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Politik 16 Menschen ertrinken vor griechischer Insel
Nachrichten Politik 16 Menschen ertrinken vor griechischer Insel
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15:16 18.03.2018
Ein Schiff der Küstenwache bringt die Leichen von Migranten, die vor der griechischen Küste ertrunken sind, an den Hafen. Quelle: dpa
Athen

Das vermutlich mit 22 Menschen besetzte Holzboot war gegen 5.30 Uhr in der Früh von der türkischen Küste in See gestochen. Knapp zwei Kilometer vor dem Ufer der griechischen Insel Agathonisi versagte der Motor des Schiffes. Unter den Passagieren brach offenbar eine Panik aus, die das überladene Boot zum Kentern brachte.

Zwei Frauen und ein Mann konnten sich schwimmend an Land retten und die Behörden alarmieren. An der sofort eingeleiteten Suchaktion beteiligten sich mehrere Patrouillenboote der griechischen Küstenwache, ein Rettungshubschrauber, ein Kriegsschiff der griechischen Marine, Fischerboote und Handelsschiffe sowie ein Suchflugzeug und ein Patrouillenboot der EU-Grenzschutzagentur Frontex.

Bis zum Samstagnachmittag wurden 16 Leichen geborgen, unter ihnen auch eine hochschwangere Frau. Taucher holten die Leichen mehrerer Kinder aus dem gesunkenen Holzboot, einem „völlig morschen Kahn“, wie ein Offizier der griechischen Küstenwache sagte. Mindestens drei Menschen wurden zunächst noch vermisst. Für Berichte, wonach auch zwei Schleuser an Bord des Flüchtlingsbootes waren, gab es keine Bestätigung.

Für die Vermissten besteht keine Hoffnung mehr

Am Sonntag bei Tagesanbruch setzten die Rettungskräfte ihre Suche fort, aber es bestand so gut wie keine Hoffnung, die Vermissten noch lebend zu finden. Die Leichen der Ertrunkenen wurden von der griechischen Küstenwache zur Nachbarinsel Samos gebracht. Sie sollen dort bestattet werden.

Vor zwei Jahren, am 18. März 2016, hatte der Europäische Rat das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei gebilligt. Es sieht unter anderem vor, dass die Türkei illegal nach Griechenland kommende Flüchtlinge zurücknimmt. In der Praxis gibt es aber nur sehr wenige Rückführungen, weil die Asylverfahren in Griechenland sehr lange dauern.

Deshalb versuchen immer wieder Flüchtlinge und Migranten, über die Ägäis nach Griechenland zu gelangen, auch wenn sie dort auf den Inseln monate- oder sogar jahrelang festsitzen. Die Zahlen sind zwar stark zurückgegangen: Während auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 an manchen Tagen mehr als 4000 Menschen auf den griechischen Inseln ankamen, sind es derzeit im Durchschnitt etwa 70 pro Tag. Aber wie das Unglück vom Samstag zeigt, ist die Überfahrt lebensgefährlich.

Die Türkei muss sich Vorwürfe von Griechenland gefallen lassen

Griechische Oppositionspolitiker warfen anlässlich des Untergangs der Türkei vor, sie dulde nach wie vor die Machenschaften der Schleuser, die Flüchtlinge in überladenen, nicht seetüchtigen Booten aufs Meer schicken und damit deren Leben aufs Spiel setzen.

Nach Angaben der Uno-Flüchtlingsagentur UNHCR sind bei der Überfahrt zu den griechischen Inseln im vergangenen Jahr 54 Menschen ertrunken. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) meldete im November vergangenen Jahres für das Kalenderjahr 2017, dass 2925 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ertrunken seien, die meisten auf dem Weg von Nordafrika nach Italien.

Von Gerd Höhler/RND

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