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Auf Schulz liegt jetzt sehr viel Verantwortung

Kommentar zu Gabriels Verzicht Auf Schulz liegt jetzt sehr viel Verantwortung

Selten ist eine Partei von ihrem Vorsitzenden so überrumpelt worden wie die SPD von Sigmar Gabriel. Mit Martin Schulz wird nun der beliebtere Politiker der Kanzlerkandidat der SPD. Aber Beliebtheit ist in der Politik nicht alles. Ein Kommentar von Matthias Koch.

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz (l.), SPD-Vorsitzender und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Quelle: dpa

Hannover. Monatelang hat der Chef bei seinen Leuten Ruhe erzwungen. Monatelang hat er ihnen das Festhalten an einem Zeitplan gepredigt. Und dann schnipste er diesen Zeitplan plötzlich weg wie einen Krümel vom Ärmel: Selten ist eine Partei von ihrem Vorsitzenden so überrumpelt worden wie die SPD von Sigmar Gabriel.

Viele in der Partei, auch in der Fraktion im Bundestag, zuckten gestern angesichts der ersten Eilmeldungen zusammen: Was hat Gabriel, der Unberechenbare, nun wieder getan? Erst als die Schockstarre langsam nachließ, rieben viele sich die Augen und erkannten: Die losen Teile des SPD-Puzzles passen nun wundersam zusammen. Martin Schulz wird Kanzlerkandidat und Parteichef. Nach dem Posten des Außenministers, der durch Frank-Walter Steinmeiers Wahl zum Bundespräsidenten frei wird, greift Gabriel. Und an der SPD-Spitze herrscht rundherum Frieden. Was genau will man gegen dieses Ergebnis eigentlich einwenden?

Gabriel hat reinen Tisch gemacht

Mit Schulz kommt nun der nach allen Umfragen Beliebtere zum Zuge. Wird der Mann vielleicht ein bisschen überschätzt? Bislang konnte Schulz stets auf einer eleganten europäischen Bühne agieren und Dinge betonen, die ohnehin nur eine Minderheit bestreitet, etwa die Bedeutung der europäischen Einigung. Wie Schulz auf innenpolitische Gefechte mit der Union in Berlin vorbereitet ist, muss sich noch zeigen. Dass Beliebtheit in der Politik nicht alles ist, hatte Frank-Walter Steinmeier eindrucksvoll im Jahr 2009 vorgeführt, als er trotz sehr hoher persönlicher Sympathiewerte als Kanzlerkandidat nur 23,0 Prozent für die SPD holte.

Auf Schulz, der auch Parteichef werden soll, liegt jetzt sehr viel Verantwortung. Indem Gabriel jetzt auch gleich für den Posten des Vorsitzenden seinen Verzicht erklärte, verstärkte er zwar den ersten Schreck. Aber er erspart sich und seiner Partei, dass der quälenden Debatte über die K-Frage noch eine über die V-Frage folgt. Gabriel hat an dieser Stelle nichts Ungeheuerliches getan, sondern klugerweise nur die Taste fürs Vorspulen gedrückt – und reinen Tisch gemacht.

Dass Gabriel jetzt nach dem Außenministerium greift, lässt manche den Kopf schütteln. Doch dies als bloße Postenschieberei abzutun, geht daneben. Wer Gabriel kennt, weiß, dass ihn die Außenpolitik stets umgetrieben hat. Schon als Jugendlicher, bei den „Falken“ in Goslar, organisierte er Fahrten nach Israel, als Parteichef hob er die „Progressive Alliance“ aus der Taufe, ein internationales Bündnis von sozialdemokratischen Parteien aus 80 Staaten der Erde. Das Denken in den Kategorien weltweiter demokratischer Netzwerke ist heute wichtiger denn je. Vielleicht sogar wichtiger als die Frage, wer 2017 in Deutschland als Kanzlerkandidat für die SPD antritt.

Von RND/Matthias Koch

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