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17:02 09.07.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel, chinesischer Ministerpräsident Li Keqiang: erlaubt ist, was China nützt. Quelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock
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Berlin

In der mitunter martialischen Sprache der Finanzmärkte gibt es das Bild des „Weißen Ritters“. Börsianer nennen so einen Investor, der einer Firma zur Hilfe eilt, wenn diese eine feindliche Übernahme abwehren will. Um die angreifende Firma, den „Schwarzen Ritter“, in die Flucht zu schlagen, muss der weiße für gewöhnlich ein besseres, also höher dotiertes, Übernahmeangebot auf den Tisch legen.

Übertragen auf die Handelspolitik schickt China sich an, diese Rolle für Europa zu übernehmen. Während der alte Verbündete Amerika die EU mit gigantischen Strafzöllen belegt und bedroht, winkt China mit Investitions- und Handelserleichterungen. Die fernöstliche Charme-Offensive trifft bei den gedemütigten Europäern auf offene Augen und Ohren. Je hässlicher das Amerika Donald Trumps wird, desto hübscher erscheint das China Xi Jinpings.

Doch Vorsicht! Zu verschenken hat China nichts. Peking betreibt seit Jahren eine knallharte Wirtschaftspolitik, die vor allem einem Grundsatz folgt: erlaubt ist, was China nützt. Dass es der chinesische Partner im Zweifel nicht so genau nimmt mit Eigentums- und Urheberrechten, lässt sich seit Jahren beobachten. Auch die systematische Benachteiligung ausländischer Investoren ist kein neues Phänomen. Schon oft hat China Abhilfe versprochen, doch das Land öffnet seine Märkte immer erst dann, wenn das Monopol der eigenen Unternehmen zementiert ist. Und im Zweifel ist die Kommunistische Partei auch heute noch jederzeit bereit, der chinesischen Wirtschaft lästige Konkurrenz vom Hals zu halten.

Schlüsselrolle in der neuen Welthandelsordnung

Hinzu kommt die Menschenrechtslage, über die dieser Tage allzu gerne verschämt hinweggesehen wird, wenn es um „Big Business“ geht. Doch Werte sind unverhandelbar. Der Hinweis sei gestattet: In nahezu allen Fragen von Recht und Moral stehen die USA näher bei Europa als China. Daran vermag selbst ein Präsident Donald Trump nichts zu ändern.

Sollte es Europa deshalb allein versuchen? Nein! Es ist klug, in einer unübersichtlicheren Welt nach neuen Partnern Ausschau zu halten. Klassische Industrieländer wie Kanada und Australien werden für Europa wichtiger, mit Japan will die EU auch ein lang ersehntes Freihandelsabkommen unter Dach und Fach bringen. Gut so! Auch Schwellenländer wie Brasilien, Indien und Südafrika werden an Bedeutung gewissen. Und sollte Moskau endlich die Vereinbarung von Minsk umsetzen, wird auch der Handel mit Russland wieder eine wichtigere Rolle spielen.

Natürlich kommt China in der neuen Welthandelsordnung eine Schlüsselrolle zu. Schon heute ist das Reich der Mitte Deutschlands wichtigster Handelspartner. Man sollte nur nicht so naiv sein und allein auf China setzen. Das Gesetz der Finanzmärkte gilt auch und gerade im Welthandel: Wer auf den weißen Ritter hofft, verliert am Ende die Unabhängigkeit.

Von Andreas Niesmann/RND

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