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Politik Der Nachmittag, als der Krieg da war
Nachrichten Politik Der Nachmittag, als der Krieg da war
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17:41 12.10.2016
Der Kommentar auf der russischen Website „Znak“, der Ursprung des Kriegs-Gerüchts. Quelle: RND
Hannover

Es war ein trüber Tag, als der Krieg über uns herein brach. Er tat es mit gewaltiger Macht – rein sprachlich, zumindest. „Russland befiehlt allen Offiziellen, ihre im Ausland lebenden Verwandten nach Hause zu holen, während die Spannungen in Richtung Weltkrieg wachsen“, donnerte die britische „Daily Mail“ in ihrer Online-Ausgabe. „Heim ins Mutterland“, „Russische Atomwaffen an der polnischen Grenze“, „Gorbatschow warnt: Russland und den USA sind an einem gefährlichen Punkt angekommen“, streute sie als Unterzeilen ein. So weit so schlecht die verbale Panikmache, dazu noch Fotos von einer Panzerparade auf dem Roten Platz.

Dabei hätten schon ein wenig Recherche die britischen Kollegen überzeugen müssen, dass wir uns keineswegs in Schützengräben kauern müssen. Denn ein Blick auf die russische Website „Znak“ reduziert die vermeintliche Weltnachricht auf ihren Ursprung: Die Kollegin Ekaterina Winokuwa hat dort unter der Überschrift „Nach Hause!“ einen flammenden, patriotischen Kommentar veröffentlicht. In dem fordert sie russische Offizielle unter Hinweis auf entsprechende Überlegungen der Putin-Administration auf, ihre Kinder von den teuren britischen Privatschulen und -universitäten abzumelden und sie stattdessen der Herzensbildung von Mütterchen Russland zuzuführen. Es sei ein Skandal, wetterte die eifrige Winokuwa, dass russische Eltern im Fernsehen über „Patriotismus“ redeten, ihre Kinder aber im Ausland erziehen ließen. Das ginge so nicht weiter, in den vergangenen Jahren hätten 300 000 Menschen Russland verlassen.

Erziehung, meint die Kommentatorin, sei schließlich auch eine strategische Frage in diesen Zeiten des West-Boykotts. Man könne nicht zweierlei Göttern dienen, der Heimat und denen des Westens, kommt die Kollegin zum Schluss, auch die Erziehung sei Teil eines „großen Krieges, auf den sich die Eliten vorbereiten müssen“. Ein Krieg der Worte, wohlgemerkt. Die Skandalkollegen von „Daily Mail“ und Co aber hören einen Ruf zu den Waffen.

Vielleicht sollten die russischen Eleven da doch lieber etwas länger im Vereinigten Königreich bleiben. Sie könnten wertvolle Übersetzerdienste leisten. Dann bräuchte man nicht gleich bei jedem kernigen Kommentar den Dritten Weltkrieg herbeizuschreiben, an so einem trüben Tag.

Von RND/Daniel Killy

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