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Politik Das Raser-Urteil: Hart, aber angemessen
Nachrichten Politik Das Raser-Urteil: Hart, aber angemessen
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06:16 28.02.2017
Hamdi H. (Mitte) mit seinen Anwälten Ingmar Pauli und Peter Zuriel (r.) im Landgericht Berlin. Quelle: dpa
Berlin

Es ist das bislang härteste Urteil gegen Raser in der deutschen Rechtsgeschichte – und es ist ein wichtiges und richtiges Zeichen. Das Berliner Landgericht hat zwei junge Männer wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, weil sie bei einem illegalen Straßenrennen in Berlin den Tod eines Unbeteiligten wie selbstverständlich in Kauf nahmen. Es hätte jeden anderen treffen können.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, können die beiden Verurteilten frühestens nach 15 Jahren auf Bewährung wieder auf freien Fuß kommen – eine harte Strafe, die aber auch in dieser Höhe völlig angemessen ist.

Der Berliner Richterspruch beweist, dass das deutsche Rechtssystem noch intakt ist. Sinnentleerte nächtliche Straßenrennen, deren einziges „Ziel“ darin besteht, den gegenseitigen Spaß am Kräftemessen zu befriedigen, erfüllen alle Voraussetzungen für ein Urteil wegen Mordes. Der Tod des Opfers wurde billigend in Kauf genommen. Die Tat war „gemeingefährlich“, weil die „Tatwaffen“, zwei aufgemotzte Sportwagen, als gemeingefährlich einzustufen sind. Und die Raser handelten aus „niederen Beweggründen“, weil sie sich selbst im Freundeskreis durch „Profilierungsfahrten“ Anerkennung verschaffen wollten.

Damit läuft der Versuch der Verteidigung, auf fahrlässige Tötung zu plädieren, ins Leere. Das Argument, die Angeklagten hätten das Risiko ausgeblendet, verfängt nicht. Im Gegenteil: „Auch der Raser bleibt ein Mensch, der einen Kopf hat“, urteilte das Gericht. Dass es bei rücksichtsloser Fahrweise zu tödlichen Unfällen kommen könne, müsse jedem klar sein. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die einzige Kritik, die sich die Berliner Richter gefallen lassen müssen, ist die, dass sie den Todesfahrer nicht viel früher aus dem Verkehr gezogen haben. Der 27-jährige Hamdi H. war mehrmals wegen drastischer Verkehrsvergehen aufgefallen, allerdings kein einziges Mal so hart belangt worden, dass ein Umdenken bei ihm stattgefunden hätte.

Das Berliner Urteil könnte Deutschland in der Bestrafung von Rasern ein Stück näher an die Verhältnisse in der Schweiz heranrücken. Bei unseren Nachbarn im Süden werden Autos von Verkehrssündern eingezogen, sobald eine bestimmte Geschwindigkeit überschritten wird. Gnadenlos. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Fahrer im Besitz eines VW Polo, Ferrari oder – wie in diesem Fall – eines Audi und Mercedes ist.

Denn nicht nur illegale Straßenrennen sind lebensgefährlich. Zu viele Menschen sterben im Straßenverkehr, weil sich jemand nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten hat. In hochgerüsteten Pkw ist es ein Leichtes, mit Tempo 200 über die Autobahn zu rasen. Wer zu spät bremst, hat verloren, und der Vordermann, der sich an die Vorgaben gehalten hat, gleich mit. Es wäre wünschenswert, dass mit dem Berliner Urteil ein Nachdenken bei allen Autofahrern einsetzt.

Von RND/Jörg Köpke

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