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Politik Auf dem Sprung in die Wahrnehmung
Nachrichten Politik Auf dem Sprung in die Wahrnehmung
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16:46 03.04.2018
Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt – in Berlin traut man ihr noch einiges zu. Quelle: Imago
Berlin

Gebraucht zu werden ist für eine Politikerin oder einen Politiker allemal besser, als im Versorgungs-Status zu verkümmern. Man braucht da nur einmal bei dem früher wichtigen Politiker Sigmar Gabriel nachzuhören. Michelle Müntefering dagegen wird von der Erneuerungsbewegung gebraucht, in der NRW-SPD und in der GroKo. Wer politisch gewinnen möchte, dürfe nicht unbeliebt sein, sagt sie.

Im vierten Kabinett Angela Merkels wurde die Frau des früheren SPD-Chefs Franz Müntefering in letzter Minute zur Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Außenministerium gemacht. Zweimal hat die Journalistin, ausgebildete Kinderpflegerin, durchschnittlich begabte Musikerin und umtriebige Jungpolitikerin ihren NRW-Wahlkreis HerneBochum II direkt geholt. Beim ersten Mal, 2013, wollte sie im Bundestag eigentlich Kultur- und Verbraucherpolitik machen. Die Außenpolitik war traditionell eine Spielwiese eher für alte Herrschaften und für Wichtigtuer. Dann kam die Fraktionsführung mit der Botschaft: Michelle, wir brauchen dringend Außenpolitiker.

„Politik ist eine Frage der Wahrnehmung

Abends griff sie sich daraufhin aus dem Bücherregal das außenpolitische Standardwerk von Gregor Schöltgen. Nach zehn Seiten Lektüre in der deutschen Diplomatenbibel schlief sie ein. Ein gutes Zeichen: wenn man erneuern will, muss man etwas anders machen und sich aus den gestanzten Formeln flüchten.

Inzwischen hat sie es in den braun getäfelten Staatsministerflügel des Auswärtigen Amtes gebracht. Das hat ganz viele überrascht. Müntefering II ist da – trotz dieses Vornamens, der schnell rheinisch-verhunzt und damit abgewertet wird. Es ist für die bald 38-Jährige gewiss nicht immer nur einfach, daheim mit dem 78-jährigen Exekutor des schnörkellosen Kurzsatzes die Karriere zu bereden. „Politik ist eine Frage der Organisation“, meint Franz. „Politik ist eine Frage der Wahrnehmung“, hebt Michelle hervor. Unterschätzen sollte sie niemand in der Politik. In der SPD von heute kann man damit ganz schnell ganz große Karriere machen.

Schwierige Kampflage in Berlin

Andrea Nahles ist laut, stark, aber nicht populär. Olaf Scholz ist staubtrocken und Merkel recht ähnlich. Ohne Macht in NRW ist für die SPD im Bund nichts zu holen. Michelle Müntefering kennt die schwierige Kampflage: In Berlin besetzt Angela Merkel schneller als die SPD denken kann die Position der linken Mitte, in Düsseldorf macht das CDU-Ministerpräsident Armin Laschet.

Die Staatsministerin für Kulturpolitik will auf die lautstarke öffentliche Profilierung verzichten und sich in ihrem Fachgebiet auf realisierbare Dinge konzentrieren. Beispielsweise mit Frauen in Afrika kulturpolitisch arbeiten und mit Russland sprechfähig bleiben. Ihre Karriere scheint nicht am Ende – zumal sie jetzt schon weiß, wie man ohne große Kontrolle ins Auswärtige Amt kommt.

Von Dieter Wonka/RND

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