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Politik Das Flüchtlingsmädchen, das bei Merkel weinte: So geht es Reem heute
Nachrichten Politik Das Flüchtlingsmädchen, das bei Merkel weinte: So geht es Reem heute
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17:11 11.02.2019
Reem Sahwil (18) aus Rostock bereitet sich auf ihren Realschulabschluss vor. Quelle: Susanne Krauss/Heyne Verlag/dpa
Rostock

Ihre emotionale Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel berührte Millionen Menschen: Jetzt, fast vier Jahre später, steht das frühere Flüchtlingsmädchen Reem Sahwil aus Rostock kurz vor ihrem Schulabschluss. Derzeit bereitet sich die 18-Jährige auf ihre Prüfungen für den Realschulabschluss vor. Danach möchte sie auf das Gymnasium gehen. Das bestätigt ihr Verlag Random House auf Anfrage der „Ostsee-Zeitung“: „Reem befindet sich gerade in der Vorbereitung auf viele Prüfungen und Schule hat erste Priorität“, sagt eine Sprecherin.

Reem hat sich deshalb aus der Öffentlichkeit weitestgehend zurückgezogen. Anfragen an sie gehen nur noch direkt über ihren Verlag. Zuletzt hat sie sich gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“ geäußert und über die schwierige Zeit nach der berühmt gewordenen TV-Szene mit Merkel gesprochen. Damals habe sie in Rostock auf der Straße jeder erkannt. „Manche Leute haben mich angeschrien“, sagt sie. „Sie haben mit dem Finger auf mich gezeigt und gerufen: Die muss raus!“

Merkels Reaktion empfanden manche als herzlos und kalt

Das damals 14-jährige Flüchtlingsmädchen, das in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon geboren wurde, war im Sommer 2015 in einer im TV übertragenen Diskussionsrunde mit Angela Merkel in einer Rostocker Schule in Tränen ausgebrochen. Sie hatte der Kanzlerin mit bewegenden Worten von ihrem Schicksal und dem ihrer Familie berichtet. „Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussieht“, sagte sie damals. Merkels Antwort, dass Deutschland nicht alle Flüchtlinge aufnehmen könne, und ihr etwas unbeholfener Versuch, Reem zu trösten, hatten damals große Debatten ausgelöst. Manch einer empfand die Reaktion als herzlos und kalt.

Die Begegnung von Kanzlerin Merkel und dem Flüchtlingsmädchen Reem hat eine Debatte in den sozialen Medien ausgelöst. Quelle: dpa

Damals sei Reem immer wieder in sozialen Netzwerken gefragt worden: Warum geht sie nicht in ihr eigenes Land zurück? Reem sagt: „Ich hätte gerne geschrieben: Ich hab halt kein eigenes Land. Ich hätte auch gerne geschrieben, dass ich das nicht böse meine. Aber ich hab mich nicht getraut.“ Sie habe sich selbst die Schuld an den Anfeindungen gegen sie gegeben. „Ich dachte die ganze Zeit: Ich bin falsch.“

Die Zukunft von Reems Familie in Deutschland ist unklar

Im Frühjahr 2016 hat Reem Angela Merkel noch einmal im Kanzleramt in Berlin besucht. Das Treffen sei schön gewesen, mehr sagt sie dazu nicht. „Ich war beeindruckt von ihr. Sie ist so selbstbewusst.“

Seit 2017 hat Reem eine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis der Hansestadt Rostock, eine sogenannte Niederlassungserlaubnis. Ihr großer Wunsch sei es Deutsch auf Lehramt oder Psychologie zu studieren, sagte Reem der „Zeit“. Und sie sei die Einzige in ihrer Familie, die einen sicheren Status habe. Ihre Angehörigen dürften demnach noch bis Mai in Rostock bleiben. Was danach kommt, wisse sie nicht.

Von RND/OZ/Alexander Müller

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