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06:00 09.11.2017
Modelle von Grenzmauern in San Diego an der Grenze zu Mexiko. US-Präsident Trump hatte im Wahlkampf versprochen, die mehr als 3000 Kilometer lange Grenze mit einer Mauer abzuschotten. Quelle: dpa
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Berlin

Wenn ein neuer Bewirtschafter in eine Schrebergartenparzelle einzieht, wird als Erstes der Zaun erneuert. Erst dann geht es um die Blumen. Die weltpolitische Verwaltung handelt ähnlich, sie ist mit dem ständigen Errichten von immer neuen Zäunen und Mauern beschäftigt. Wenn irgendeine Mauer unter dem Druck der Massen kaputtgeht, so wird es als großer Verdienst des politischen Personals verbucht. In Ostdeutschland weiß jeder, dass Michael Gorbatschow die Mauer geöffnet und dabei kryptisch verkündet hatte: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Die Westdeutschen denken, Helmut Kohl habe durch seine extreme Schläue die politische Wende eingeleitet. In Amerika weiß jedes Kind, dass Ronald Reagan die Mauer geöffnet hat.

Heute mauert sich Amerika ein. Die neue, bislang teuerste Mauer der Welt soll 1125 Kilometer lang und sechs Meter hoch werden. Die Firma Boeing hat bereits Millionen Dollar in der Wüste versenkt, um eine Art virtuelle Vormauer zu errichten, spezielle Kameras, die nachts aus der Entfernung von zehn Kilometern eine kleine Kakerlake beim Kacken identifizieren können. Es wäre jetzt, rein theoretisch gesehen, genau der richtige Zeitpunkt für die gesamte weltpolitische Verwaltung, nach Mexiko zu reisen, dort auf einen hohen Kaktus zu klettern und von dort aus zu rufen: Mister Trump, reißen Sie diese Mauer nieder. Aber niemand fährt hin.

Wir, die Völker der Welt, müssen wieder mal alles selbst übernehmen.

Wladimir Kaminer lebt als Autor in Berlin.

Von Wladimir Kaminer / RND

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