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Politik Krieg ist kein Spiel – Warum der Dienst an der Waffe kein Ego-Shooter ist
Nachrichten Politik Krieg ist kein Spiel – Warum der Dienst an der Waffe kein Ego-Shooter ist
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10:04 25.08.2018
„Multiplayer at its best!“: Ein Plakat wirbt an einer Haltestelle für einen Besuch des Standes der Bundeswehr auf der Computerspielemesse Gamescom. Quelle: dpa
Hannover


Wie so vieles im Leben ist auch die Werbung gelegentlich Glücksache. Das erlebt gerade die Bundeswehr. Ihre neueste Werbeidee ist ziemlich verunglückt. Leider ist sie ja auf Marketing angewiesen. Seitdem man recht unbedacht die Wehrpflicht aufgehoben hat, muss man die jungen Leute locken.

Die bisherigen Werbemittel waren das – durchaus wirklichkeitsnahe – Versprechen einer guten Ausbildung sowie die – weniger realistische – Aussicht auf Abenteuer in fernen Ländern. Jetzt will man vermehrt auch diejenigen ansprechen, die ihre Lebenszeit vor allem zu Hause am Bildschirm verbringen. Doch die beiden aktuellen Bundeswehrplakate auf der Kölner Messe für Computerspiele mit den Slogans „Multiplayer at its best!“ und „Mehr Open World geht nicht!“ haben in der Gamer-Szene Empörung ausgelöst.

„Mehr Open World geht nicht“: Ein Plakat wirbt an einer Haltestelle für einen Besuch des Standes der Bundeswehr auf der Computerspielemesse "Gamescom". Quelle: dpa

In der Tat wird durch diese Werbung die lebenswichtige Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Spiel aufgehoben. Der Dienst an der Waffe ist kein folgenloses „Ballern“, kein Freizeitgedaddel, sondern ein Dienst – und zwar ein sehr folgenreicher. Man sollte die Gamer nicht unterschätzen – viele Computerspiele sind längst als Kulturform anerkannt. Wenn man heute junge Leute für die Bundeswehr gewinnen will, muss man sie ernst nehmen und ihnen erklären, warum unser Land zu seiner Verteidigung und zur Friedenssicherung in Europa immer noch eine Armee braucht und dass es dafür verantwortungsvolle Menschen sucht, die zwischen Spiel und Wirklichkeit unterscheiden können. Eigentlich wäre das die beste Werbung.

Unser Autor Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftrager des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland.

Von Johann Hinrich Claussen

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