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16:02 11.08.2018
Wer von uns wird den ersten Zipfel vom Meer entdecken? 71 Prozent der Deutschen sind im Sommer 2018 mit dem Auto in den Urlaub gefahren. Trotz Staustress haben die eigenen vier Räder noch immer viele Vorteile – und ein besonderes Flair. Quelle: Jonatan Pie/Unsplash
Hannover

Die Adria. Schon die Oma schrieb Postkarten von hier. Sie reiste damals mit dem Bus, sicher aufgehoben in der Gruppe. Der Reiseleiter war deutsch, das Essen am Hotelbüfett vermutlich auch. Die Eltern fuhren dann schon allein, ganz ungebunden, erst mit dem VW Käfer, später mit dem Golf. Mühsam kämpfte der sich Sommer für Sommer über den Brenner, während die Kinder hinten saßen, Kassette hörten und Bifi aßen. Italien, Spanien, Portugal – kein Ziel war damals zu weit. Und auf dem Rücksitz des Autos wurde Europa plötzlich ganz klein.

Die Fahrt auf den eigenen vier Rädern schließlich hat etwas Befreiendes: Der Urlaub beginnt bei dieser Art des Reisens schon mit dem Zuklappen der Haustür. Sobald der letzte Koffer und die Kühltasche hinter dem Rücksitz verstaut sind, kann das Abenteuer beginnen. Ab jetzt geht es nur noch vorwärts und nicht zurück. Der Alltag wird ganz nebenbei im Rückspiegel kleiner und verschwindet irgendwann am Horizont.

Die Deutschen und das Auto, das war schon immer eine große Liebe, ein Traum von Freiheit. Deshalb ist es auch eigentlich kein Wunder, dass sich die Mehrheit der Bundesbürger noch heute für den eigenen Pkw entscheidet, wenn es um die Anreise in den Urlaub geht.

Die Autobahn an sich ist kein schöner Ort

71 Prozent der Deutschen haben ihr Reiseziel auch im Sommer 2018 mit dem Auto angesteuert, das hat jüngst eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa ergeben. Fast zwei Drittel der Autofahrer (65 Prozent) wollten dabei insgesamt sogar eine Strecke von 500 bis 2000 Kilometern zurücklegen.

Doch wer sich in der Ferienzeit auf europäische Autobahnen begibt, landet zwangsläufig früher oder später im Stau. Rund 11 000 Kilometer Stillstand gab es im Sommer 2017 allein auf deutschen Autobahnen. Und natürlich sollte man sich nichts vormachen: Die Autobahn an sich ist kein schöner Ort, in der Hauptreisezeit ist sie sogar einfach überfüllt. An den Raststätten bekommt man bisweilen nicht einmal einen Parkplatz, die Warteschlangen an den Kassen sind irre lang, die Wespen regieren über die Mülleimer. Und ja, Raststättenklos können trotz selbstreinigender Rotationshygienebrillen ganz schön stinken.

Die Argumente für das Auto als Reisemittel der Wahl sind deshalb vor allem pragmatischer Natur: Es ist die Flexibilität, die das Auto im Urlaub bietet, die bei der Mehrzahl der Befragten im Vordergrund steht. Unter anderem auch, weil man am Urlaubsort beweglich bleibt, Einkäufe erledigen und Ausflüge machen kann.

Für Familien bleibt das Auto oft die einzig realistische Wahl

Noch dazu bietet das Auto für Familien mit Kindern ausreichend Stauraum, man hat einfach immer alles dabei. Wer einmal mit Kindern, Karre und Gepäck versucht hat, einen zeitlich knapp bemessenen Anschlusszug auf einem fremden Bahnhof zu erwischen, kann ein Lied davon singen.

Ein weiteres Argument für das Auto im Urlaub sind natürlich die Kosten. Der Tank eines Autos wird pauschal für alle gefüllt, während bei einer Flugreise pro Kopf abgerechnet wird. Die Ticketpreise aber sind in den Ferienzeiten so hoch, dass eine vierköpfige Familie sie oftmals einfach nicht bezahlen kann.

Also steigen sie alle ins Auto, packen Kofferraum und Dachboxen voll und düsen los. Wenn der Tacho sich auf Richtgeschwindigkeit eingependelt hat, bilden die Ferienreisenden auf der Autobahn einen gleichförmigen Strom. Dass die meisten hier auf dem Weg in den Urlaub sind, das sieht man schon am Gepäck, den Fahrrädern, die am Kofferraum befestigt sind, und manchmal auch an den entspannten Gesichtern. Die Männer tragen ­T-Shirts statt Oberhemden. Die Kinder drücken Kuschelkissen an die Fensterscheibe.

