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Politik Babtschenko schildert seine vorgebliche Ermordung
Nachrichten Politik Babtschenko schildert seine vorgebliche Ermordung
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19:25 31.05.2018
Der russische Journalist Arkadi Babtschenko bei einem Interview mit ausländischen Medienvertretern in Kiew. Am Tag nach seiner Auferstehung wollte Babtschenko erstmal ausschlafen. Quelle: dpa
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Kiew

Der für die Vortäuschung seines eigenen Tods bekannte russische Journalist Arkadi Babtschenko hat Details zu dem Täuschungsmanöver preisgegeben. Der Trick habe beinhaltet, mit Schweineblut beschmiert zu werden und in die Leichenhalle gebracht zu werden, sagte Babtschenko am Donnerstag. Die ukrainischen Behörden hatten am Mittwoch enthüllt, sie hätten vorgetäuscht, dass der Kremlkritiker Babtschenko erschossen worden sei. So sollte ein mutmaßliches Mordkomplott durch russische Sicherheitsdienste durchkreuzt werden.

Er hätte sich weigern können, bei dem Täuschungsmanöver mitzumachen, als ukrainische Behördenvertreter vor etwa einem Monat mit der Idee an ihn herangetreten seien, sagte Babtschenko in Kiew. Er habe aber gleich eingewilligt. Die ukrainischen Agenten hätten ihm gesagt, dass die russischen Sicherheitsdienste seinen Mord einen Monat zuvor angeordnet hätten. „Ich sagte: ,Großartig, warum haben Sie einen Monat gewartet?’“, berichtete er am Donnerstag.

Mit Schweineblut präparierte der ukrainische Geheimdienst SBU das vermeintliche Mordopfer Arkadi Babtschenko vor dessen Wohnungstür. Quelle: SBU

Babtschenko beschrieb des weiteren, was getan worden sei, um den vorgetäuschten Mord echt aussehen zu lassen. Die Sicherheitsbeamten hätten seinen Pullover mit einer Schusswaffe durchlöchert. Er habe das Oberteil angezogen und sei mit Schweineblut beschmiert worden. Selbst seine eigene Frau habe nichts bemerkt. Er sei dann in einem Rettungswagen zur Intensivstation eines Krankenhauses gebracht worden, wo sein Tod „offiziell“ festgehalten worden sei. Danach sei er in einer Leichenhalle gelandet. Er habe die ganze Zeit Angst gehabt, dass die Operation scheitern würde. „Ich habe erst in der Leichenhalle aufgehört, Angst zu haben“, sagte Babtschenko. Später sagte er, er wolle die ukrainische Staatsbürgerschaft annehmen. Das Angebot der Behörden abzulehnen, wäre unhöflich, sagte er der Agentur Interfax zufolge. „Dieses Land hat mir einen Ort zum Wohnen gegeben, hat mir Asyl gewährt und hat einen Spezialeinsatz geplant, um mein Leben zu retten“, sagte Babtschenko. „Dafür bin ich dankbar.“

Auf Facebook schrieb er, es sei „toll, kein Ziel zu sein. Nun wolle er erst mal schlafen. Babtschenko war im Februar 2017 aus Russland geflohen. Er ließ sich im Herbst in Kiew nieder und arbeitete als Moderator für einen Fernsehsender.

Die Polizei von Kiew hatte am Dienstag berichtet, dass Babtschenko in seinem Wohngebäude erschossen und dort von seiner Frau entdeckt worden sei. Die Polizei teilte mit, er sei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Am Mittwoch enthüllte der Chef des ukrainischen Geheimdiensts SBU, Wassili Grizak, dass Babtschenko am Leben sei und lud ihn in den Raum ein. Babtschenko sagte, sogar seine Frau habe geglaubt, dass er tot sei. Grizak sagte, ein ukrainischer Staatsbürger, der 40.000 Dollar vom russischen Geheimdienst erhalten habe, um das Attentat auf Babtschenko umzusetzen, sei festgenommen worden. Der vorgebliche Mord hatte international für Bestürzung gesorgt.

Heftige Kritik an der Aktion

Unterdessen steht die Ukraine nach dem vorgetäuschten Mord heftig in der Kritik. Journalistenverbände zeigten sich empört über die Irreführung. „Solche Inszenierungen sind ein Stich ins Mark der Glaubwürdigkeit des Journalismus“, warnte die Organisation Reporter ohne Grenzen. Es sei unglaubwürdig, dass ein möglicher Mordanschlag nicht anders als durch dessen Vortäuschen verhindert werden könne. Auch aus Deutschland gab es scharfe Kritik. „Es ist gefährlich, in einer Welt zu leben, wo die Behörden, wo die Politik die Bürger und die Öffentlichkeit dreist belügen“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Frank Überall, der Deutschen Presse-Agentur. „In dem Moment, wo wir unseren Regierungsvertretern nicht mehr trauen können, wird es für eine Demokratie sehr gefährlich.“ Das russische Informationsministerium reagierte ebenfalls scharf auf den fingierten Mordanschlag und wies erneut jegliche Verwicklung in den Fall Batschenko zurück.

Von RND/AP/dpa/dk

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