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Politik Der unbeliebte Herr Söder und seine Facetten
Nachrichten Politik Der unbeliebte Herr Söder und seine Facetten
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12:34 13.10.2018
Söder: „Ich gebe zu, die Rolle des Landesvaters nach sechs Monaten ist noch nicht so einfach.“ Quelle: Getty Images
Berlin

Die Passage war immer das Ende seiner Wahlkampf-Reden. „Ich biete 100 Prozent Einsatz“, rief Markus Söder vom Rednerpult in Bayerns Bierzelten. Wieder und wieder. Mangelnden Einsatz will er sich die Tage nicht vorwerfen lassen. Mehr als 250.000 Menschen habe er mit seinen Auftritten in allen Regionen des Freistaats erreicht, rechnet er neulich hinter verschlossenen Türen im Franz-Josef-Strauß-Haus vor, der CSU-Zentrale im Münchener Norden.

Kurz vor dem Tag der Entscheidung gibt sich der 51-Jährige selbstkritisch, versucht es mit Demut. „Ich gebe aber zu, die Rolle des Landesvaters nach sechs Monaten ist noch nicht so einfach“, sagte er Sender n-tv. „Selbst eine normale Vaterschaft braucht neun Monate. Also werbe ich einfach um die Zukunft und die Chance, das Land weiterführen zu können.“ Söder betonte aber auch, dass er inhaltlich mit der Arbeit von sich und seiner CSU-Regierung eigentlich sehr zufrieden sei: „Ich glaube, dass wir das gar nicht schlecht gemacht haben.“

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Nicht schlecht gemacht? Umfragen zufolge ist Söder der unbeliebteste Ministerpräsident der Republik. Und hört man genau hinein in die CSU-Spitze, finden sich schnell Menschen mit Zweifeln an Söders Einschätzung, es eigentlich ganz gut gemacht zu haben. Sie sind der Meinung, dass er sich zwar bemüht, aber auch jede Menge Fehler gemacht habe.

„Ein Zeichen von Schwäche“

Zum Beispiel, sich doch noch auf ein TV-Duell einzulassen. Und sich dann – am Ende der Sendung - auch noch mit dem Grünen-Spitzenkandidaten Ludwig Hartmann zum Wandern zu verabreden. „Kontraproduktiv“, sprechen die Kritiker im eigenen Lager von einem völlig falschen Signal. „Ein Zeichen von Schwäche.“

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Oder zuletzt die verpatzte Präsentation seines Raumfahrtprogramms. Statt über die ehrgeizigen Pläne der Staatsregierung redete die Republik nur über das „Bavaria One“-Logo mit einem Söder-Konterfei wie aus einer Science-Fiction-Serie. „Übers Ziel hinausgeschossen“, lästern manche in der CSU. Und erinnern daran, dass die Christsozialen im Fall von Misserfolgen nie zimperlich mit ihren Führungsleuten umgegangen ist. „Kommt es am Sonntag zum Super-Gau, weiß ich nicht, ob sich Söder halten kann“, sagt einer.

Die drei Rollen des Markus S.

Es war eine verkorkste Kampagne. Ein Wahlkampf, in dem Söder seine Rolle nie gefunden hat.

• Er versuchte zunächst, den besonnen-jovialen Landesvater zu geben, was scheiterte, als klar wurde, dass die Kruzifix-Pflicht in bayerischen Amtsstuben auf Widerstand bis in Kirchenkreise hinein stieß. Und dass selbst milliardenschwere, neue Sozialleistungen wie Familien- und Pflegegeld den Niedergang der CSU in den Umfragen nicht aufhalten konnte.

• Im Frühsommer probierte es Söder als Scharfmacher, erklärte den Flüchtlingsstreit in der Union zum „Endspiel um die Glaubwürdigkeit“. Wenige Tage später saß er in der entscheidenden Runde im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin dabei, als die CSU in einen seltsamen, kaum erklärlichen Formelkompromiss einwilligte. Kleinlaut entschuldigte sich Söder dafür, von „Asyltourismus“ gesprochen zu haben, versprach, fortan auf diesen Begriff zu verzichten.

• Seit Anfang August gibt es wieder einen anderen Söder. Einen zurückhaltenden, irgendwie heruntergedimmt wirkenden. Einen, der bereits früh zu ahnen schien, was da am Wahlsonntag alles auf ihn zukommen könnte. Einen, der mit dem Ziel, die absolute Mehrheit zu verteidigen, gestartet war. Und nun damit leben musste, wie Koalitionsdebatten das Wahlkampf-Finale bestimmten.

Spätstart als Ministerpräsident

Söders Zick-Zack-Kurs hat viel mit seinem verzögerten Start als Ministerpräsident zu tun: Erst im März war der 51-Jährige ins Chefbüro der Münchener Staatskanzlei eingezogen. Der Grund: CSU-Chef Horst Seehofer wollte sein Amt als Ministerpräsident erst aufgeben, als endgültig klar war, dass die GroKo in Berlin auch zustande kommt und er Bundesinnenminister werden kann.

Söder contra Seehofer, Seehofer contra Söder – das permanente Belauern der beiden Spitzenleute hat die CSU in den vergangenen Wochen und Monaten gelähmt.

Mal um Mal beklagte sich Söder halböffentlich und öffentlich über seinen langjährigen Widersacher. Die schlechten Umfragewerte in Bayern hätten ihre Ursachen in Berlin. Wen er damit meint, ist klar.

Rückblende: Es ist Samstag, der 16. Dezember 2017. In Söders Heimatstadt Nürnberg trifft sich die CSU zum Parteitag, sehnt sich nach Geschlossenheit und will daran glauben, dass die neue Machtverteilung in der CSU auch funktioniert. Es beginne „eine neue Ära“, ruft Seehofer den Delegierten zu. „Er kann es und er packt es“, schiebt er hinterher.

Seehofer fühlt sich pudelwohl – weil Söder strauchelt?

Ob er es tatsächlich kann und packt, daran zweifelte in den vergangenen Wochen nicht nur Seehofer. Der CSU-Chef gab bereits zu Protokoll, dass die Verantwortung für diesen Wahlkampf sein Nachfolger in der Münchener Staatskanzlei allein trage und er – Seehofer – sich pudelwohl fühle. Pudelwohl, weil Söder strauchelt?

Sonntagfrüh wird sich der Ministerpräsident in die Theodor-Billroth-Schule in Nürnberg-Mögeldorf begeben und wählen. Die Kamerateams sind bestellt. Später geht es nach München.

Es könnte ein brutaler Sonntag Wahlsonntag werden: Für Söder und für die CSU, weil sie ihren Nimbus als stärkste Volkspartei zu verlieren droht und ihr damit der nächste große Machtkampf ins Haus steht.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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