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DHL-Erpressung: „Profis sind das meistens nicht“

Kriminologe im Interview DHL-Erpressung: „Profis sind das meistens nicht“

Der Kriminologe und Psychologe Helmut Kury glaubt: Die Erpresser von Unternehmen sind nicht unbedingt die Hellsten – und sie haben nur selten Erfolg

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Professor Helmut Kury war an der Universität Freiburg und am Max-Planck-Institut für internationales Strafrecht tätig.

Quelle: Foto: dpa

Freiburg. Herr Kury, im aktuellen Fall hat der Täter ein Paket mit einer Bombe oder Bombenattrappe an eine Apotheke geschickt, um DHL zu erpressen. In anderen Fällen haben Kriminelle Pralinen oder Babynahrung vergiftet. Wer macht so was?

In der Regel sind es Menschen mit großen finanziellen Schwierigkeiten und geringer krimineller Erfahrung. Zum einen sind solche Taten relativ leicht einzuleiten. Sie wirken auf den ersten Blick verlockend, da es um große Summen geht. Zum anderen jedoch sind sie in den seltensten Fällen erfolgreich. Am Ende muss ja eine Geldübergabe stehen – und die ist extrem schwer zu organisieren, ohne entdeckt zu werden.

Zusammenfassend könnte man sagen: Der oder die Täter sind ...

... wahrscheinlich nicht besonders intelligent und gehören eher keiner mafiösen oder berufskriminellen Struktur an. Profis in dem Sinne sind das meist nicht.

Bedeutet das, dass man ihre Drohungen nicht so ernst nehmen muss?

Das heißt es leider nicht. Diese Täter wollen Firmen oder in diesem Fall sogar einen großen Konzern verunsichern. Dazu müssen sie eine möglichst mächtige Drohkulisse aufbauen. Es geht ihnen vor allem um Geld, das Motiv ist reine Gewinnsucht. Im Zweifel und wenn sie die technischen Fähigkeiten dazu haben, werden sie jedoch in Kauf nehmen, Menschen zu verletzen oder auch zu töten.

Was lässt diese Menschen denken, dass sie diejenigen sind, denen solch eine Erpressung gelingt?

Wahrscheinlich eine Mischung aus dem starken Bedürfnis, an Geld zu kommen, und Selbstüberschätzung. Der Gedanke, dass sie raffinierter sind als die Polizei beziehungsweise anderen, frühere Täter, die man erwischt hat.

Man vermutet, dass die meisten Firmenerpressungen gar nicht bekannt werden und es weit mehr Fälle gibt. Ist das plausibel?

Aussagen über das Dunkelfeld sind immer problematisch. Wenn eine solche Erpressung bekannt wird, ist für das Unternehmen aber ja schon ein Schaden entstanden. Das heißt, sie haben also ein großes Interesse an der Geheimhaltung. Es ist deshalb zu vermuten, dass es tatsächlich deutlich mehr Fälle gibt.

Der Täter erpresst einen weltweit agierenden Konzern, beschränkt sich bei seinen Zielen bislang aber auf den Raum Brandenburg. Was sagt Ihnen das?

Auch das spricht für eine gewisse Unprofessionalität. Wenn er die Pakete woanders aufgäbe oder Ziele auch in Süddeutschland aussuchte, würde ihn das deutlich unberechenbarer machen.

Insgesamt sind Sie also optimistisch, dass der oder die Täter bald gefasst werden?

Ich vermute, dass er oder sie spätestens bei einer Geldübergabe gefasst werden. Dennoch haben sie dann schon einen großen Schaden angerichtet. So wie die Sicherheitsdebatte inzwischen jede Weihnachtsmarktplanung begleitet, wird jetzt bereits vor verdächtigen Paketen gewarnt, selbst wenn solche generellen Warnungen wohl auch ein allgemeines Unsicherheitsgefühl stärken.

Von Thorsten Fuchs

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