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Bundeswehr führte Cyberkrieg in Afghanistan

Experten hackten Mobilnetz Bundeswehr führte Cyberkrieg in Afghanistan

Erstmals wurde ein Cyber-Einsatz der Bundeswehr bekannt. Experten drangen in ein afghanisches Mobilfunknetz ein, um Informationen über eine entführte Deutsche zu erlangen – mit Erfolg.

Die Bundeswehr wirbt um digitale Kompetenz – anscheinend mit Erfolg.

Quelle: Bundeswehr

Berlin. In einer geheimen Mission beschafften sich die Cyber-Spezialisten entscheidende Informationen über eine entführte Deutsche in Afghanistan, so „Spiegel Online“. Die Frau kam schließlich frei. Das Bundesverteidigungsministerium äußerte sich „aus Gründen operativer Sicherheit“ nicht zu einem möglichen Einsatz. Ein Außenamtssprecher sagte, die Bundesregierung sei „sehr erleichtert“ darüber, dass die Entführte frei gekommen sei.

Spezial-Einheit „Computer Netzwerk Operationen“

Im Herbst 2015 hatte sich dem Bericht zufolge die Einheit „Computer Netzwerk Operationen“ (CNO) in die internen Netze eines afghanischen Mobilfunkbetreibers eingehackt, um Informationen über eine entführte deutsche Entwicklungshelferin zu erlangen. Es sei das erste Mal überhaupt gewesen, dass die Gruppe von rund 80 IT-Experten im Cyber-Raum offensiv aktiv geworden sei.

Die Einheit gehört zum Kommando Strategische Aufklärung (KSA) in Rheinbach bei Bonn und wurde seit 2006 aufgebaut. Ihr gehören rund 60 Soldaten an. Parallel zu der Cyber-Operation habe der Krisenstab eine militärische Befreiung der Entwicklungshelferin erwogen. Dazu seien Elite-Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr nach Kabul verlegt worden.

Erklärtes Ziel von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist es, die Fähigkeiten der Bundeswehr zur Abwehr von Cyber-Angriffen zu verbessern.2015 war ein vertrauliches Strategiepapier dazu bekannt geworden, in dem es nicht nur um den Schutz der eigenen Infrastruktur geht, sondern auch um Angriff. Im April kündigte von der Leyen an, eine neue Einheit „Cyber und Informationsraum“ mit 13.500 IT-Spezialisten aufstellen zu wollen. Die Informatiker-Truppe sollte noch in diesem Jahr ihre Arbeit aufnehmen und 2021 voll einsatzfähig sein. Damit reagierte die Ministerin auf die zunehmenden Attacken auf die Netze des Bundes.

Operation führte nicht direkt zur Entführten

Nach Informationen des Fachblog „Augen geradeaus!“ führte die Aktion nicht zu der entführten deutschen Entwicklungshelferin, half aber dabei, ein Bewegungsprofil ihrer Entführer zu erstellen. Bei der Operation bediente man sich der Standortdaten, die jedes ins Netz eingeloggte Mobiltelefon permanent mitteilt. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, aus Gründen der Sicherheit von Bundeswehrsoldaten und der zu rettenden Deutschen äußere er sich zu dem Bericht nicht. Wenn solche Fähigkeiten eingesetzt würden, geschehe dies immer auf Grundlage der verfassungsrechtlichen und völkerrechtlichen Rahmenbedingungen, fügte er hinzu. Auch der Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, die Bundesregierung äußere sich grundsätzlich nicht zu Geiselnahmen. Auf die Frage, ob Lösegeld mit im Spiel war, betonte er: „Die Bundesregierung ist nicht erpressbar“. Auch zu der Frage, ob aktuell deutsche Staatsbürger in Afghanistan entführt seien, wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Von RND/afp

Rheinbach 50.625307 6.9477005
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