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Panorama Extreme Wetterlage: „Hier brennen gerade jeden Tag Felder“
Nachrichten Panorama Extreme Wetterlage: „Hier brennen gerade jeden Tag Felder“
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17:51 05.07.2018
Ein Feuerwehrmann löscht am Abend einen Flächen- und Waldbrand. Bei der anhaltenden Trockenheit gilt in weiten Teilen Nord- und Ostdeutschlands weiterhin die höchste Waldbrandwarnstufe. Quelle: Alexander Weis/Feuerwehr Helmstedt/dpa
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Hannover

Vor allem im Nordosten Deutschlands sind die Böden von der anhaltenden Sommerhitze ausgedörrt. Am Mittwoch waren in mehreren Regionen Waldbrände ausgebrochen und auch am Donnerstag hatten die Feuerwehren vielerorts mit Feuern zu kämpfen.

Bei einem Brand bei Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern haben mehrere Explosionen von Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg die Löscharbeiten erschwert.

Bei Ludwigslust standen mehrere Hektar Wald in Brand Quelle: dpa

Der Einsatzleiter habe die rund 60 Feuerwehrleute aus zehn Wehren zurückziehen müssen, um ihr Leben nicht zu gefährden, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Sie müssten einen Sicherheitsabstand von 1000 Metern zum Brandgeschehen einhalten und könnten lediglich versuchen, eine weitere Ausdehnung der Flammen zu verhindern.

Brandbekämpfung aus der Luft

Das Feuer war am Mittwochabend bei Groß Laasch aus noch ungeklärter Ursache auf einem abgeernteten Feld ausgebrochen und griff dann auf etwa 20 Hektar Kiefernwald über. Insgesamt seien rund 25 Hektar Feld und Wald betroffen. Ein Hubschrauber der Bundeswehr unterstütze die örtlichen Feuerwehren.

Auch in Brandenburg, wo der Boden besonders sandig ist, brannte eine rund 100 Hektar große Feld- und Waldfläche. In der Lüneburger Heide gilt seit Mitte April flächendeckend und durchgehend die höchste Warnstufe.

Die Waldbrand-Überwachungszentrale in Lüneburg Quelle: epd

Die Waldbrand-Überwachungszentrale in Lüneburg sei in diesem Jahr bereits an 64 Tagen besetzt gewesen und habe 240 Brände gemeldet, zählt deren Sprecher Helmut Beuke auf. „Das hatten wir zuvor nicht einmal während eines gesamten Jahres. Hier brennen gerade jeden Tag Felder oder Äcker.“

Existenzen von Landwirten bedroht

Langfristig gesehen droht vor allem den Landwirten wirtschaftlicher Schaden. Der Deutsche Bauernverband erwartet in weiten Teilen Deutschlands erhebliche Ernteausfälle und verlangt deshalb Hilfen für die Betriebe. Existenzen seien bedroht, vor allem wegen Ausfällen bei der Getreideernte, warnte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, am Donnerstag in Westbrandenburg.

Das Ernteergebnis von Getreide wird laut Bauernverband mit 42 Millionen Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von knapp 48 Millionen Tonnen liegen. Wegen des schwierigen Wetters gab es einen außergewöhnlich frühen Erntebeginn. Die Körner seien nicht ausreichend ausgereift. Teilweise sei die Ernte gar nicht eingeholt, sondern gleich gehäckselt worden, hieß es. Deutschlandweit wird Getreide auf 6,25 Millionen Hektar angebaut.

In Brandenburg hatte das Landwirtschaftsministerium ab einer Bemessungsgrenze von 30 Prozent Ausfall 2017 schon Hilfen in Höhe von 7,5 Millionen Euro ausgezahlt, wie Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade mitteilt. Aus dem Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark heißt es, dass die Ausfälle bei vielen Betrieben in diesem Jahr bei 40 Prozent liegen könnten.

Zwei Millionen Liter Wasser für die Herrenhäuser Gärten

Weniger dramatisch, dafür aber arbeits- und wasserintensiv gestaltet sich die Versorgung öffentlicher Grünanlagen. In den Herrenhäuser Gärten in Hannover liegt der Wasserverbrauch derzeit bei zwei Millionen Liter pro Tag, sagt Parkchef Ronald Clark. Sonst seien es 800.000 bis eine Million Liter. Auch im Park der Gärten in Bad Zwischenahn ist der tägliche Wasserbedarf auf 200.000 Liter angestiegen. „Wenn es nicht so trocken ist, brauchen wir vielleicht nur ein Drittel davon“, sagte der Technische Leiter Lennart Böhlje.

Rasensprenger beregnen Grünflächen in den Herrenhäuser Gärten. Quelle: dpa

Die Wasserversorgung ist in den Herrenhäuser Gärten allerdings kein Problem. Die um die Anlage führende zwei Kilometer lange Graft - ein alter Wassergraben - führe genügend Wasser. Daraus werden in den historischen Gärten die Bewässerungsanlangen und auch die Fontänen gespeist. Sollte der Wasserstand in der Graft absinken, könne Wasser aus der Leine hineingepumpt werden. Auch der Fluss führe derzeit noch viel Wasser, sagte Clark.

Auch bei der niedersächsischen Landesgartenschau in Bad Iburg wird derzeit mehr gegossen. Allerdings profitieren die Parkanlagen davon, dass es im Winterhalbjahr sehr viel geregnet habe. „Was uns im Winter großen Kummer gemacht hat, dass der Boden so voll war, das rettet uns jetzt, weil wir einen lehmigen Boden haben“, sagte Sprecherin Imma Schmidt.

Trotz alledem scheint die Trinkwasserversorgung zumindest in Niedersachsen noch nicht gefährdet zu sein. „Niedersachsen bezieht sein Trinkwasser zu 85 Prozent aus Grundwasser. Hier gibt es keine Engpässe und auch die Talsperren im Harz sind nach wie vor relativ gut gefüllt“, erklärt Sabine Schlemmer-Kaune vom Umweltministerium des Landes. Auch die Versorger in Mecklenburg-Vorpommern schlagen nicht Alarm. „Es wird zwar mehr verbraucht als sonst, aber es gibt noch keine Engpässe“, sagte ein Sprecher des Trink- und Abwasserzweckverbands Havelberg.

Von RND/dpa/geb

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