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Politik Deutsche Schulen top – Geld für Bildung flop
Nachrichten Politik Deutsche Schulen top – Geld für Bildung flop
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16:28 15.09.2016
Die Schülerzahlen sind seit 2008 gesunken – die Ausgaben pro Schüler hingegen gestiegen. Quelle: dpa
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Berlin

Besonderes Lob im internationalen Vergleich bekommt Deutschland für die berufliche Bildung. Nur 8,6 Prozent der 15- bis 29-Jährigen waren 2015 nicht in Bildung, Ausbildung oder Beschäftigung. Dieser Anteil ist einer der niedrigsten in den OECD-Ländern. Nur Island (6,2 Prozent), die Niederlande und die Schweiz (beide 8,3 Prozent) sowie Luxemburg (8,4 Prozent) schneiden besser ab. Der OECD-Durchschnitt beträgt 14,6 Prozent.

Wirtschaftslage begünstigt berufliche Bildung

Zu den Gründen zählt der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher die gute Wirtschaftslage und die als vorbildlich geltende berufliche Bildung. Auch beim Übergang von der Ausbildung in den Beruf steht die Bundesrepublik deutlich besser dar als in den meisten anderen untersuchten Ländern. Zehn Jahre zuvor hatte der Anteil der Menschen ohne Schule, Ausbildung oder Job in Deutschland mit 14,7 Prozent noch fast auf dem seither fast unveränderten OECD-Schnitt gelegen.

Zahl von jungen Leuten ohne Abschluss sinkt nicht

Ein Manko in der Bildungsentwicklung bleibt der Anteil der 25- bis 34-Jährigen, die keine abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur haben. Mit 13 Prozent ist der Wert seit Jahrzehnten kaum verändert. Andere Länder konnten den Anteil der Geringqualifizierten in den vergangen 30 Jahren deutlich verringern, in Österreich zum Beispiel von 23 auf 10 Prozent, in der Schweiz sogar von 16 auf 8 Prozent.

Mehr höhere Berufsabschlüsse

Der Anteil von jungen Erwachsenen, die zur Hochschule, Fachschule oder Berufsakademie gehen, stieg in Deutschland von 22 Prozent im Jahr 2005 auf 30 Prozent im Jahr 2015. Die Quote liegt damit aber noch immer unter dem OECD-Durchschnitt von 42 Prozent.

Deutschland investiert zu wenig

Deutschland gibt 4,2 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes für Bildungsinstitutionen aus - im OECD-Mittel sind es mit 4,8 Prozent deutlich mehr. Laut OECD-Experte Schleicher gibt es einen deutlichen Unterschied in der Bildungsfinanzierung: Die meisten Staaten beteiligten durch Studiengebühren „die gut verdienende Bildungsgewinner“ an der Finanzierung – in Deutschland bitte man die Jüngsten zur Kasse. Denn in der frühkindlichen Bildung liege der private Finanzierungsanteil bei etwa einem Viertel und damit deutlich über dem OECD-Schnitt.

Deutschland war jahrelang unterm Schnitt

Die deutsche Seele ist in Sachen Bildung tief angeknackst. Im Jahr 2001 schnitt der deutsche Nachwuchs beim weltweit größten Schülertest „PISA“ (Programme for International Student Assessment) schlecht ab. Das zog eine Hysterie von verdummenden Schülern, die nicht lesen, rechnen oder naturwissenschaftlich denken können. Der OECD-Bildungsbericht trat mit seinen Ergebnissen 2004 noch einmal nach: „Weil das Land unterdurchschnittlich wenig für die Bildung ausgebe und die Schüler unzureichend fördere, sei der Wirtschaftsstandort Deutschland bedroht.“

Danach wollte die Politik dem dreigliedrigen Schulsystem an den Kragen. Auch in den folgenden zwei Jahren hinkte Deutschland dem Bildungsschnitt der OECD-Studie hinterher. 2007 verschlechterten sich die Ergebnisse sogar noch einmal im Vergleich zum Vorjahr. Der Fachkräfte- und Akademikermangel sorgte für Schlagzeilen. Das Trauerspiel zieht sich weiter. 2010 wurde Deutschland attestiert, es sei „ das Land mit der geringsten Studienneigung im gesamten internationalen Vergleich. Vor allem in naturwissenschaftlichen, mathematischen und technischen Studienfächern ist die Lücke besonders groß.“

Ab 2012 ging es langsam bergauf

2012 wurde Deutschland zwar für steigende Zahlen von Kindergartenkindern gelobt, aber es liegt weiterhin unter dem Schnitt. Vor allem wurde moniert, „dass Arbeiterkinder in Deutschland kaum Aufstiegschancen haben und vielfach sogar hinter dem Bildungsniveau ihrer Eltern zurück bleiben.“

2013 machten sich die Maßnahmen der Bildungspolitiker endlich bemerkbar: Weniger arbeitslose Jugendliche als in anderen Ländern, geringere Arbeitslosenquote und weniger junge Menschen, die nicht in Arbeit oder Ausbildung sind. Der Anteil der Hochschulabsolventen blieb aber unter dem Schnitt der Industrie-Staaten.

Aus der Talfahrt befreit hat sich das Bildungssystem dann 2014. „Das duale Ausbildungssystem dagegen und die damit einhergehenden niedrigen Arbeitslosenquoten verdienen Lob und Anerkennung“, heißt es. Auch die Erwerbslosenquoten seien zurückgegangen.

Im Dezember wird die neue Pisa-Studie vorgestellt. Mit Blick auf die aktuelle Erhebung der OECD können die Bildungsexperten und -politiker wohl aus dem Tal der Tränen auftauchen.

Was erfasst die OECD-Studie?

Der seit 1996 jährlich erscheinende Bericht „Bildung auf einen Blick“ vergleicht die Bildungssysteme von mehr als 35 Ländern. Rund 150 Indikatoren ermöglichen den internationalen Vergleich der Bildungssysteme.

Erfasst wird der Bildungsverlauf von der Elementarbildung in Kindergarten und Vorschule bis zu Weiterbildung bei Erwachsenen. Die Studie erhebt unter anderem auch Daten zur Bildungsbeteiligung, Absolventenquoten, Bildungsausgaben sowie zu Lehr- und Lernbedingungen.

Von RND/Gunda Meyer

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