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Politik Linda W. aus Sachen wird im Irak zu sechs Jahren Haft verurteilt
Nachrichten Politik Linda W. aus Sachen wird im Irak zu sechs Jahren Haft verurteilt
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13:36 21.02.2018
Linda W. ist im Irak zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.  Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hamburg

Die junge Frau aus Sachsen sei wegen der Mitgliedschaft in der Terrormiliz IS zu fünf Jahren verurteilt worden. Auf sechs Jahre erhöht sich ihre Haftstrafe wegen der illegalen Einreise in den Irak. Das erfuhren NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung aus Justizkreisen in Bagdad. Weil die Angeklagte minderjährig ist, hat das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor einem Jugendgericht in der irakischen Hauptstadt Bagdad stattgefunden.

Prozess von Vertretern der Deutschen Botschaft im Irak beobachtet

Eine unabhängige Bestätigung in Deutschland war zunächst nicht zu erhalten. Aus irakischen Justizkreisen hieß es aber, Vertreter der deutschen Botschaft in Bagdad seien bei dem Prozess anwesend gewesen und hätten das Verfahren beobachtet.

Die Bilder der Schülerin aus Sachsen waren um die Welt gegangen, als sie von irakischen Sicherheitskräften bei der Einnahme der IS-Hochburg Mossul aufgegriffen wurde. An den ausgestreckten Armen war das weinende und schluchzende Mädchen staubbedeckt durch die Trümmer Mossuls gezerrt worden. Irakische Soldaten filmten die Szenen. Sie hatten das Mädchen zusammen mit anderen ausländischen IS-Frauen in einer Tunnelanlage in der Altstadt von Mossul entdeckt, wo sich die Frauen versteckt gehalten hatten.

1000 Menschen aus Deutschland nach Syrien und den Irak ausgereis

Linda W. war im Juli 2017 in der Stadt Mosul von irakischen Sicherheitskräften verhaftet worden und dann nach Bagdad überstellt worden. Der Fall hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Gegenüber NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hatte Linda W. gesagt, sie wolle schnellstmöglich nach Deutschland zurück und bereue es ausdrücklich, sich der Terrormiliz angeschlossen zu haben. Bereits im Januar war eine deutsche Staatsangehörige wegen der Zugehörigkeit zum IS zum Tode verurteilt worden.

Insgesamt sind deutschen Sicherheitsbehörden zufolge knapp 1000 Menschen aus Deutschland nach Syrien und in den Irak ausgereist. Zwischen 100 und 150 von ihnen seien dort ums Leben gekommen. Rund 300 seien nach Deutschland zurückgekehrt. Mehr als 15 Prozent von ihnen sind nach Regierungsangaben weiblich.

Verfassungsschutzchef warnt vor Gefahr durch Frauen und Kinder

Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen hatte zuletzt eindringlich vor einer Gefahr durch islamistische Frauen und Kinder gewarnt - insbesondere durch jene, die aus früheren IS-Kampfgebieten zurückkehren. Die Bundesanwaltschaft hatte angekündigt, hart gegen nach Deutschland zurückkehrende Frauen aus IS-Gebieten vorgehen zu wollen, selbst wenn sie nicht für die Terrormiliz gekämpft haben. Allein vier Frauen mit deutschem Bezug sitzen in Bagdad in Haft und wurden dort inzwischen von Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) vernommen.

Von fw/RND/ots

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