wiederholt die Aktion, zweimal, dreimal, bis sein Gegner nicht wieder aufsteht. Er reißt die Arme nach oben und brüllt in eine Kamera. „Wenn ich komme, bricht ein Tornado aus.“

Früher wäre Tim Wiese für so einen Spruch ausgelacht worden. Die gegnerischen Fans hätten ihn vermutlich ausgepfiffen, wie so oft. Aber diese Zeit ist längst vorbei. Der 34-Jährige, der sein Geld mal als Fußballtorwart verdient hat, ist jetzt Wrestler. Die größte Liga der Welt, World Wrestling Entertainment (WWE), hat ihn offiziell unter Vertrag genommen.

Tim Wiese: „Ich bin nicht zu schlagen“

Am Donnerstagabend steigt Wiese erstmals für einen Kampf in den Ring, in der Münchner Olympiahalle, drei gegen drei. „Das wird einfach nur geil“, sagt Wiese und tönt: „Es kann kommen, wer will, ich bin nicht zu schlagen.“ Wobei das im Wrestling ja so eine Sache ist mit den Vorhersagen: Denn ob er am Ende gewinnt oder verliert, kann Wiese gar nicht beeinflussen. Das wird vorher von der WWE festgelegt, in einer Art Drehbuch.

Ein Sieg in München ist dennoch wahrscheinlich. Wiese soll künftig eine große Rolle beim Schauspiel in Strampelanzügen einnehmen. Er garantiert der WWE größtmögliche Aufmerksamkeit in Deutschland – und umgekehrt: Die WWE bietet Wiese wieder eine Bühne, nachdem er den Unterhaltungsbetrieb Fußball-Bundesliga einst durch den Hinterausgang verlassen musste.

Im Frühjahr 2013 war der ehemalige Nationaltorwart bei 1899 Hoffenheim nach schwachen Leistungen und einigen Undiszipliniertheiten in Ungnade gefallen und aus dem Kader geflogen. Er durfte nicht mal mehr mit der Mannschaft trainieren – obwohl sein Vertrag noch bis Sommer 2016 lief.

Sechsmal pro Woche ins Fitnessstudio

Wiese war damals 31 Jahre alt. Viel zu jung, um mit dem Sport aufzuhören. Er wusste aber auch, dass sich für einen wie ihn wohl so schnell kein Klub mehr interessieren würde. Also saß er seinen Vertrag in Hoffenheim aus, und während der Verein ihm jedes Jahr 3,5 Millionen Euro überwies, begann Wiese damit, sich aufzupumpen.

Er ging sechsmal pro Woche ins Fitnessstudio. Mon­tags: Tri­zeps, Bi­zeps, Brust. Diens­tags: Bei­ne. Mitt­wochs: Schultern, Rü­cken, Bauch. Don­ners­tags ging al­les wie­der von vor­n los. Immer an seiner Seite: Murat Demir, Personal-Trainer und einer der wenigen Menschen, denen sich Wiese anvertraut.

Auf dem Speiseplan stehen täglich 7000 Kalorien

Demir war es auch, der Wieses Speiseplan vor drei Jahren radikal umstellte. Viele Proteine, wenig Kohlenhydrate, täglich 7000 Kalorien. Wiese postete fortan Bilder von seiner Verwandlung in den sozialen Netzwerken. Zum Beispiel, wie er ein Kilogramm Bisonfleisch auf den Grill schmiss – zum Frühstück.

Wiese nahm 30 Kilogramm Muskelmasse zu. Er wog plötzlich 120 Kilogramm, bei einem Körperfettanteil von 10 Prozent. „Ich habe lange nicht mehr so hart gearbeitet wie in den vergangenen Monaten“, sagt er. „Ich bin voll fokussiert und im Tunnel. Ich blende alles um mich herum aus.“

„Im Wrestling kann ich mich geben, wie ich bin“

Vor allem den Spott derer, die seinen Werdegang mit Skepsis begleiten. Wiese hat das ja alles schon erlebt. Die gegelten Haare, die solariumbraune Haut, das Faible für schnelle Autos, die große Klappe – mit seiner prolligen Art hat sich Wiese immer ein bisschen fremd gefühlt unter all den „lieben Jungs“ im Profifußball, wie er sagt. Er eckte oft an, selten war es zu seinem Vorteil. „Im Wrestling kann ich mich jetzt geben, wie ich bin“, sagt Wiese. „Immer volle Kanne voraus.“

Bis zuletzt hat die WWE ein großes Geheimnis daraus gemacht, welchen Namen („The Machine“) und welchen Charakter sie dem Muskelprotz zuordnen wird. Ist Wiese ein Guter oder ein Böser? In diese zwei Kategorien werden Wrestler ja für gewöhnlich unterteilt. „Ich bin ein Böser, eine linke Sau“, findet Wiese. „Ich schlage versteckt zu, will polarisieren. Das ist mein Ding.“ War es schon immer. Es scheint, als habe er jetzt endlich das passende Umfeld dafür gefunden.

Von Patrick Hoffmann

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