Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Bundesrechnungshof rügt Gesundheitskurse
Nachrichten Politik Bundesrechnungshof rügt Gesundheitskurse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:45 25.04.2017
Zusätzlich zum Dienstsport zwei Stunden Training während der Arbeitszeit in der Woche? Bei der Bundeswehr dank der Gesundheitskurse kein Problem. Quelle: dpa
Berlin/Bonn

Faszientraining, Schwimmen im Freibad oder mit einem Kurs „Entspannt ins Wochenende“ – das Gesundheitsangebot der Bundeswehr lässt kaum einen Wunsch offen. Dass dabei Arbeitszeit im Umfang tausender Vollzeitstellen ausfallen kann, kritisiert der Bundesrechnungshof (BRH) in seinem jüngsten Jahresbericht. Wie viel Dienstzeit tatsächlich für die Angebote genutzt wird und ob der Ausfall ausgeglichen werden kann, konnte das Verteidigungsministerium zum Ärger der Prüfbehörde nicht beantworten.

„Nähme nur jeder fünfte Beschäftigte das Angebot in Anspruch, entspräche das einem Ausfall von 3300 Vollzeitstellen“, sagte BRH-Präsident Kay Scheller. Dadurch riskiere das Ministerium, dass die ausgerufene „Trendwende Personal“ ins Leere laufe, weil die zusätzlichen Mitarbeiter lediglich den Ausfall ausgleichen würden.

Seit 2016 können alle militärischen und zivilen Beschäftigten der Bundeswehr sogenannte Gesundheitskurse besuchen – und zwar bis zu zwei Stunden wöchentlich zusätzlich zum Dienstsport. Die Zeit wird auf die Arbeitszeit angerechnet.

Besonders zwei Punkte missfallen dem BRH: Dass die Kurse flächendeckend und undifferenziert stattfinden, und dass das Verteidigungsministerium offenbar kein Konzept hat, um den Arbeitsausfall zu kompensieren. Zudem habe es wohl keinen Überblick, wie viel Dienstzeit durch die Kurse entfällt. Der Rat der Finanzhüter: Das Ministerium sollte prüfen, ob die Ziele der Gesundheitsförderung mit anderen Maßnahmen wirksamer und wirtschaftlicher erreicht werden kann. „Ob sich die Kursangebote positiv auf Produktivität, Fehlzeiten und Dienstfähigkeit auswirken, hat das Ministerium nicht untersucht“, sagte Scheller.

Ein weiterer Bereich der Bundeswehr stößt bei den Kontrolleuren ebenfalls auf Unverständnis: 2016 hat die Bundeswehr die Trendwende Personal ausgerufen und wollte nach 25 Jahren Personalabbau wieder mehr Mitarbeiter einstellen. Damit dies gelingt, sollen die 2012 eröffneten Karrierecenter neu organisiert werden. Doch nach Angaben des BRH liegen für die Umorganisation keine verlässlichen Daten zum Personalbedarf vor. „Das Ministerium läuft Gefahr, die Karrierecenter in kurzer Zeit erneut umstrukturieren zu müssen“, sagte der BRH-Präsident. Es sei nicht untersucht worden, was die Center genau machen müssen und was sie dafür an Personal brauchen. Es wurde zudem nicht analysiert, wie die Prozesse in den Karrierecentern verbessert werden können. Scheller forderte, dass die laufende Neustrukturierung gestoppt und solide Organisationsuntersuchung eingeleitet werden müsse.

Von Lutz Timm

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Politik Proteste gegen Präsident Maduro - Wieder Tote bei Machtkampf in Venezuela

Erneut liegen Leichen auf der Straße, die Fronten sind verhärtet. Mit zum Teil gewaltsamen Demonstrationen will die Opposition Staatschef Nicolas Maduro in die Knie zwingen. Doch viele Venezolaner wählen eine friedliche Form des Protests.

25.04.2017

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel bleibt angespannt: Am Jahrestag der Gründung seines Militärs soll Nordkorea eine große Militärübung abhalten. Zeitgleich hat ein US-Atom-U-Boot an einem Hafen in Südkorea festgemacht.

25.04.2017

Die Türkei weitet ihre Luftangriffe auf mutmaßliche PKK-Ziele aus. Am Morgen attackierten türkische Kampfflugzeug Ziele im Nordirak und im Nordwesten Syriens. Erstmals wird dabei auch die Region um die Stadt Sindschar angegriffen.

25.04.2017