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Politik 61 Tote bei Anschlag auf Polizeischule
Nachrichten Politik 61 Tote bei Anschlag auf Polizeischule
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13:02 25.10.2016
Ein verletzter Kadett wird nach dem blutigen Angriff auf eine Polizeischule in Pakistan versorgt. Quelle: dpa
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Islamabad

Islamisten haben eine Polizeischule in Pakistans Unruheprovinz Baluchistan angegriffen und 61 Menschen ermordet. Das bestätigte am Dienstag ein Arzt des großen Zivilhospitals der Provinzhauptstadt Quetta, wo die Leichen registriert wurden. Nach Auskunft aller Kliniken der Stadt wurden insgesamt 134 Verletzte eingeliefert. Auch die drei Täter sind demnach tot. Zwei hatten nach Angaben des Militärs Sprengstoffwesten gezündet, einer wurde erschossen.

Täter schießen auf schlafende Kadetten

Der Innenminister Baluchistans, Sarfraz Bugti, erklärte den stundenlangen Einsatz der Sicherheitskräfte am frühen Morgen für beendet. Ihm zufolge waren die Täter bis zu einem Schlafsaal vorgedrungen und hatten dort das Feuer auf die schlafenden Kadetten eröffnet.

Ein Polizeianwärter berichtete am Tatort gegenüber Journalisten vom Verlauf des Geschehens. „Ich habe drei Männer in Tarnanzügen gesehen, die Kalaschnikows trugen“, sagte er. „Sie haben das Feuer eröffnet und sind in den Schlafsaal eingedrungen, ich bin über eine Mauer geklettert und habe mich in Sicherheit gebracht.“

Mehr als 130 Menschen wurden bei dem Angriff verletzt. Quelle: EPA

In sozialen Medien kursierten Bilder der Opfer. Sie zeigten teilweise sehr junge Männer in Trainingsanzügen oder Unterwäsche auf den typischen mit bunten Plastikriemen bespannten Matratzen.

IS-Kommandeur droht mit weiteren Anschlägen

Hinter dem Angriff steckt offenbar die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder eine ihr angeschlossene Gruppe. Der IS veröffentlichte am Dienstag über sein Sprachrohr, die Nachrichtenagentur Amaq, eine kurze Stellungnahme sowie ein Bild der Angreifer. Der Text beschreibt, wie sich die drei Attentäter mit „leichten Waffen und Handgranaten“ ein vierstündiges Feuergefecht mit Sicherheitskräften geliefert hätten. In einem Anruf bei einem gut vernetzten pakistanischen Journalisten drohte ein IS-Kommandeur mit weiteren Anschlägen. Bald werde der IS „der Alptraum der pakistanischen Regierung“ sein.

Ein Offizier des paramilitärischen Grenzkorps, General Sher Afghan, machte eine pakistanische Extremistengruppe verantwortlich, die dem Islamischen Staat 2015 die Anhängerschaft geschworen hatte: Lashkar-e-Jhangvi al-Almi - ein Ableger der sunnitischen pakistanischen Extremistengruppe Lashkar-e Jangvi.

Die pakistanische Regierung betont immer wieder, dass der IS keine organisierte Präsenz im Land habe. Medien melden aber regelmäßig Razzien und die Festnahme von Schläfern oder Kämpfern der Miliz. Der IS selbst bekundet, er wolle auf pakistanischem und afghanischem Staatsgebiet eine Provinz seines „Kalifats“ einrichten, die Provinz Khorasan.

Zuletzt hatte der pakistanische IS im August einen großen Anschlag für sich reklamiert, ebenfalls in Quetta. Dabei waren vor einer Klinik bis zu 88 Menschen getötet und fast 190 verletzt worden. Allerdings bekannte sich auch die Gruppe Jamaat-ul-Ahrar zur Tat.

Die Befreiung der Geiseln zog sich über mehrere Stunden hin. Quelle: EPA

Die Angreifer vom Montag waren gegen 22 Uhr in den Komplex am Rande der Großstadt Quetta eingedrungen. Zu diesem Zeitpunkt sollen sich auf dem Gelände rund 700 Kadetten aufgehalten haben. Medien berichteten von heftigen Feuerwechseln und schweren Explosionen. Die Polizei befreite zum Ende der Gefechte etwa 250 Geiseln.

Ein Sprecher des deutschen Auswärtigen Amtes verurteilte den Anschlag und sagte, „dieser hinterhältige Angriff zeigt erneut, dass der internationale Terrorismus eine Bedrohung für uns alle ist. Terroristen wollen Gesellschaften mit Gewalt und Hass spalten. Dieser perfiden Logik müssen wir uns entschlossen entgegenstellen.“ Nachdem das pakistanische Militär vor drei Jahren begonnen hatte, energisch gegen einige Extremistengruppen vorzugehen, ging die Zahl der Anschläge und Opfer 2015 um fast die Hälfte zurück. Dieses Jahr gab es wieder mehr große Anschläge - bisher fünf. Wöchentlich verüben Extremisten kleinere Attentate, bei denen regelmäßig Mitarbeiter des Staates, Mitglieder von Minderheiten und Zivilisten sterben.

Von dpa/afp/RND/zys

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