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Politik „Der Klimawandel schreitet schneller voran als wir“
Nachrichten Politik „Der Klimawandel schreitet schneller voran als wir“
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20:20 12.12.2017
Klimagipfel in Frankreich. Quelle: AP
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Boulogne-Billancourt

Eine Art Achse der Klimaschutz-Willigen sollte es sein, die sich gestern in Boulogne-Billancourt bei Paris bildete: Präsident Emmanuel Macron hatte gemeinsam mit den Vereinten Nationen und der Weltbank als Co-Organisatoren öffentliche und private Akteure, rund 50 Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter von Unternehmen und Banken zum Umwelt-Gipfel „One Planet Summit“ eingeladen.

Anders als die UN-Weltklimagipfel COP, dessen jüngste Ausgabe erst vor wenigen Wochen in Bonn stattfand, haben die getroffenen Vereinbarungen keinen rechtlich bindenden Rahmen. Den Organisatoren zufolge ging es darum, konkrete Aktionen auszuarbeiten, um die Finanzierung der Klimaziele abzusichern sowie die Unterstützung der weniger entwickelten Länder durch die reichen Industriestaaten.

Unter den eingeladenen Wirtschaftsriesen waren unter anderem auch Bill Gates, Michael Bloomberg und Richard Branson. Quelle: imago/UPI Photo

Außerdem sollen die Bemühungen beschleunigt werden – denn Experten befürchten, dass das bei der Pariser Weltklimakonferenz COP21 vor genau zwei Jahren vereinbarte Ziel klar verfehlt wird, die Erderwärmung bei unter zwei, besser noch 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu halten.

„Wir gewinnen den Kampf gegen den Klimawandel noch nicht“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres. Seine jüngsten Besuche auf den Inseln Barbuda und Dominica hätten ihm das Herz zerrissen und die Augen geöffnet: „Der Klimawandel schreitet viel schneller voran als wir es tun.“ Erstmals seit drei Jahren sei der Ausstoß von CO2 wieder angestiegen, in den vergangenen fünf Jahren erlebte die Welt einen Temperatur-Rekord.

Vereinbart wurden zwölf Ziele, die ein Umsteuern ermöglichen sollen. Dazu gehören unter anderem die Einrichtung aus öffentlich und privat finanzierten Fonds für die Karibik-Region, Stipendien für junge Klima-Forscher oder auch die Schaffung eines Netzwerkes von Zentralbanken und Finanzmarkt-Institutionen für „grüne Finanzierungen“ geben. Die Weltbank will aus der Finanzierung von Öl- und Gasprojekten aussteigen.

Die britische Premierministerin, Theresa May von Macron begrüßt. Quelle: dpa

Die Allianz aus Ländern, die den Kohleausstieg beschlossen haben, stieg auf knapp 30 an; Deutschland ist weiterhin nicht dabei. Allerdings wollen die Bundesrepublik, Frankreich, Großbritannien, Schweden und die Niederlanden einen „wirksamen CO2-Preis in relevanten Sektoren“ einführen, um den Ausstieg der Weltwirtschaft aus fossilen Brennstoffen voranzutreiben

Hochrangige Gäste waren Macrons Einladung gefolgt: Es kamen rund 50 Staats- und Regierungschefs unter anderem von Großbritannien, Mexiko und Norwegen, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, aber auch prominente Aktivisten wie Bill Gates, die Schauspieler Jean Penn und Leonardo di Caprio. Abwesend waren hingegen nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel, die erst heute zu einem Treffen mit Vertretern der Sahel-Region nach Paris reist, sowie hochrangige Vertreter aus China, Indien oder Kanada – sondern auch US-Präsident Donald Trump.

„Make our Planet great again" Quelle: dpa

Auf dessen Ankündigung hin, aus dem Pariser Klima-Vertrag auszusteigen, hatte Macron den „One Planet Summit“ erst ins Leben gerufen. „Es ist eine große Verantwortung gegenüber der Geschichte und ich bin ziemlich sicher, dass mein Freund Präsident Trump in den kommenden Monaten oder Jahren seine Meinung ändern wird“, erklärte Frankreichs Staatschef nun in einem Interview mit dem US-Sender CBS.

Aus den USA waren nicht nur der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger oder der ehemalige Außenminister John Kerry angereist. Die französischen Organisatoren wiesen auch darauf hin, dass eine große Zahl der rund 4000 Teilnehmer aus Trumps Heimat kam. Gerade auf die gemeinsame Aktion der Politik, der Wirtschaft und der Finanzwelt, so hieß es, komme es ja an. Vertreter von Umweltschutzorganisationen zeigten sich angesichts von so viel zur Schau getragenem guten Willen zurückhaltend optimistisch. „Zumindest bringt der Gipfel die Akteure unter Zugzwang“, sagte der frühere französische Grünen-Politiker und heutige Leiter von WWF France.

Von Birgit Holzer / RND

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