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Nachrichten Politik China eröffnet erste Militärbasis im Ausland
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13:38 21.07.2017
Am 11. Juli machte sich eine chinesische Militärflotte ins ostafrikanische Dschibuti auf. Quelle: dpa
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Dschibuti

China eröffnet einen Militärstützpunkt in Dschibuti. Wie viele Soldaten Peking an den Golf von Aden sendet, ist unbekannt. Vertraut ist hingegen der ostafrikanische Staat als Armeebasis sowie der Expansionsdrang aus Fernost.

Warum gerade Dschibuti?

China beschreitet mit dem ostafrikanischen Staat keinen weißen Fleck auf der Landkarte. Schließlich haben bereits die USA, Frankreich, Italien, Japan, Spanien und die Türkei einen Stützpunkt am Golf von Aden. Zudem plant auch Saudi-Arabien dort eine Militärpräsenz. Deutsche Soldaten sind im Rahmen des multinationalen Marineverbands Operation Atalanta zeitweise in Dschibuti stationiert, um die Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias zu unterstützen.

Die rund 900.000 Einwohner Dschibutis werden von einer autoritären Regierung um Staatspräsident Ismail Omar Guelleh geführt. Die Opposition beklagt Polizeigewalt und die Gleichschaltung der Medien. Dennoch gilt Dschibuti als stabil. Durch seine strategisch günstige Lage und die innenpolitische Situation rückt es für internationale Militärallianzen als „sicherer Hafen“ inmitten diverser Brennpunkte in den Fokus. So liegt der momentan schwer umkämpfte Jemen nur 20 Seemeilen entfernt, grenzt der Krisenstaat Somalia an Dschibuti und weitere Krisenherde der Region sind relativ schnell zu erreichen.

Was plant China in Dschibuti?

Staatliche Medien berichten von humanitärer Hilfe und Blauhelm-Einsätzen im Rahmen der UN. Des Weiteren plant China Militärkooperationen, Marineübungen und Rettungseinsätze im Golf von Aden. Dass die Präsenz in der dortigen Region auf die logistische Unterstützung beschränkt bleibt, bezweifeln Experten. Die militärische Expansion steht im Zeichen der globalen ökonomischen Stärke Chinas.

Wie ist die Präsenz geopolitisch einzuordnen?

Peking kann mit dem Stützpunkt in Dschibuti auch eigene Handelswege absichern. Das sogenannte „Perlenketten“-Modell, bei dem weltweit Anlaufpunkte für die kommerzielle Marine aufgebaut werden sollen, gilt als Pendant zur „Neuen Seidenstraße“ auf dem Landweg, bei dem die chinesische Regierung 900 Milliarden Dollar in den Ausbau der Infrastruktur zwischen Asien und Europa stecken will.

Aus militärischer Sicht stärkt China die Reichweite seiner militärischen Seeflotte. Und antwortet damit auf die Machtpräsenz amerikanischer Streitkräfte in ostasiatischen Gewässern. Die schützende Hand Washingtons über Japan, Taiwan und Südkorea ist Peking im innerasiatischen Machtanspruch ein Dorn im Auge. Der Militärstützpunkt in Dschibuti ist somit auch ein Signal von gewachsener globaler Stärke.

China selbst bezeichnet die Präsenz in Dschibuti als Schutz der eigenen Sicherheit und weist ein mögliches Streben nach militärischer Expansion oder einem Kräftemessen mit anderen Nationen von sich.

Hat China weitere Ambitionen auf dem afrikanischen Kontinent?

Chinas Form der Entwicklungshilfe für Afrika ist nicht neu. Die finanziellen Zuwendungen für diverse Staaten bei gleichzeitiger Sicherung von Einflussnahme besteht bereits seit mehreren Jahrzehnten. Im Jahr 2011 verdrängte Peking die USA als größten Handelspartners Afrikas. So kurbelte die Volksrepublik unter anderen Infrastruktur-Projekte in Angola, Äthiopien, Ghana, Kenia, Kamerun, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo und dem Sudan an. Das Engagement in Dschibuti besteht bereits seit mehreren Jahren. Zuletzt hatten die Chinesen die Zugverbindung nach Äthiopien modernisiert. Zudem fördert China im Norden des Südsudan Öl. In den benachbarten Staaten Dschibutis leben durch die wirtschaftlichen Projekte aus Fernost mittlerweile sehr viele Chinesen. Peking kann durch seine Präsenz in Dschibuti in möglichen Konflikten der Region seine Staatsbürger auch direkt vor Ort unterstützen.

Von RND/krö/dpa

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