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07:00 01.11.2017
Vor dem Gemetzel: In Sissach in der Schweiz schlachteten Metzger öffentlich zwei Schweine. Quelle: dpa
Lüneburg


Es war ein blutiges Spektakel: Am Sonnabend wurden mitten in einem Schweizer Dorf vor Zuschauern zwei Schweine geschlachtet. Man wolle „das Handwerk des Metzgers den Leuten näherbringen“, hieß es zur Begründung. Tierschützer protestierten. Dennoch wohnten dem Spektakel einige Dutzend Menschen bei. Auf den Fotos sieht man unter anderem ein Zelt, ein Messer, viel Blut, ältere Frauen und Kinder.

Die Szene lässt an öffentliche Hinrichtungen denken, wie sie in früheren Jahrhunderten üblich waren. Auch dabei reagierte die Menge teils fasziniert, teils schaudernd. Eine reine Lust war es für die Zuschauer wohl nicht. Vielmehr handelte es sich um eine Art Ritual, in dem Gerechtigkeit öffentlich wiederhergestellt wurde. Die Umstehenden durften das Gefühl moralischer Überlegenheit genießen, der Schurke ging unter. Erst die Aufklärung machte dem Ritual ein Ende, die Empfindsamkeit ließ im 18. und 19. Jahrhundert Mitleid und Entsetzen in den Vordergrund rücken. Heutzutage gilt als brutal, wer gern sieht, wie andere sterben.

Hiermit zurück zu den beiden Schweizer Schweinen: Auch die Schlachthöfe sind während des letzten Jahrhunderts immer mehr in die Ferne gerückt, das Leid der Tiere wird sorgfältig hinter Mauern verborgen. Manche Menschen sagen nun, es sei doch gut, wenn Konsumenten sehen, wie für ihre Steaks und Würste Tiere sterben.

Ich sehe das anders: Denn es ist ein positiver Schritt der Zivilisierung, Blut, Leid und Gewalt nicht mehr ungerührt zu ertragen. Der nächste konsequente Schritt besteht darin, das zu beenden, dessen Brutalität man nicht ertragen kann.

Hilal Sezgin lebt als Schriftstellerin bei Lüneburg.

Von Hilal Sezgin

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