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07:02 16.05.2018
Ein Foto, das für Wirbel sorgt: Die Fußballer Ilkay Gündogan und Mesut Özil posieren mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Quelle: Pool Presdential Press Service/A
Berlin

 Wie instinktlos muss man eigentlich sein, um sich für einen Autokraten wie den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dessen Wahlkampf einspannen zu lassen?

Oder muss man sagen, wie blöd?

Die beiden deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan müssen demnächst beim DFB antreten. Zu einer internen Aussprache. Wie die ausgehen wird, hat bereits DFB-Teammanager Oliver Bierhoff vorgegeben: „Die beiden waren sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst.“ Das mag sein. Die beiden Spieler sind nicht gerade bekannt dafür, dass sie intellektuelle Überflieger sind. Müssen sie auch nicht sein. Und man mag ihnen glauben, dass sie sich nicht bewusst waren, welchen Sturm der Entrüstung sie auslösen würden, als sie mit ihren Trikots und Erdogan in einem Londoner Nobelhotel für die Fotografen posierten. Immerhin hat Herr Gündogan inzwischen eingesehen, dass die Kritik „berechtigt“ ist. Die Integrationsdebatte, die er losgetreten hat, kann er damit nicht stoppen.

Die Wahrheit dürfte, wie so oft im Leben, trivialer sein. Fußballstars sind nicht nur zum Toreschießen da, sondern auch, um Millionen zu verdienen. Auch für ihre Berater und Vermarkter. So helfen die von der islamisch-konservativen AKP-Partei millionenfach verbreiteten Fotos nicht nur Erdogan im Wahlkampf, sondern auch dem Geschäft.

Wetten, dass sich die Trikots von Özil und Gündogan gerade wieder prächtig verkaufen? Nicht nur in der Türkei. Auch bei uns in Deutschland, wo bei der letzten Wahl fast 60 Prozent der wahlberechtigten Türken für Erdogan stimmten.

Udo Röbel ist Autor in Berlin.

Von Udo Röbel

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