Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Cyber-Attacke: Hinweise auf Russland verdichten sich
Nachrichten Politik Cyber-Attacke: Hinweise auf Russland verdichten sich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:40 11.06.2015
Bislang unbekannte Täter haben das interne Datennetz des Deutschen Bundestags attackiert. Quelle: Gregor Fischer
Anzeige
Berlin

n. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagte am Rande einer Konferenz zur Cybersicherheit in Potsdam, er habe die Sorge, "dass es sich um einen Cyberangriff eines ausländischen Nachrichtendienstes handelt".

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) teilte den Abgeordneten mit, in den vergangenen beiden Wochen seien keine weiteren Daten abgeflossen. "Das bedeutet nicht, dass der Angriff endgültig abgewehrt und beendet wäre", ergänzte er aber.

Maaßen sagte nicht, um welches Land es sich bei dem möglichen Urheber der Cyber-Attacke handeln könnte. Er sagte: "Mein Dienst hat immer wiederholt bestätigt, dass jedenfalls die Cyberangriffe von russischen Diensten hochqualifiziert sind und uns große Sorge bereiten." Der Angriff auf den Bundestag sei "beachtlich". Sein Dienst habe den Bundestag am 12. Mai auf die Attacke aufmerksam gemacht, sei aber bislang nicht in die Aufklärung eingebunden.

Nach dpa-Informationen gibt es noch keine Gewissheit, aus welchem Land und von wem der vor vier Wochen entdeckte Cyberangriff ausgeführt wird. Unter anderem ist noch unklar, ob es sich um einen russischen Geheimdienst oder eine andere russische Organisation handelt. In Russland gibt es enge Verbindungen zwischen den Geheimdiensten und der organisierten Kriminalität. "Spiegel Online" hatte berichtet, Experten lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass der russische Auslandsnachrichtendienst SWR hinter der Spähaktion steckt.

Nach Angaben von Lammert prüft der Generalbundesanwalt, ob es einen Anfangsverdacht für eine Straftat geben. Die Analysen legten nahe, das Computersystem des Parlaments neben der laufenden Bereinigung rasch "mindestens in Teilen" neu aufzusetzen. "Nach derzeitigem Kenntnisstand ist das nicht mit einem Austausch von Hardware verbunden." Der Bundestag werde dabei die Expertise eines externen Dienstleisters ebenso einbeziehen wie die BSI-Beratung.

Vier Wochen nach Bekanntwerden der Cyber-Attacke darf sich das für Spionageabwehr zuständige Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nun doch um den Angriff kümmern. Das BfV werde aber "nicht innerhalb des IT-Systems (Abgeordnetenbüros, Fraktionen, Verwaltung) des Bundestages tätig", schrieb Lammert. Das BfV hatte den Bundestag am 12. Mai zwar über die Attacke informiert. Wegen verfassungsrechtlicher Bedenken vor allem der Opposition durfte sich der Verfassungsschutz aber bisher nicht an der Aufklärung beteiligen.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Bernhard Kaster (CDU), sprach vom "bisher größten Cyberangriff auf den Bund, auf das deutsche Parlament". Der Digital-Experte der Unionsfraktion, Thomas Jarzombek, ergänzte aber bei "Zeit Online": "Von einem Totalschaden kann keine Rede sein." Es seien 15 Bundestagsrechner angegriffen worden. Die schädlichen IP-Adressen seien gesperrt worden. Ein Bundestags-Experte sagte der dpa dagegen, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Schadsoftware auch nach längerer Inaktivität wieder auftauche.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Kritik an der geplanten Vorratsdatenspeicherung nimmt vor der ersten Beratung des Gesetzentwurfs im Bundestag zu. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages mahnt in einem Gutachten Korrekturen an.

11.06.2015

Fast für eine halbe Million Kinder wird inzwischen das umstrittene Betreuungsgeld ausgezahlt. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden dem Statistischen Bundesamt 455 321 laufende Bezüge gemeldet.

11.06.2015

Die Cyberattacke auf den Bundestag hat Medienberichten zufolge deutlich mehr Schaden angerichtet als bisher bekannt. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" muss das Parlament sein gesamtes Computer-Netzwerk neu aufbauen.

10.06.2015
Anzeige