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Politik Der Mann, der die Bomben verschickte – ein klammer Ex-Stripper und Trump-Fan
Nachrichten Politik Der Mann, der die Bomben verschickte – ein klammer Ex-Stripper und Trump-Fan
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15:15 27.10.2018
Dieser Van gehört dem Verdächtigen, der in den USA diverse Bomben verschickt haben soll. Quelle: AP
Florida

Ein Hobby-Bodybuilder, Ex-Stripper, Einzelgänger mit langem Vorstrafenregister und einer Schwäche für Donald Trump: So beschreiben Ermittler und Weggefährten den Mann, der Rohrbomben in kleine Umschläge gesteckt, auf jede Sendung sechs Briefmarken geklebt und sie dann an einige der prominentesten Kritiker des US-Präsidenten geschickt haben soll. Die Festnahme von Cesar S. markierte am Freitag den vorläufigen Schlusspunkt eines glimpflich verlaufenen Dramas, das die Schlagzeilen über Tage beherrscht und den Wahlkampfendspurt vor den Kongresswahlen durcheinanderwirbelt hat.

Der 56-Jährige S. aus Aventura in Florida soll schon früher mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein. 2014 wurde er laut Gerichtsakten wegen schweren Diebstahls für schuldig erklärt, ein Jahr zuvor wegen Körperverletzung. Im Jahr 2004 gab es gegen S. mehrere Klagen wegen unrechtmäßigem Besitz künstlicher Anabolika, die oft zum Muskelaufbau verwendet werden. In den 90ern wurde er mehrmals wegen Diebstahls, Betrugs sowie Manipulation von Beweisen festgenommen.

Als der Verdächtige zum Trump-Fan wird

2002 erhielt S. wegen einer Bombendrohung eine Bewährungsstrafe. Er soll laut Haftantrag gegen eine Mitarbeiterin eines Energieversorgers in Florida ausfällig geworden sein, weil sein Strom abgeschaltet werden sollte. In einem Telefonat soll er gedroht haben, die Büros der Betreibergesellschaft in die Luft zu sprengen. „Es wäre schlimmer als am 11. September“, wurde er in Gerichtsakten zitiert.

Anwalt Ronald Lowy verteidigte ihn damals. S. sei „ein verwirrter Mann, der Schwierigkeiten hatte, seine Emotionen im Zaum zu halten“. Zu der Zeit habe sein Mandant kein Interesse an Politik gezeigt.

Dies änderte sich offenbar mit dem politischen Aufstieg von Donald Trump im Jahr 2015. Social-Media-Profile von S. sind mit Bildern mit Botschaften gespickt, die seine Begeisterung für den Präsidenten und seine Verachtung für Demokraten belegen. Auf Facebook und Twitter postete er Videos, die ihn offenbar bei Kundgebungen Trumps zeigen. Wählerverzeichnissen in Florida zufolge ist S. seit März 2016 als Mitglied der Republikaner registriert, bei der Präsidentschaftswahl in jenem Jahr gab er seine Stimme ab.

Er trug Kleidung der Marke Donald Trump

S. lebte in einem weißen mit Pro-Trump-Aufklebern übersäten weißen Transporter, den er oft an einem Strand nahe Aventura parkte. „Ich habe den Typen vielleicht 80 Mal gesehen und nie ein Wort mit ihm gewechselt, weil ich das Gefühl hatte, dass er etwas merkwürdig war“, berichtet Marc Weiss, ein Verwalter eines Gebäudes. „Ich nahm an, dass er obdachlos ist, weil er sich am Strand geduscht hat.“

2015 erstattete S. bei der Polizei Anzeige, weil in seinen vor einem Fitnessstudio in Oakland Park geparkten Wagen eingebrochen worden sei. Sachen im Wert von mehr als 40 000 Dollar seien gestohlen worden, gab er an - darunter Kleidung der Marke Donald Trump für 7150 Dollar.

Dabei hatte S. in den vergangenen Jahren mit finanziellen Problemen zu kämpfen, wie aus Gerichtsakten hervorgeht. Mit mehr als 21 000 Dollar sei er wegen unbezahlter Kreditkartenkäufe in der Kreide gestanden. Seinem Cousin Lenny Altieri zufolge hielt sich S. früher als Stripper über Wasser. In einem Online-Steckbrief pries er sich unter anderem als Veranstalter von Striptease-Shows an. Für seinen Verwandten findet Altieri drastische Worte. „Ich weiß, dass der Typ ein Wahnsinniger ist.“

Von RND/AP