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Nachrichten Politik Das Treffen der Schwergewichte Trump und Xi
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00:55 07.04.2017
US-Präsident Donald Trump (l.) empfängt in Palm Beach, Florida, USA, den chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Quelle: AP
Wahington

Für die beiden großen Volkswirtschaften dürfte sich bei diesem Treffen viel entscheiden. Xi Jinping landete am Donnerstagnachmittag in Florida, um sich mit seinem amerikanischen Kollegen für zwei Tage in dessen Luxusanwesen Mar-a-Lago in Palm Beach zu treffen. Die erste Begegnung der beiden wohl mächtigsten Männer der Welt steht unter schwierigen Vorzeichen: Wiederholt warf der US-Präsident Peking Währungsmanipulationen vor. Auch sei das Bemühen Chinas nicht ausreichend, Nordkorea vom atomaren Aufrüstungsprogramm abzubringen.

Trumps gezielte Attacken im Vorfeld der Verhandlungen dürften einem einfachen Muster folgen: Da der Chef des Weißen Hauses in Handelsfragen eher aus einer Position der Schwäche heraus argumentiert, setzt er auf einen aggressiven Ton. Per Twitter ließ er seine Anhänger bereits wissen, dass er am heutigen Freitag schwierige Gespräche erwartet.

Tillerson fordert „faire“ Handelsbeziehungen

Tatsächlich ist das Handelsdefizit dramatisch: Im vergangenen Jahr importierten die Amerikaner Waren im Wert von 434 Milliarden Euro aus dem Reich der Mitte. Amerikanische Exporte nach China wiederum kamen nur auf einen Gesamtwert von weniger als 100 Milliarden Euro. Finanziell sind beide Staaten engstens miteinander verbunden: Der Wert der US-Staatsanleihen, die sich in Händen chinesischer Investoren befinden, wird auf etwa eine Billion Euro geschätzt. Trumps Drohungen, sogenannte Grenzübertrittssteuern zu erheben, sorgen in Peking daher seit Monaten für Unruhe, zumal die eigene Wirtschaft seit geraumer Zeit nicht richtig rund läuft.

Ebenso wie die Europäische Union kritisiert auch die US-Regierung den nur mangelhaften Marktzugang und die Dumpingpreise – beispielsweise für Stahl. So forderte auch Außenminister Rex Tillerson unmittelbar vor der Ankunft der chinesischen Delegation in Florida, dass es in den Handelsbeziehungen endlich „faire“ Bedingungen geben müsse.

Treffen der ungleichen Männer Trump und Xi Jinping

Drängender als der Streit um die Handelspolitik dürfte die Frage nach dem richtigen Umgang mit Nordkorea sein: Trump verlangt von seinem Amtskollegen, mehr Druck auf das Regime in Pjöngjang auszuüben, um die atomare Aufrüstung zu stoppen. Grundsätzlich sind sich die beiden Präsidenten in der Einschätzung der Krise einig: Auch Xi Jinping hatte sich mehrfach besorgt über die Atomwaffen in den Händen des Machthabers Kim Jong-un geäußert. Ein militärisches Eingreifen gegen den kleinen Nachbarstaat lehnt er allerdings entschieden ab. Zu groß ist in Peking offenbar die Sorge, dass amerikanische Truppen eines Tages nicht nur in Südkorea stationiert sein könnten, sondern auch weiter nördlich – in unmittelbarer Nähe zur chinesischen Grenze.

Amerikanische Medien erwarten denn auch ein überaus schwieriges Treffen – zumal das Verhandlungspaar kaum ungleicher sein könnte. Während Trump der materielle Reichtum bereits in die Wiege gelegt wurde und sich der Geschäftsmann nach wie vor als Nicht-Politiker versteht, erlebte Xi Jinping in seiner Jugendzeit dramatische Einbrüche: Während der chinesischen Kulturrevolution wurde sein Vater, damals ein einflussreicher Politiker, verhaftet. Als Jugendlicher musste Xi aufs Land flüchten und sich über Jahre als Landarbeiter durchschlagen. Später trat Xi in die Kommunistische Partei ein, kehrte in die Machtzentrale zurück und absolvierte eine jahrelange Kaderschule. Trumps unkonventioneller Stil könnte für den 63-jährigen Karrierediplomaten daher die größte Herausforderung sein.

Dagegen heißt es in Washingtoner Denkfabriken, dass Trump einer längeren Begegnung mit dem chinesischen Verhandlungspartner gar nicht gewachsen sei. „Mit kürzeren Gesprächen, die dem gegenseitigen Kennenlernen dienen, kommt der US-Präsident sicherlich zurecht. Für tiefergehende Verhandlungen dürfte seine bisherige Vorbereitung aber nicht ausreichend sein“, meint beispielsweise Scott Kennedy vom „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS).

Von Stefan Koch/RND

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