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Panorama Weltweit weniger Hinrichtungen – aber mehr Todesurteile
Nachrichten Panorama Weltweit weniger Hinrichtungen – aber mehr Todesurteile
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16:25 11.04.2017
Quelle: EPA
Berlin

Während die Anzahl der Hinrichtungen gesunken ist, sei die Zahl der Todesurteile drastisch auf 3.117 gestiegen – von 1.998 im Jahr 2015. Dies geht aus der Todesstrafen-Statistik der Menschenrechtsorganisation hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Zahlen beinhalten allerdings nur dokumentierte Fälle, so dass es sich um Mindestwerte handelt. Zudem geht Amnesty wie in den Vorjahren davon aus, dass in China Tausende Menschen hingerichtet wurden, ohne dass es belegt werden kann.

87 Prozent der erfassten Hinrichtungen wurden demnach in nur vier Ländern vollstreckt: im Iran 567, in Saudi-Arabien 154, im Irak 88 und in Pakistan 87. Mindestens zwei der Hingerichteten im Iran waren laut Amnesty zur Tatzeit minderjährig. Die USA gehören mit 20 Hinrichtungen erstmals seit 2006 nicht zu den fünf Staaten mit den meisten Exekutionen. Grund dafür seien unter anderem Probleme bei der Beschaffung der Chemikalien für die Todesspritzen.

Wenige Informationen über Todesurteile in China oder Vietnam

In China seien Informationen zur Todesstrafe per Gesetz Staatsgeheimnis, erläuterte der Experte für Todesstrafe der deutschen Amnesty-Sektion, Alexander Bojčević. Daten aus früheren Jahren sowie eine Reihe aktueller Quellen deuteten jedoch darauf hin, dass die Zahlen der Todesurteile und Hinrichtungen unverändert in die Tausende gingen. Die Organisation veröffentlichte einen separaten Bericht zur Lage in China.

Auch in Vietnam ist die Zahl der Hinrichtungen laut Amnesty deutlich höher als bislang angenommen. Dazu seien im Februar erstmals Informationen öffentlich geworden, erklärte die Organisation. Nach Medienberichten wurden in dem asiatischen Land von August 2013 bis Juni 2016 mindestens 429 Menschen hingerichtet.

141 Staaten haben Todesstrafe abgeschafft

Für den deutlichen Anstieg der verhängten Todesurteile sind laut Amnesty ebenfalls wenige Staaten verantwortlich. So habe sich in Nigeria die Zahl der Urteile mehr als verdreifacht. Auch in Kamerun, Sambia und Somalia hätten die Verurteilungen zum Tode zugenommen. Wenige bis gar keine Informationen konnten 2016 über Staaten wie Jemen, Laos, Nordkorea und Syrien erlangt werden.

141 Staaten haben laut Amnesty bislang die Todesstrafe abgeschafft. So seien 2016 mit Nauru und Benin zwei weitere Länder hinzugekommen, in denen es die Todesstrafe in Gesetz und Praxis nicht mehr gibt. „Sie schließen sich damit der Mehrheit der Staaten weltweit an, während eine kleine Minderheit weiter daran festhält“, so Bojčević. Auch sei die Zahl der Länder, in denen Todesurteile gesprochen wurden, im Vergleich zum Vorjahr von 61 auf 55 gesunken.

Von RND