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Versteckt im Bienenhaus: Abo Spur

Jüdische Woche Versteckt im Bienenhaus: Abo Spur

Wie überall in Deutschland passte sich auch in Leipzig nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im Jahre 1933 die Bevölkerungsmehrheit sowie Vereine, Verbände und Organisationen der antijüdischen Politik an. Das es auch anders ging zeigt die Freundschft zwischen abo Spur und Alfred Starke.

Abo Spur musste sich zeitweise in einem Bienenhaus vor den Schergen des NS-Regimes versteckt halten.

Quelle: Steffen Heeld (Archiv)/ dpa

Leipzig/Machern. Wie überall in Deutschland passte sich auch in Leipzig nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im Jahre 1933 die Bevölkerungsmehrheit sowie Vereine, Verbände und Organisationen der antijüdischen Politik an. In der Folge zerbrachen Freundschaften, wurden Ehen geschieden, jüdische Mitarbeiter entlassen, jüdische Vorstandsmitglieder abberufen, langjährige Bekannte gemieden, weil es plötzlich als ungünstig, ja sogar gefährlich erschien, mit Juden zu tun zu haben.
Das Ehepaar Alfred und Helene Starke blieb unangepasst, denn es hielt an den freundschaftlichen Kontakten mit Juden fest, als diese unerwünscht und schließlich verboten waren; und die Eheleute nahmen dafür persönliche Nachteile in Kauf.

Der am 14. Januar 1883 in Leipzig-Schönefeld geborene Alfred Starke arbeitete in der Expedition des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler und war für die Auslieferung des Börsenblattes zuständig. Im sozialen Bereich engagierte er sich ehrenamtlich als Waisenpfleger. Zu seinen Schützlingen gehörte Abraham Harribald Salata. Nach der Scheidung der Eltern war Starke als Vormund eingesetzt worden. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung zur Familie des Jungen, der Mutter Irene und den Großeltern Abo und Therese Spur.

Auf die Ausgrenzung des jüdischen Bevölkerungsteils reagierte Alfred Starke an seinem Arbeitsplatz und im privaten Umfeld, indem er nicht an den Maikundgebungen teilnahm, nicht in die Deutsche Arbeitsfront eintrat, sich nicht an den Geldsammlungen für das Winterhilfswerk beteiligte und gegenüber Arbeitskollegen, Bekannten und Freunden politische Entscheidungen kritisierte.

Im September 1934 entzog ihm das städtische Jugendamt das Ehrenamt als Waisenpfleger und am 3. Mai 1935 kündigte ihm der Börsenverein zum Jahresende, „weil er den Gedanken der Betriebsgemeinschaft ablehnte“. Erst nach viereinhalb Jahren fand er bei einer Firma in Machern wieder eine Anstellung.
Abraham Harribald Salata hatte mit seiner Mutter, dem Stiefvater Rubin und der 1935 geborenen Schwester Renate im Herbst 1938 Deutschland verlassen. Nach einer Odyssee durch mehrere Länder gelangten sie in die Vereinigten Staaten.

Therese Spur starb 1933. Abo Spur blieb in freundschaftlicher Verbindung mit dem Ehepaar Starke. Nachdem im September 1941 die Kennzeichnung durch das Tragen des sogenannten Judensterns erfolgte, konnte Abo Spur nur noch heimlich und zu Fuß die Wohnung der Starkes in der Pögnerstraße 6 in Schönefeld aufsuchen. Als 1942 in Leipzig die „Judentransporte“ einsetzten, versteckte das Ehepaar Starke Abo Spur mehrere Monate im Bienenhaus auf ihrem Gartengrundstück in Machern. Als die Gefahr der Entdeckung zu groß wurde, gab Abo Spur das Versteck auf und kehrte zurück nach Leipzig. Er wurde in der einstigen jüdischen Schule in der Gustav-Adolf-Straße 7, einem sogenannten Judenhaus, einquartiert und in einer Kürschnerei als Zwangsarbeiter eingesetzt. Am 14. Februar 1943 war er das letzte Mal in der Wohnung der Starkes. Drei Tage später wurde er nach Berlin gebracht und dann nach Theresienstadt deportiert. Im Dezember 1943 kam er nach Auschwitz und wurde ermordet.

Der Kontakt zwischen dem Ehepaar Starke sowie ihren Töchtern mit Familien und Abraham Harribald Salata und der Familie Rubin blieb nach 1945 bis zur Gegenwart bestehen, auch mit Besuchen in Leipzig und nach 1990 in den USA.

Am 2. Juli, 10 Uhr, Klinger Forum, Karl-Heine-Straße 2: Gespräch mit Prof. Dr. Renate Bridenthal, Enkelin von Abo Spur und Hannelore Reintsch, Tochter von Alfred Starke.

(Steffen Held)

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