Der Traum von Freiheit, nachgestellt im Stil der 50er-Jahre: Die Familie posiert stolz vor dem geliebten VW Käfer. Der Koffer für die Urlaubsreise in den Süden ist gepackt und auf dem Dachgepäckträger verstaut. Quelle: Imago

Der Urlaub mag auf Instagram zur Perfektion geraten sein. Die Bilder aber, die sich auf der Autobahn zeigen, haben viel mehr mit der Wirklichkeit zu tun. Das bedeutet jedoch nicht, dass es hier nicht auch schön sein kann. Denn für so manchen verströmt auch die Autobahn zwischen all ihrer Hässlichkeit hier und da auch ein kleines Stück Romantik. Da ist etwa das erste Croissant, das man nach einer langen Fahrt durch die Nacht bei Sonnenaufgang an der Raststätte genießt.

Guck mal, hier wächst Wein, kann man im Süden sagen – und darüber staunen, wie lange sich der Gebirgsfluss entlang der Autobahn schlängelt – oder ist es sogar andersherum? Und überhaupt: Wer von uns wird der Erste sein, der einen Zipfel vom Meer entdeckt, kurz, bevor wir endlich da sind?

Jede Familie hat unterwegs einen besonderen Ort: ein Wiedererkennungsmerkmal an der Strecke, die sie oft gemeinsam gefahren ist. Da ist die Autobahnkirche, an der sie irgendwann einmal halten will. Oder die Radoms des Bundesnachrichtendienstes bei Bad Aibling. Die Eltern denken beim Anblick an die Netflix-Serie “Berlin Station“. Die Jüngeren fragen, ob sie damit Alexander Gerst auf der ISS anfunken könnten. Für zehn Minuten ist die Langeweile vergessen.

Erlebnisse am Wegesrand

Diese Erlebnisse am Wegesrand sind es, die den Briten Dan Kieran vor vielen Jahren zum Umdenken bewegten. Der Autor gilt als Begründer der “Slow Travel“-Bewegung, die sich dem langsamen und achtsamen Reisen verschrieben hat. Kieran meidet Flugzeuge, nicht allein wegen seiner Flugangst, sondern, weil er sich seinem Ziel bewusst nähern und sich darauf einstellen will. Er will sehen, was ihm unterwegs begegnet, und nicht einfach drüber hinwegschweben.

Über seine Flugreisen sagte Kieran einmal: “Ich habe mich gefühlt wie ein Frachtgut, ohne die Möglichkeit, mich wirklich auf den neuen Ort einstellen zu können. Man ist gestresst und sorgt sich, ob man den Anschlussflug bekommt.“ Gemeinsam mit zwei Freunden reiste er in einem alten Milchwagen durch Großbritannien. Am Ende dieser Tour ging es Kieran wie allen, die das, was ihnen unterwegs begegnet, auf sich wirken lassen. Er habe mehr über sich selbst gewusst als zuvor, schreibt er in einem seiner Bücher.

Auch das gehört zum langsamen Reisen: Dass die Seele nicht auf die Schnelle von einem Ort zum anderen gejagt wird, sondern Zeit und Muße hat. Mittlerweile hat das Prinzip des “Slow Travellings“ zahlreiche Anhänger gefunden. Das bedeutet zwar nicht, dass zwangsläufig weniger Menschen Flüge buchen. Die Zahl spezieller, langsamer Angebote, etwa von mehrtägigen Sonderbahnreisen durch die USA oder Kanada, aber wächst.

Der Wagen verschmilzt zum Mikrokosmos

Fragt man Erziehungswissenschaftler nach dem Sinn der vergleichsweise langsamen Anreise mit dem Auto, heben sie – bei allen möglichen Nachteilen – die Nähe hervor. Die sich über Stunden ziehende Autobahnfahrt ist zwangsläufig der Beginn einer Zeit abseits des Alltagsstresses: Endlich sitzen alle mal wieder ganz dicht beieinander, der Wagen verschmilzt zu einer Art Mikrokosmos. Es ist unausweichlich, dass die Familie im Innenraum ins Gespräch kommt.

Kinder und Jugendliche, auch das haben Studien ergeben, sind unterwegs sogar gesprächiger. Womöglich erzählen sie zu diesem Anlass einmal das, was sie sonst für sich behalten und was den Eltern vielleicht Sorge macht. Im Alltag, zu Hause, da ist das anders. Da, das ergibt sich ganz zwangsläufig, gehen wir jeder unserer Wege. Arbeit, Musikunterricht, Training, Freunde, Hausaufgaben, der Computer und dann noch der Haushalt: Viele Familien nehmen Umfragen zufolge gerade einmal die Hälfte der zu Hause verbrachten Zeit als wertvoll wahr.

Im Urlaub dagegen dreht sich das um: Der Reiseanbieter Expedia etwa hat ermittelt, dass sich 87 Prozent der Eltern im Urlaub ihrer Familie näher und zugewandter fühlen. 75 Prozent der Eltern gelten im Urlaub als deutlich entspannter und den Kindern gegenüber liebevoller. Das Gute daran ist: Die Entspannung und das neu belebte Zusammengehörigkeitsgefühl halten sich auch nach dem Urlaub noch ein bisschen. Die Abfahrt von der Autobahn mag das Ende des Urlaubs anzeigen. Die Erlebnisse aber bleiben.

Von Dany Schrader

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