Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Debatte um grüne Doppelspitze: Viel Kontra für Kretschmann
Nachrichten Politik Debatte um grüne Doppelspitze: Viel Kontra für Kretschmann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:06 20.04.2016
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält die Grünen-Doppelspitze für überholt. Quelle: Bernd Weißbrod
Anzeige
Berlin

Die Grünen-Spitze will sich vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann nicht in einen Streit über das Prinzip der Doppelspitze hineinziehen lassen.

"Diese Debatte hatten wir schon häufiger. Sie macht jetzt keinen Sinn", sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt der "taz". Die Grünen sollten sich lieber auf Inhalte konzentrieren, statt "längst entschiedene Strukturdebatten wieder aufzumachen", sagte auch ihr Amtskollege Anton Hofreiter. Beide wollen im Herbst Spitzenkandidaten ihrer Partei für die Bundestagswahl werden.

Kretschmann, der bei der Landtagswahl im Südwesten historische 30,3 Prozent für die Grünen geholt hat, hatte in der "Süddeutschen Zeitung" gegen das Prinzip gestichelt. Es sieht vor, dass Spitzenpositionen im Bund mit einem Mann und einer Frau besetzt werden.

Das sei vernünftig gewesen, sagte Kretschmann, inzwischen müsse es aber auch ein Vertreter des linken und des Realo-Flügels sein. "Nur, in der Politik muss man sich für den einen oder den anderen Weg entscheiden." Er habe in dieser Hinsicht aber resigniert.

Bundesgeschäftsführer Michael Kellner stellte klar, dass sich erst einmal nichts ändern werde. Beim Parteitag im vergangenen November habe die Partei beschlossen, per Urwahl ab September ein Spitzenduo für die Bundestagswahl 2017 zu bestimmen. "Das wäre der Zeitpunkt gewesen, zu beantragen, dass wir nur eine Spitzenperson wählen sollen." Das habe aber keiner getan.

Neben Göring-Eckardt als einziger Frau und Hofreiter haben sich auch Parteichef Cem Özdemir und der stellvertretende Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Robert Habeck, um die Spitzenkandidatur beworben.

Mehrere prominente Grüne verteidigten das Doppel-Prinzip als Mittel der Gleichberechtigung. "Wir sind für die Doppelspitze, auch weil wir wissen, wie weit wir von Chancengleichheit bei der Besetzung von Spitzenpositionen in allen Gesellschaftsbereichen entfernt sind", sagte Parteichefin Simone Peter der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Doppelspitze sei eine feministische Errungenschaft und keine Flügelquote, sagte Gesine Agenda, die frauenpolitische Sprecherin im Bundesvorstand der Grünen, der "taz".

Unterstützung für Kretschmann kam hingegen vom Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek. "Die Wahrheit ist doch, dass bei der Besetzung der Doppelspitze Flügelproporz oft eine wichtigere Rolle spielt als die Geschlechterfrage. Diese Art der Auswahl hat sich überholt", sagte er "Spiegel Online". Und Göring-Eckardt räumte ein, dass Kretschmann in einem Punkt Recht habe: "Personalisierung ist wichtig. Und das werden wir im Wahlkampf auch machen."

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In den vergangenen 20 Jahren gab es kein so großes Rentenplus wie in diesem Jahr. Und bei den Rentner bleibt auch deutlich mehr Geld übrig. Trotzdem geht die Debatte um die Zukunft der Alterssicherung munter weiter.

20.04.2016

Deutschland ist das letzte EU-Land, in dem noch uneingeschränkt Außenwerbung für Tabakerzeugnisse erlaubt ist. Das soll sich ab 2020 ändern. Nicht nur die Tabakindustrie warnt vor einem Dammbruch.

20.04.2016

Wie groß ist das Netz der Freitaler Rechtsextremisten? Laut sächsischem Innenminister laufen nach der Festnahme von fünf Terrorverdächtigen weitere Ermittlungen.

20.04.2016
Anzeige