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Politik Erstes Duell im TV: Clevere Clinton, strauchelnder Trump
Nachrichten Politik Erstes Duell im TV: Clevere Clinton, strauchelnder Trump
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10:05 27.09.2016
Hat gut Lachen: Hillary Clinton freut sich über ihren cleveren Auftritt beim TV-Duell.  Quelle: afp
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Hempstead

 Nach diesem Duell könnte sich schon entschieden haben, wer in den kommenden vier Jahren maßgeblichen Einfluss auf das Weltgeschehen nimmt. Etwa 100 Millionen Amerikaner haben das Streitgespräch zwischen Hillary Clinton und Donald Trump an der Hofstra Universität unweit von New York verfolgt – und einen Schlagabtausch erlebt, der im Verlauf der 90 Minuten immer weiter an Schärfe zunahm.

Schon nach wenigen Minuten sind die Rollen klar verteilt: Auf der einen Seite steht Clinton, die Erfahrene, die ihr Detailwissen über die internationale Diplomatie gleich mehrfach ausspielt. Auf der andere Seite rennt der Außenseiter gegen ihre starke Position an. Trump, der Geschäftsmann, prangert die Verhältnisse an, die die Lebensverhältnisse für so viele Amerikaner immer prekärer werden lassen. Der Republikaner will es nicht hinnehmen, dass renommierte Konzerne wie Ford ihre Produktion nach Mexiko verlagern und die Produkte anschließend wieder in den Vereinigten Staaten verkaufen.

Trump beginnt stark und baut dann ab

Trump punktet in der anfänglichen Debatte um die Handelspolitik - doch in der darauffolgenden Stunde scheint er sich in seinem eigenen Ärger zu verlieren.

Allem Anschein nach hat sich Trump von seiner neuen Kampagnenmanagerin Kellyanne Conway in den vergangenen Tagen kräftig ins Gebet nehmen lassen, um zumindest einige grundlegende Ratschläge zu verinnerlichen: Nicht ganz so aggressiv aufzutreten wie in den jüngsten Wahlkampfveranstaltungen, nicht jede Stichelei sofort zu erwidern – und bloß keine Beleidigungen ausstoßen.

Ist bester Dinge: Hillary Clinton reicht Donald Trump die Hand. Quelle: Getty

Womit Trump allerdings kaum gerechnet haben dürfte: Höflich im Ton, aber scharf in der Sache tischt ihm Clinton mehrere Sünden aus seinem Vorleben auf. Die Kandidatin erinnert die Fernsehnation daran, wie der frühere Reality-TV-Star in seinen Sendungen Frauen als „Ferkel“ oder „billige Putzfrauen“ beschimpfte. Auch hielt sie ihrem Mitbewerber in aller Ausführlichkeit vor, entgegen des üblichen Verfahrens nicht seine Steuerunterlagen zu veröffentlichen: „Entweder ist er nicht so reich, wie er vorgibt, oder er spendet weniger, als er vorgibt, oder er zahlt weit weniger Steuern, als er vorgibt.“

Will seine Steuererklärung nicht öffentlich machen und attackiert Hillary Clinton: Donald Trump, Kandidat der Republikaner. Quelle: AFP

Wieder einmal zeigt sich, dass Clinton genau in den Momenten ihre stärksten Auftritte hat, in denen sie enorm unter Druck steht. Wie sich bei der Debatte um ihre E-Mail-Affäre zeigt, gibt es keine Sekunden des Zögerns, keine verlegenen Situationen: „Um es klar zu sagen, ich habe einen Fehler gemacht, in dem ich einen privater Server benutzte. Dafür muss ich die Verantwortung tragen.“ Punkt. Aus. Nächstes Thema.

Republikaner wirkt fahrig und unhöflich

Dagegen tapst Trump in die Fallen, die ihm Clinton stellt: Der 70-Jährige fällt ihr ständig ins Wort und wirkt stellenweise sogar fahrig. Als er zu den Herausforderungen des Cyberkriegs Stellung nehmen soll, spricht er von der Computerbegeisterung seines zehnjährigen Sohnes, ohne einen passenden Zusammenhang zu finden. Auch trifft Clinton einen wunden Punkt, als sie vor den Gefahren eines zunehmend aggressiver auftretenden Russlands warnt und Trump vorwirft, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu hofieren.

Dass die erste TV-Debatte an Clinton ging, ahnen Trumps Anhänger bereits kurz nach Ende der Auseinandersetzung. So schreibt Rudy Giuliani auf Twitter: „Diese Debatte war nicht seine beste, aber es kommen noch zwei.“ Beim nächsten Mal, so der frühere Bürgermeister von New York, werde Trump besser vorbereitet sein.

Verfolgen das TV-Duell mit Spannung: Weltweit schauten sich 100 Millionen Menschen die TV-Redeschlacht des Jahres an. Quelle: afp

Nach dem TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hat ein Berater des Republikaners die Auswahl der Fragen des Moderators Lester Holt kritisiert. „Sie waren okay, aber er hat ein paar vergessen“, sagte Ex-General Michael Flynn. „Ich denke, er hätte eine andere Auswahl treffen können.“ So sei es kaum um Amerikas Sicherheit gegangen. Aus seiner Sicht hat Trump die Debatte gewonnen. „Er hat es gemeistert.“ Flynn war von 2012 bis 2014 Chef des US-Geheimdienstes DIA und berät Trump in militärischen Fragen.

Von RND/Stefan Koch

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