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Politik Der Terror verliert seine Monstrosität
Nachrichten Politik Der Terror verliert seine Monstrosität
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20:10 02.01.2017
Quelle: imago
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Hannover

Und schon wieder diese Bilder: Blaulicht, Blutüberströmte, Traumatisierte, Tote. All die Botschaften und guten Wünsche, all die Hoffnungen, dass das Jahr 2017 friedlicher als das vergangene werden möge, sie wurden schon in der Neujahrsnacht zunichte gemacht.
39 Tote, Dutzende Verletzte – das ist die blutige Bilanz des Anschlags auf einen Nachtclub im türkischen Istanbul. Das neue Jahr beginnt, wie das alte geendet hat – mit Terror.

Wirklich überraschend kommt das nicht. Terroristen halten sich nicht an Feiertage. Oder sie halten sich gerade daran. Das ist das Perfide an ihrer Strategie. Sie schlagen zu, wenn die Menschen am wenigsten damit rechnen. 17.000 Polizisten sollten beim Jahreswechsel in der Türkei für ein Gefühl von Sicherheit sorgen. Am Ende reichte ein einzelner bewaffneter Attentäter, um das Gegenteil zu erreichen.

Niemand kann sich mehr sicher sein

Istanbul, Berlin, Brüssel, Nizza – die Namen der Städte sind auswechselbar geworden. Niemand kann sich mehr sicher sein, nicht im nächsten Moment von einem Anschlag getroffen zu werden. Das zumindest haben die Attentäter erreicht: Ihr Terror ist zu einer permanenten Bedrohung geworden – zur Geißel unserer vermeintlich modernen Zeit.

So absurd, so zynisch das klingen mag – darin liegt auch eine Chance. Je alltäglicher der Terror wird, desto mehr seiner Monstrosität büßt er ein. Wir gewöhnen uns an die Bilder. Wir bekommen Routine im Abhalten der Trauerrituale. Und wir machen danach weiter wie vorher. In Berlin ließ sich das beobachten. Die Stadt trauerte nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt. Aber sie blieb gefasst. Eine Gesellschaft wie die deutsche lässt sich nicht durch Terror destabilisieren.

Erdogan missbraucht den legitimen Kampf gegen Staatsfeind

In der Türkei ist die Situation eine andere – vor allem weil Präsident Recep Tayyip Erdogan den Terror mit überzogenen Mitteln bekämpft. Er missbraucht den legitimen Kampf gegen Staatsfeinde, um politische Gegner, rechtsstaatliche Kräfte und Akteure der Zivilgesellschaft zu unterdrücken. In der Türkei wird die Demokratie mehr und mehr zur Fassade.

Davon ist Deutschland weit entfernt. Aber auch hierzulande wird der Terror instrumentalisiert. Von Flüchtlingshassern sowieso, aber auch von sogenannten Law-and-Order-Politikern. Regelmäßig fordern sie nach Anschlägen neue Befugnisse für Sicherheitsbehörden und nehmen damit die Beschneidung der Freiheitsrechte aller Bürger in Kauf.

Noch größer aber ist die Gefahr, dass wir abstumpfen. Dass wir die Zahl der Toten und Verletzten achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Dass wir kein Mitgefühl mit ihnen entwickeln. Das darf uns nicht passieren. Die Namen der Städte mögen variieren, das Leid der Opfer und Angehörigen ist immer das gleiche. Mitmenschlichkeit und Mitgefühl zu zeigen, ist oberste Pflicht. Das wäre ein guter Vorsatz für das Jahr 2017. Unabhängig davon, wie es weitergeht.

Von RND/Andreas Niesmann

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