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Politik „Bizarrste Präsidentschaftsdebatte der Geschichte“
Nachrichten Politik „Bizarrste Präsidentschaftsdebatte der Geschichte“
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16:59 10.10.2016
Hillary Clinton und Donald Trump schenken sich nichts. Wegen eines Videos mit sexistische Äußerungen in Bedrängnis, teilt Trump gegen seine Konkurrentin aus. Er droht sogar damit, sie in Haft zu bringen. Quelle: imago stock&people
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St. Louis

Die Hände reichten sich Hillary Clinton und Donald Trump erst ganz zum Schluss. 90 Minuten lang hatten sich die beiden Präsidentschaftskandidaten beim zweiten TV-Duell in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri einen Schlagabtausch mit herben Vorwürfen geliefert. Der Republikaner Donald Trump, zuletzt wegen eines Videos mit sexistischen Äußerungen aus dem Jahr 2005 in die Defensive geraten, forderte sogar eine Haftstrafe für seine Kontrahentin wegen ihrer E- Mail-Affäre. Die Demokratin Hillary Clinton bezichtigte Trump ihrerseits mehrmals, falsche Angaben zu machen. Doch wer hat die Debatte gewonnen?

Clinton – die Siegerin

Die „Washington Post“ sieht Clinton als Siegerin des TV-Duells: Die Demokratin habe zwar nicht mit ihren Antworten überzeugt, sie sei aber „beständig, kenntnisreich und nett“ gewesen. Sie habe Trump reden lassen „was ihm immer zum Verhängnis wird“. Die Debatte selbst betitelt die Zeitung als „dunkel“ und „bitter“. „Was sich hier Sonntagnacht ereignet hat, wird wahrscheinlich als das Spektakel von St. Louis in Erinnerung bleiben: eine Debatte, umrahmt von schmutzigen Ereignissen, die Trump isoliert, trotzig und politisch verwundet zurückließen (...)“.

Laut einer CNN-Umfrage hat Hillary Clinton das TV-Duell gewonnen: 57 Prozent der Teilnehmer stimmten für die Demokratin, Trump überzeugte nur 34 Prozent der Befragten. Quelle: AFP

Ähnlich sieht es die „New York Times“, die kürzlich eine Wahlempfehlung für Clinton abgab. „Frau Clinton präsentierte sich einmal mehr als Erwachsene auf der Bühne und als die Einzige, die die Mehrheit der Amerikaner von ihren Werten und Bestrebungen überzeugen will.“ Trump hingegen hätte sich der Tricks bedient, die er seit Jahren aus TV-Reality Shows kenne. Das Duell sei „die bizarrste Präsidentschaftsdebatte in der Geschichte des Fernsehens“ gewesen.

CNN: Trump verliert nach Umfrage

CNN sieht Clinton vorn: „Clinton hat die zweite Präsidentschaftsdebatte gewonnen.“ Bei einer Umfrage des US-Senders kam die Demokratin auf 57 Prozent, Trump auf 34 Prozent. Die Demokratin schnitt damit schlechter ab als nach dem ersten TV-Duell vor zwei Wochen: Damals hatten noch 62 Prozent der CNN-Zuschauer für Clinton abgestimmt.

Auch im Netz hatte Clinton die Nase vorn: Laut Twitter konnte die Demokratin während der Debatte 25.000 neue Follower für ihr Twitter-Profil gewinnen. Bei Trump waren es nur 16.000. Quelle: EPA

Auch die Medien außerhalb der USA äußerte sich zur Fernsehdebatte. Die konservative Londoner Zeitung „The Daily Telegraph“, spricht von einem „traurigen Wahlspektakel in den USA. „Beide Kandidaten sind mit Makeln behaftet, keiner genießt sonderlich viel Vertrauen oder ist besonders beliebt“, heißt es weiter. „Da müssen wir uns schon fragen, wieso die älteste und mächtigste Demokratie der Welt nicht in der Lage ist, besseres Material für ihren Präsidenten zu finden.“

“Eine an Gehässigkeiten reiche Fernsehdebatte“

Die „Neue Zürcher Zeitung“ spricht von einer „an Gehässigkeiten reichen Fernsehdebatte“. Trump sei offensichtlich besser vorbereitet gewesen als beim letzten Duell und habe sich nicht mehr so leicht in die Defensive treiben lassen. Clinton habe zwar Ruhe bewahrt und mit Detailwissen geglänzt. „Aber diesmal sorgte Trump besser dafür, dass ihr heikle Themen nicht erspart blieben“, schreibt die NZZ. Eine Wende im Wahlkampf habe der Republikaner aber nicht bewirken können. „Einen Total-Absturz mag Trump mit dieser Debatte zwar verhindert haben – aber den Turnaround hat er nicht geschafft.“

Journalisten verfolgen im Medienraum den Schlagabtausch der Präsidentschaftskandidaten. Nicht nur die US-Presse beurteilt die Schlammschlacht kritisch, auch internationale Medien kritisiert am Montagmorgen das Niveau der TV-Debatte. Quelle: imago stock&people

Die linksliberale französische Tageszeitung „Libération“ kommentiert am Montag die Reaktion der US-Republikaner auf das Skandalvideo ihres Präsidentschaftskandidaten Donald Trump: „(...) Trotz seiner Entschuldigungen und der Unterstützung der Basis der Republikaner hat er an diesem Wochenende wohl seine Chancen belastet, auf Obama zu folgen. Vor allem hat er es geschafft, die republikanische Partei zur Explosion zu bringen.“

17 Millionen Tweets zum TV-Duell

Das hitzige TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hatte am Montagmorgen auch auf Twitter eine enorme Rolle gespielt. Im Bezug auf die Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten wurden 17 Millionen Tweets abgesetzt, wie der Kurznachrichtendienst mitteilte.

Im Netz hatte Clinton die Nase vorn: Dem US-Unternehmen zufolge konnte sie während der Debatte 25.000 neue Follower für ihr Twitter-Profil gewinnen. Bei Trump waren es nur 16.000. Während der Debatte wurde folgender Tweet von Nutzer Moustafa Bayoumi am häufigsten (1227 Mal) geteilt. „Ich bin Moslem und ich möchte einen verrückten Mann melden, der auf einer Bühne in Missouri eine Frau bedroht.“

Die Hände reichten sich Trump erst zum Ende der anderthalbstündigen Debatte. Zentrale Themen des Duells waren Trumps Skandalvideo und Clintons E-Mail-Affäre. Quelle: EPA

Drei Momente lösten ebenfalls besonders heftige Reaktionen auf Twitter aus: 1. Als der Republikaner Trump sagte, er stimme in der Syrien-Politik nicht mit seinem Vize-Kandidat Mike Pence überein. 2. Als Trump sich als Gentleman bezeichnete. 3. Trumps Ankündigung, die Demokratin Clinton unter seiner Regierung ins Gefängnis bringen. Das am häufigsten genannte Thema in allen Tweets war „Terrorismus“.

Von dpa/RND/kad

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