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Nachrichten Politik Assad erobert einstige Rebellenhochburg zurück
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13:44 14.04.2018
Nach dem Giftgasangriff am 4. April in Duma haben die Rebellen einem Abtransport zugestimmt, am Sonnabend (14. April) fuhr der letzte Konvoi aus der Stadt heraus– Duma gilt damit als befreit aus der fünfjährigen Belagerung. Quelle: dpa
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Damaskus

“Die Aggression wird Syrien und die Syrer noch entschlossener machen, weiterzukämpfen und den Terror in jedem Teil des Landes zu zerschlagen“, ließ Al-Assad am Sonnabendmorgen über die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichten und bezog sich damit auf die gezielten Raketenangriffe von Frankreich, Großbritannien und den USA in der Nacht zuvor. Er spielte damit auf den Kampf gegen Rebellen in dem Land an. Kurze Zeit später berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte , dass die Regierung nach wochenlangen Kämpfen wieder die volle Kontrolle über die einstige Rebellenhochburg Duma im Gebiet Ost-Ghuta übernommen habe. Der letzte Konvoi mit islamistischen Rebellen habe die Stadt östlich von Damaskus am Sonnabend verlassen. Damit sei Ost-Ghuta nach etwa fünfjähriger Belagerung von der syrischen Armee zurückerobert worden.

OPCW soll noch am Sonnabend die Arbeit in Duma aufnehmen

Kreise im syrischen Innenministerium bestätigten die Meldung und sagten der Deutschen Presse-Agentur, dass die syrische Polizei am Morgen in Duma eingerückt sei. Noch am selben Tag soll auch ein Expertenteam der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) ihre Untersuchungen zu dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Duma beginnen. Die islamistischen Rebellen der Gruppe Dschaisch al-Islam hatten vor einer Woche, wenige Stunden nach dem gemeldeten Angriff, kapituliert und zugestimmt, aus Ost-Ghuta gebracht zu werden.

In den vergangenen Wochen hatten die syrischen Streitkräfte eine beispiellose Kampagne von Luftangriffen auf Ost-Ghuta geführt. Dabei waren nach Angaben der Beobachtungsstelle weit mehr als 1000 Zivilisten getötet worden. In der Stadt Duma soll auch vor einer Woche der Giftgasangriff erfolgt sein, für den der Westen die Regierung von Baschar al-Assad verantwortlich macht und den Frankreich, Großbritannien und die USA am Sonnabend zum Anlass für die Bombardierung von drei militärisch wertvollen Zielen in Syrien genommen haben.

Experte weist auf Gefahr weiterer Eskalation hin

Der westliche Militärschlag gegen Syrien hat die strategische Lage in dem Bürgerkriegsland nach Einschätzung eines Experten nicht geändert. „Einem Ende des Krieges, geschweige denn einem echten Frieden, sind wir keinen Schritt näher“, sagte Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings sei man von diesem Ziel „auch nicht weiter weg als zuvor“.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad und seine Regierung würden in den nächsten Tagen und Wochen sicher zeigen wollen, dass sie durch die Militärschläge nicht geschwächt seien. „Und einige der verbliebenen Rebellenverbände könnten sich ermutigt fühlen, jetzt noch einmal an einzelnen Orten in die Offensive zu gehen“, sagte Perthes. „Und sei es nur um zu zeigen, dass auch sie nicht besiegt sind.“ Hieraus ergebe sich die Gefahr einer neuen Eskalation, nicht zuletzt im Norden und im Südwesten des Landes.

Nötig seien jetzt eine „echte Waffenruhe vor Ort“, ein wirksamer Schutz von Zivilisten und Verhandlungen über eine politische Lösung. Letzteres sei zurzeit allerdings nicht sehr realistisch. Dagegen bestehe die „sehr realistische Gefahr“, dass die Spannungen zwischen den involvierten externen Mächten - in erster Linie Russland, dem Iran, der Türkei und den USA - sowie eine neue Eskalationsrunde im Kampf zwischen syrischer Regierung und Rebellen zu einem Wiedererstarken der Terrormiliz IS führen könnten.

Von RNDdpa/lf

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