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Politik Bild-Herausgeber türkt Böhmermann-Interview – Moderator unter Polizeischutz
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17:06 13.04.2016
Jan Böhmermann Quelle: dpa
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Leipzig

Satiriker Jan Böhmermann steht nach seinem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mittlerweile unter Polizeischutz. „Ein Streifenwagen steht vor der Tür“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Köln. Man stehe auch mit anderen Sicherheitsbehörden im Kontakt. Zuvor habe es eine Beurteilung der Gefährdungslage gegeben. „Wenn man etwas nicht ausschließen kann, dann muss man etwas tun“, sagte der Polizeisprecher. Zuvor hatte „Focus Online“ über den Polizeischutz für den Satiriker berichtet.

Unterdessen trug Kai Diekmann, Herausgeber der „BILD“-Zeitung, am Mittwoch zu einer weiteren Eskalation in der Causa Böhmermann bei. Via Facebook veröffentlichte Diekmann ein angebliches Exklusiv-Interview. In welchem er Böhmermann weiter verschärfte Aussagen in den Mund legte. Erst nach einer Stunde – nachdem mehrere Medien über das gefakte Interview berichtet hatten – erklärte sich der der frühere „BILD“-Chef: „Ich sag' es mal in den Worten des falschen Böhmermann: "Das ganze Leben ist Satire. Man muss sie nur erkennen." #Boehmermann #Interview“, schrieb Diekmann auf Twitter.

Die Reaktionen auf Diekmanns Beitrag folgten umgehend. Die „Jetzt“-Redaktion der Süddeutschen Zeitung warf dem „BILD“-Herausgeber vor, Böhmermann mit dem gefälschten Interview in Gefahr zu bringen. „Das ist kein Spiel mehr, und Diekmann weiß das.“ Der Springerverlag wollte sich nicht von Diekmanns Einlassungen distanzieren. Auf die Twitter-Erklärung, dass es sich um ein getürktes Interview handeln würde, hieß es nur: „Wir haben darüber hinaus nichts hinzuzufügen.“

Erdogan-Anwalt will durch alle Instanzen gehen

Der deutsche Anwalt des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Hubertus von Sprenger, will im Rechtsstreit mit dem ZDF-Moderator Jan Böhmermann notfalls alle Rechtsmittel ausschöpfen. Er sei bereit, bis zu den höchsten Gerichten zu gehen, sagte Sprenger am Dienstagabend im ZDF-„heute journal“. „Wenn ich das Mandat annehme, dann ziehe ich es auch durch.“

Erdogan hat wegen des Schmähgedichts Böhmermanns in der Sendung „Neo Magazin Royale“ bei der deutschen Justiz Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Böhmermann „sei aufgefordert worden, sich zu verpflichten, das nicht noch mal zu sagen. Es kann ja durchaus sein, dass er klein beigibt“, sagte der Münchner Anwalt. Der Moderator und Satiriker werde „sicher keine erhebliche Strafe bekommen, sondern es wird eine Strafe sein, die erforderlich ist, um ihn auf den rechten Weg wieder zurückzuführen, Satire zu machen und nicht mehr plumpe Beleidigungen“.

Böhmermann hatte dem umstrittenen Gedicht, das er in seiner Sendung verlesen hatte, vorausgestellt, dass er mit diesem die Grenzen dessen überschreite, was Satire dürfe. Das ZDF löschte das Gedicht, in dem Böhmermann den türkischen Staatspräsidenten unter anderem „sackdoof, feige und verklemmt“ genannt hatte, aus der Mediathek.

Die Bundesregierung hat bestätigt, dass die türkische Regierung zudem förmlich eine Strafverfolgung Böhmermanns verlange. Die Regierung in Berlin muss eine Ermächtigung erteilen, wenn weitere Ermittlungen nach Paragraf 103 des Strafgesetzbuches möglich sein sollen.

dpa/joka

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