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"Viagra für Frauen" darf in den USA verkauft werden

Medizin "Viagra für Frauen" darf in den USA verkauft werden

Der Handel mit Viagra ist ein Milliardengeschäft. Demnächst können auch Frauen in den USA ein Sex-Mittelchen erhalten. Im Unterschied zum Männer-Produkt wirkt es nicht körperlich, sondern soll die Psyche luststeigernd stimulieren.

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Die Pille muss aber jeden Abend eingenommen werden - ob Sex geplant ist oder nicht.

Quelle: Franziska Koark/Symbol

New York. Eine als "Pink Viagra" bekannte Sexpille für Frauen kommt in den USA auf den Markt. Mit der Tablette wurde zum ersten Mal in dem Staat ein luststeigerndes Präparat für Frauen als Medikament zugelassen.

Die Food and Drug Administration (FDA) gab die Genehmigung für den Arzneistoff Flibanserin, der unter dem Namen Addyi vertrieben werden soll. Zuvor hatte die Behörde zwei solche Pharmaanträge abgelehnt. "Die heutige Zulassung gewährt Frauen, die unter sexueller Unlust leiden, eine überprüfte Therapiemöglichkeit", sagte FDA-Forschungsdirektorin Janet Woodcock.

Das Mittel ist umstritten, weil es nur bei einem kleinen Teil der betroffenen Frauen überhaupt wirkt, der Effekt im Durchschnitt recht gering ist und es beträchtliche Nebenwirkungen geben kann.

Flibanserin wird zwar oft als "Viagra für Frauen" bezeichnet, der Wirkmechanismus ist jedoch nicht vergleichbar. Viagra hilft gegen körperliche Aussetzer, Addyi ist dagegen ein Psychopharmakon. Es beeinflusst die Freisetzung bestimmter Hormone und kann so - bei einigen Frauen - die Lust auf Sex steigern.

"Die Wirkung ist gering. Wer will guten Gewissens sagen, dass diese Pille verlässlich funktioniert?", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS), Jakob Pastötter. "Viele Frauen werden sie mit großen Erwartungen nehmen und dann merken: Da passiert ja gar nichts."

Die Psychologin Verena Klein vom Institut für Sexualforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fürchtet, dass mit Addyi die Sexualität der Frau in den Bereich der Krankheit rückt. "Es wird so getan, als gäbe es ein Defizit der Frau, das durch ein Medikament behoben werden könne", sagt die Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS). Sexualität lasse sich aber nicht auf die Biologie der Partnerin oder des Partners reduzieren.

Nach Untersuchungen, die auch die FDA veröffentlicht hat, kam es bei Frauen mit dem Wirkstoff zu einem halben bis einem Mal Sex mehr pro Monat als bei Frauen, die das Scheinmedikament Placebo erhielten.

Sexuelle Unlust ist ein Problem für Millionen Frauen und oft auch eine Belastung für die Beziehung. Die Gründe sind vielfältig, bedeutsame Faktoren sind Stress, Überlastung, Gewohnheit oder auch körperliche Leiden. Mediziner gehen davon aus, dass die Tablette etwa zehn Prozent der Betroffenen helfen könnte.

Ob und wann das Präparat nach Deutschland kommt, ist ungewiss. Derzeit liege kein Antrag auf Zulassung vor, hieß es vom zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn.

Die Pille muss jeden Abend eingenommen werden - ob Sex geplant ist oder nicht. Flibanserin ist ein Antidepressivum, zufällig wurde eine leicht luststeigernde Wirkung entdeckt. Als Nebenwirkungen führen Analysen unter anderem Müdigkeit, Übelkeit und Schwindel an, zudem gibt es Wechselwirkungen bei gleichzeitigem Alkoholgenuss.

Entwickelt wurde der Wirkstoff vom deutschen Hersteller Boehringer Ingelheim. Nach einem negativen FDA-Bescheid gaben die Rheinland-Pfälzer das Projekt 2010 auf. Sprout Pharmaceuticals aus Raleigh im Bundesstaat North Carolina übernahm die Forschung, scheiterte aber zunächst 2013 ebenfalls an der US-Behörde. Der dritte Anlauf brachte nun die Genehmigung.

Die deutsche TV-Sex-Expertin und Autorin Ann-Marlene Henning ("Make Love", ZDF) sieht in "Pink Viagra" keinen Grund zur Freude für Frauen: "Wer möchte denn freiwillig ein Psychopharmakon einnehmen, um mehr Lust zu haben? Das ist so ein Eingriff in den Körper."

dpa

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