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Politik Australiens Flüchtlinge ohne Wasser, Strom und Nahrung
Nachrichten Politik Australiens Flüchtlinge ohne Wasser, Strom und Nahrung
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11:09 03.11.2017
Geflüchtete, die sich weigern das Flüchtlingscamp Manus Island (Papua-Neuguinea) zu verlassen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hat Australien zur Beendigung der humanitären Krise auf der Insel Manus in Papua-Neuguinea aufgefordert. Quelle: dpa
Manus Island

Die Situation im offiziell geschlossenen australischen Flüchtlingslager auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus spitzt sich zu: 600 Menschen ohne Wasser, Nahrung und Strom. Sie sammeln Regenwasser mit Mülleimern und graben Erdlöcher, um an das Grundwasser zu kommen. Die Vereinten Nationen rufen Australien auf, die „sich entfaltende humanitäre Krise zu stoppen“. Menschenrechtler hoffen auf Unterstützung aus Deutschland.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist am Freitag zu einem Staatsbesuch in Australien eingetroffen. Die Leiter von Human Rights Watch in Australien und Deutschland appellierten an das Staatsoberhaupt, in den Fall einzugreifen. „Deutschland, bitte fordert Australien auf, diese humanitäre Krise auf Manus sofort zu beenden“, schrieb die Leiterin von HRW in Australien, Elaine Pearson, bei Twitter.

Die australische Regierung hatte dem Lager am Dienstag Strom und Wasser abgedreht. Die letzte Nahrungsration hatten die Bewohner am Sonntag erhalten. Auch medizinische Versorgung gibt es nicht. Grund dafür war die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Papua-Neuguineas, das das Flüchtlingslager für rechtswidrig erklärt hatte.

Die Asylsuchenden sollten übergangsweise in eine nahe gelegene Stadt umgesiedelt werden. Die rund 600 Männer, mehrheitlich aus dem Mittleren Osten und Südostasien, weigern sich jedoch, das Gelände zu verlassen. Laut dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) fürchten sie Übergriffe aus der Bevölkerung der Insel. Am Dienstag seien Dutzende mit Stöcken und Macheten bewaffnete Einheimische in den Lagerkomplex eingedrungen, sagte ein Geflüchteter der Deutschen Presse-Agentur.

Australien bezahlt Papua-Neuguinea für die Versorgung

Zudem gibt es nicht genug provisorische Unterkünfte für die Asylsuchenden. Wenn alle 600 das Lager sofort verlassen müssten, „würden viele keine adäquate oder ausreichende Unterkunft woanders finden“, hieß es vom UNHCR entgegen der Behauptung der australischen Regierung, es gebe genügend provisorische Heime in der Stadt. Australiens amtierende Außenministerin Julie Bishop sagte, dass es für die Geflüchteten „keinen Sinn“ mehr gebe, im Lager zu bleiben.

Die Asylsuchenden wollen nun rechtlich gegen die Schließung vorgehen. Australien hatte sein Nachbarland Papua-Neuguinea vier Jahre lang dafür bezahlt, Migranten vor Ort zu versorgen. Das Land nimmt keine Menschen auf, die die Küste per Boot erreichen wollen.

Wegen der andauernden humanitären Notlage kündigte Neuseeland am Donnerstag an, 150 Asylsuchende aus Manus aufzunehmen. In der Vergangenheit hat Australien solche Angebote häufig abgelehnt. Der australische Schauspieler erklärte sich bei Twitter bereit, sechs Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen Arbeit zu finden. Die Situation im Lager bezeichnete er als „Schande für die Nation“.

Von RND/dpa/as

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