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Panorama Zugunglück von Bad Aibling: Fahrdienstleiter vor Gericht
Nachrichten Panorama Zugunglück von Bad Aibling: Fahrdienstleiter vor Gericht
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16:16 09.11.2016
Den Rettungskräften bietet sich an der Unglücksstelle ein grausiges Bild. Zwölf Menschen sterben bei dem Unfall. Quelle: dpa
Traunstein/Bad Aibling

Fast genau neun Monate nach dem verheerenden Zugunglück von Bad Aibling mit zwölf Toten muss sich der Fahrdienstleiter vor Gericht verantworten. Dem 40-Jährigen wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

Der Bahnmitarbeiter soll bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Smartphone gespielt haben. Dabei geht es um das Töten von Dämonen. Doch der Mann hätte sein privates Handy im Dienst gar nicht benutzen dürfen.

Das Urteil soll am 5. Dezember fallen

Für den an diesem Donnerstag vor dem Landgericht Traunstein beginnenden Prozess sind sieben Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil will der Vorsitzende Richter der Großen Strafkammer, Erich Fuchs, am 5. Dezember verkünden. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

Das Bahnunglück – eines der schwersten in der deutschen Nachkriegsgeschichte – kostete zwölf Menschen das Leben. Fast 90 Insassen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Nach Mitteilung des Gerichts wird der Angeklagte zu Prozessbeginn aussagen. Danach sind Polizeibeamte als Zeugen geladen.

Angehörige der Opfer nehmen am Prozess teil

Vom zweiten Verhandlungstag an werden Sachverständige etwa zur Handynutzung des Fahrdienstleiters oder zu den technischen Einrichtungen an der Bahnstrecke gehört. Auch Rechtsmediziner werden zu den Verletzungen der Opfer befragt. Mehr als 20 Angehörige von Todesopfern sowie Schwerverletzte nehmen als Nebenkläger am Prozess teil.

Rückblende: Faschingsdienstag, 9. Februar, frühmorgens. Auf der Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim ist nicht viel los. Es sind Ferien, daher sitzen keine Schüler im Zug, etliche Berufspendler haben sich frei genommen. Um 6.47 Uhr krachen die beiden Züge namens Meridian ineinander. Ein Triebwagen wird aus dem Gleis geworfen, der entgegengesetzte schlitzt die Front des anderen Zuges regelrecht auf.

Waggons sind total deformiert

Den an der schwer zugänglichen Unfallstelle eintreffenden Rettungskräften bietet sich ein schreckliches Bild. Feuerwehrleute müssen nach und nach neun Tote und Dutzende Verletzte aus total deformierten Waggons holen. Der Zusammenstoß hat enorme Kräfte freigesetzt. Es dauert den halben Tag, bis auch das letzte Opfer geborgen ist.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Fahrdienstleiter beide Züge am Unglücksmorgen zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Bad Aibling gleichzeitig auf die eingleisige Strecke geschickt. Technische Vorrichtungen, die das eigentlich verhindern, blockierte er.

Dem ersten folgt der zweite Fehler

Als der Mann den verhängnisvollen Irrtum bemerkte, beging er laut Anklage einen weiteren Fehler: Er wollte die Lokführer noch warnen, erwischte aber den falschen Knopf, so dass der Alarm nicht in den Zügen ankam.

Feuerwehrleute mussten neun Tote und Dutzende Verletzte aus total deformierten Waggons holen. Drei Menschen erlagen in Krankenhäusern ihren schweren Verletzungen. Der Fahrdienstleiter war bereits am Unglückstag ins Visier der Ermittler geraten, blieb aber zunächst auf freiem Fuß.

Erst zwei Monate später stellten die Ermittler beim Auslesen der Daten auf dem beschlagnahmten Smartphone des Fahrdienstleiters fest, dass er bis kurz vor dem Unfall auf seinem Handy gespielt hatte. Er kam in Untersuchungshaft. Gut fünf Monate nach dem Unglück erhob die Staatsanwaltschaft Traunstein Anklage.

Von dpa/RND

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