Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Aleppo steht vor dem Fall
Nachrichten Politik Aleppo steht vor dem Fall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:27 13.12.2016
Zwei Soldaten patrouillieren auf einer Straße in Aleppo. Quelle: AFP
Anzeige
New York

In der umkämpften syrischen Stadt Aleppo stehen die Rebellen nach Angaben von Beobachtern kurz vor der Niederlage und kontrollieren nur noch einzelne Viertel. „Wir sehen das Ende der Kämpfe um Aleppo“, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Bewohner der verbliebenen Stadtviertel flehten in sozialen Netzwerken im Internet um Hilfe. „Dies ist unser letztes SOS“, schrieb ein Bewohner.

Rote Kreuz: Gesundheitliche Situation ist katastrophal

Auch die syrische Führung ist sich sicher, dass der Fall der Opposition in Aleppo nur noch eine Frage der Zeit sei. In den von Regierungstruppen gehaltenen Gebieten in Aleppo wird bereits gefeiert. In West-Aleppo waren einem AFP-Reporter zufolge am Montagabend bereits Freudenschüsse zu hören. Das staatliche syrische Fernsehen zeigte feiernde Menschen, die Bilder von Staatschef Baschar al-Assad und syrische Flaggen hochhielten.

Für viele Menschen bleibt die Lage allerdings höchst gefährlich. In den vergangenen Tagen wurden nach UN-Angaben mindestens 82 Zivilisten im Ostteil Aleppos getötet. Darunter seien elf Frauen und 13 Kinder aus vier verschiedenen Bezirken des bisher von Rebellen gehaltenen Ostteils der Stadt, sagte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, am Dienstag in Genf. Das UN-Büro könne sich auf glaubwürdige Informationen von vor Ort berufen, die meisten Opfer seien „wahrscheinlich in den vergangenen 48 Stunden“ getötet worden.

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) in Syrien ist wegen der humanitären Lage alarmiert. Die gesundheitliche Situation in der Stadt sei katastrophal, berichtete die Organisation am späten Montagabend auf Twitter. Es gebe kaum noch Medikamente, viele Menschen hielten sich wegen der andauernden Kämpfe seit Tagen versteckt und hätten keine Nahrung und kein Wasser.

Ban alarmiert über Gräueltaten

Das Rote Kreuz in Syrien veröffentlichte Bilder aus provisorischen Notunterkünften in Aleppo. Darauf sind hunderte Menschen zu sehen, die sich mit Planen und Decken notdürftige Schlafstätten gebaut haben. Viele Menschen stünden unter Schock, hieß es. Sie hätten sich teilweise tagelang versteckt gehalten, ohne Tageslicht oder Elektrizität.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat seine Besorgnis angesichts von Berichten über Gräueltaten gegen zahlreiche Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, in der syrischen Stadt Aleppo zum Ausdruck gebracht. Zwar könnten die Vereinten Nationen die Berichte über solche Gräueltaten nicht unabhängig überprüfen, doch habe der UN-Generalsekretär den Konfliktparteien seine „ernste Sorge“ übermittelt, sagte ein UN-Sprecher am Montag in New York. Vor allem die syrische Armee mit ihren Verbündeten Russland und Iran müssten Zivilisten schützen.

Angesichts der dramatischen Lage in der Stadt hat Papst Franziskus Syriens Machthaber Baschar al-Assad in einem Brief aufgefordert, Zivilisten vor Gewalt zu schützen und einen sicheren Weg für Hilfsgüter zu garantieren. In dem Schreiben rief das katholische Kirchenoberhaupt den Präsidenten des Bürgerkriegslandes und die internationale Gemeinschaft auf, sich für ein Ende der Kampfhandlungen einzusetzen, wie der Vatikan am Montag mitteilte.

Aleppo gilt als die am heftigsten umkämpfte Stadt im syrischen Bürgerkrieg. Sie war lange Zeit zwischen dem Regime im Westen und verschiedenen Rebellengruppen im Osten geteilt. Vor rund fünf Monaten begann die syrische Armee mit der Belagerung der Rebellengebiete. Seitdem waren diese so gut wie von der Außenwelt abgeschnitten. Die Rückeroberung der gesamten Stadt könnte einen Wendepunkt in dem Bürgerkrieg darstellen.

Von dpa/afp/RND/zys

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit Tritten und volksverhetzenden Parolen Richtung Busbahnhof gejagt: Im thüringischen Sömmerda haben mehrere Menschen drei Asylbewerber angegriffen. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an.

12.12.2016

Religiöse Organisationen aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten Kuwait und Katar stehen im Verdacht, deutsche Salafisten zu unterstützen. Und offenbar geschieht dies nicht außerhalb des Radars der saudischen Regierung.

12.12.2016

Italien hat eine neue Regierung: Der neu ernannte italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni hat die Zusammensetzung seiner Regierung in Rom präsentiert.

12.12.2016
Anzeige