Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik CSU-Parteitag – ein bisschen Frieden
Nachrichten Politik CSU-Parteitag – ein bisschen Frieden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:15 16.12.2017
Brüchige Harmonie: Horst Seehofer und Markus Söder auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg. Quelle: dpa
Anzeige
Nürnberg

Noch nie hat man Horst Seehofer so über Markus Söder sprechen hören, und Söder nicht über Seehofer. Es war ein Feuerwerk des Lobes, des Respekts und der freundlichen Worte – eine durchschaubare Inszenierung.

Das Schauspiel, das die beiden, die jetzt erst einmal als Quasi-Doppelspitze der CSU funktionieren sollen, beim Parteitag in Nürnberg geboten haben, ist allein mit der tiefen Depression zu erklären, aus der sich die einst vor Selbstbewusstsein nur so strotzenden Christsozialen seit ihrem Desaster bei der Bundestagswahl nicht befreit haben. Not wirkt disziplinierend.

Seehofer, der Söder noch vor nicht allzu langer Zeit die charakterlichen Fähigkeiten für höhere Ämter abgesprochen hatte, ist – wenn auch mit mäßigen 83,7 Prozent – erneut zum CSU-Vorsitzenden gewählt worden. Aber er ist nicht mehr der große Patriarch, sondern ein Parteichef, dessen Stern sinkt. Die CSU abermals in eine Große Koalition zu führen und dabei so viele Punkte von der weißblauen Wunschliste wie möglich durchzusetzen, könnte der letzte große Dienst sein, den Horst Seehofer seiner Partei erweist.

Nicht auszuschließen, dass er am Ende Angela Merkels Angebot ausschlägt, ins nächste Bundeskabinett zu wechseln und im Herbst 2018 nach der Bayernwahl den Parteivorsitz abgibt. Seehofer wäre damit gelungen, was nur wenige Spitzenpolitiker schaffen: Ein Abschied, ohne von den eigenen Leuten vom Hof gejagt zu werden.

Diesen Schritt zu vollziehen, erfordert allerdings Stärke. Hat Seehofer diese Stärke? Darüber gehen in der CSU die Meinungen auseinander.

Söder und er haben sich über Jahre hinweg bekämpft, doch sie sind Profis genug, um mit Blick auf die Landtagswahl, bei der die CSU – Stand jetzt – ihre absolute Mehrheit verlieren würde, ihre Privatfehde zumindest vorübergehend beizulegen. Kurzfristig mag das Konzept Doppelspitze aufgehen. Langfristig aber ist die Doppelspitze Seehofer/Söder kein Erfolgsmodell für die CSU.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Trotz der immensen Verluste bei der Bundestagswahl ist CSU-Chef Horst Seehofer in seinem Amt bestätigt worden – allerdings mit seinem bislang schlechtesten Ergebnis.

16.12.2017

Nächster Halt Staatskanzlei: Markus Söder soll nach dem Willen der CSU nächster Ministerpräsident in Bayern werden. Ein machthungriger Selbstdarsteller mit Hang zur Intrige – oder einfach ein ehrgeiziger Politiker mit Bauchgefühl und Überzeugung?

16.12.2017

Rahul Gandhi, Spross der berühmtesten Politikerfamilie Indiens, hat die Führung der oppositionellen Kongresspartei übernommen. Er wurde am Sonnabend zum Nachfolger seiner Mutter Sonia Gandhi bestimmt, die bisher Präsidentin der Partei war.

16.12.2017
Anzeige