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Politik Berlusconis falsches Lachen
Nachrichten Politik Berlusconis falsches Lachen
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17:05 03.03.2018
Dauerlächeln: Silvio Berlusconi. Quelle: AP
Berlin


Am Sonntag wird in Italien das Parlament gewählt, aus diesem Grund sieht man den alten Freund Berlusconi in den Zeitungen wieder, der jünger geworden ist, als er je war. Er selbst darf zwar nicht mehr kandidieren, weil vorbestraft, will aber seine Partei zur stärksten politischen Kraft des Landes aufbauen. Das Faszinierende an dem Mann ist aber nicht sein politisches Ballett, sondern sein Gesicht. Er sieht nämlich blendend aus. Man glaubt nie, das Silvio 81 Jahre alt ist.

Keine Tränensäcke unter den Augen, keine Falten im Gesicht, statt Glatze trägt er eine Perücke aus Meerschweinchenhaare, keine Hautverfärbungen, keine Flecken, alle Dinge fehlen, die das Erlebte widerspiegeln. Als hätte Berlusconi seine 80 Jahre in einer Frischhaltefolie im Kühlschrank verbracht. Nur die Augen verraten ein gewisses Staunen, das diesem Alter eigen ist. Als würde er sich selbst fragen: „Bin ich noch da?“ Der Blick ist aber hinter den hellblauen Kontaktlinsen gut versteckt. „Ich bin wie ein guter Wein“, lächelte Silvio Journalisten entgegen, als die ihn auf sein brillantes Aussehen ansprachen. „Je älter, umso knalliger.“

Nur dieses ständige Lächeln macht den Politiker unglaubwürdig, da hat der Chirurg wahrscheinlich nicht aufgepasst und Berlusconi die Mundwinkel zu hoch angenäht. Ich glaube, Berlusconi war es, der dem russischen Präsidenten diesen Chirurgen empfahl. Bei Putin hatte der Chirurg sich allerdings Mühe gegeben, nicht zu hoch zu nähen. Das Resultat ist: Der Russe kann nicht lachen, der Italiener nicht ernst schauen. Was lernen wir daraus? Man darf eben den alten Wein nicht in eine neue Flasche gießen, er wird schlecht.

Wladimir Kaminer lebt als Schriftsteller in Berlin.

Von Wladimir Kaminer

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